Zu Gast bei Gonzo und Gönzel

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Die beiden Brüder, Wolfgang "Gönzel" Kirsch (links) und Hariolf "Gonzo" Kirsch, mit ihrem Namensgeber aus der Muppet Show. Die beiden Brüder haben den Betrieb der Kanne 2001 von den Eltern übernommen und führen das Haus in vierter Generation.
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Die Kanne in Ellwangen setzt auf schwäbische Küche und Gastfreundlichkeit - und das kommt nach wie vor bestens an.

Ellwangen. Ihre Spitznamen haben sie von der Muppetshow, ihre Rezepte von den Eltern und Großeltern:  die beiden Wirte Hariolf "Gonzo" Kirsch (58) und Wolfgang "Gönzel" Kirsch (49). Die Beiden sind in Ellwangen Kult. Genauso wie ihr Gasthaus: die "Weinstube Kanne" in der Oberen Straße 2. 

 Wer in Ellwangen nicht nur wohnt, sondern auch lebt, der kehrt hier mit hoher Wahrscheinlichkeit regelmäßig ein. Die "Kanne" gilt in der Stadt als Institution. Weil sie urig ist, weil die beiden Kannen-Brüder stets Gastgeber im besten Sinne sind und weil der Chefkoch des Hauses, Wolfgang Kirsch, nach eigenen Angaben so kocht wie er spricht: "schwäbisch".  Auf den Tellern der Gäste landen hier deshalb auch - zubereitet nach alter Familienrezeptur - wahlweise hausgemachte Maultaschen, Sauerbraten oder Linsen mit Spätzle. So wie man es von zuhause eben kennt.

Wolfgang Kirsch ist überzeugt, dass in der kleinen, urschwäbischen Speisekarte der Kanne auch ihr Erfolgsgeheimnis begründet liegt. "Deutsche Küche findet man einfach nicht mehr so oft. In Crailsheim gibt es ein Lokal wie die Kanne doch schon gar nicht mehr." Setze sich das Gaststättensterben weiter fort, was er befürchtet, gibt es in Deutschland mittelfristig nur noch High End-Restaurants und System-Gastronomie. Die Gründe dafür seien vielschichtig.

Die Corona-Pandemie sei ein Faktor gewesen, sagen die beiden Kannen-Wirte. Diese Krise hätte auch ihren Betrieb ganz ordentlich durchgeschüttelt. Die Familie habe diese Phase der Zwangsschließung aber so gut wie möglich genutzt - um das alte Gasthauses, dessen Existenz seit 1612 in Ellwangen dokumentiert ist, umfassend zu sanieren und um wieder Kraft für die Arbeit zu schöpfen. Und die wird nicht leichter. Personal in der Gastronomie ist rar, in der Kanne helfen deshalb sowohl im Service wie in der Küche regelmäßig Freunde und Familienmitglieder aus.

Dazu kommt jetzt noch der Ukraine-Krieg und seine Folgen. Anfang des Jahres habe der Betrieb darum kämpfen müssen, einfache Zutaten, wie Mehl,  in ausreichender Menge zu bekommen. "Selbst das Frittierfett war zeitweise kontingiert", berichtet Wolfgang Kirsch. Die Lage habe sich zwischenzeitlich zwar wieder beruhigt, aber die Preise sind explodiert und steigen weiter. Für ein halbes Kilo Butterschmalz zahle man mittlerweile 6,50 Euro. "Die Preisspirale dreht sich immer schneller - das trifft natürlich auch uns", sagt Hariolf Kirsch.  Zumal  in der Kanne nicht nur mit Liebe, sondern auch mit Gas gekocht wird, wie der 59-Jährige mit einem Augenzwinkern ergänzt.

Die Kunden sollen davon so wenig wie möglich spüren. Auf der Speisekarte tut sich preislich vorerst noch nichts; aber beim Bier wird man neu kalkulieren. Gab's eine Halbe bislang in der Kanne noch für 3,50 Euro, wird der Preis dafür in Kürze steigen - auf 3,70 Euro. Die beiden Brüder hoffen darauf, dass ihre vielen Stammgäste das akzeptieren werden. Die mussten sich in diesem Jahr schließlich noch mit einer weiteren Neuerung anfreunden. Die Kanne, die bislang, nur montags Ruhetag hatte, macht seit Anfang dieses Jahres immer in der letzten Woche des Monats vier Tage zu - von Montag bis Donnerstag. "Wir packen es  sonst einfach nicht mehr", sagt Hariolf Kirsch mit Blick auf die dünne Mitarbeiterdecke.

Auch bei der Karte haben die beiden Kannen-Brüder abgespeckt. Auf der Hauptspeisekarte finden sich seit einiger Zeit nur noch 15 Hauptgerichte. Dazu kommt allerdings regelmäßig ein Wochenspezial - wie zum Beispiel ein Kalbstafelspitz in Meerrettichsoße. Saisonal schaffen es auch immer wieder kleine kulinarische Köstlichkeiten, wie aktuell hausgemachter Zwiebelkuchen und neuer Wein, auf die Karte - übrigens ein Gericht, das man in der Kanne auch noch kurz vorm Zapfenstreich um 22.55 Uhr serviert bekäme, sagt Wolfgang Kirsch, der sich zum Ausklang des Abends, ebenso wie sein Bruder,  gerne mal zu den Gästen setzt , um gemeinsam mit ihnen ein Bierchen zu trinken.

Wer regelmäßig bei den Brüdern Kirsch vorbeischaut, hat gute Chancen in der Kanne auch Spezialrezepturen, wie zum Beispiel Panna Cotta in Feuerzangenbowle-Soße, zu kosten. Ein Dessert, den man so vermutlich nirgendwo sonst auf diesem Planeten findet und der eine Reminiszenz darstellt, an das Kannen-Kultgetränk: die Feuerzangenbowle - die es in dem Gasthaus nur in den Wintermonaten gibt und die aus drei Litern Wein und 0,35 Liter Rum gemixt wird. Wer Lust auf diesen hochprozentigen Gaumenschmeichler hat, sollte zum einen vorbestellen und zum anderen wenigstens zu fünft in der Kanne antreten, empfiehlt Hariolf Kirsch. Wobei der 58-Jährige auch schon erlebt hat, dass Gäste die Bowle zu zweit geleert haben - und das in nicht einmal einer Stunde. Die beiden Männern seien damals etwas unter Zeitdruck gewesen, weil sie zum Zug mussten, berichtet der Gastwirt. Sie hätten die Kanne aber noch aufrecht gehend verlassen können.

Was man über die Kanne wissen muss:

In dem Gasthaus stehen rund 100 Plätze im Innenbereich zur Verfügung sowie rund 35 Plätze im Außenbereich (nur im Sommer). Zu den beliebtesten Gerichten zählen das Cordon bleu mit Pommes und einem gemischten Salat sowie die hausgemachten Maultaschen. Viele Gerichte werden in der Kanne auch in kleiner Portion angeboten. Das günstigste Hauptgericht ist der große gemischte Salatteller mit Schinken und Ei für 9,50 Euro, das teuerste Gericht ist das Rumpsteak mit Kräuterkruste überbacken mit Bratkartoffeln und Salat für 22,50 Euro.  Das Bier liefert die Ellwanger Rotochsen-Brauerei. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags  von 18 Uhr bis etwa 23 Uhr sowie sonntags von sonntags 11.30 bis 13.30 Uhr und 18 bis 23 Uhr. In der letzten Woche im Monat bleibt das Restaurant von Montag bis Donnerstag geschlossen.

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