Wort zum Sonntag

Alles neu macht der Mai

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Pfarrer Dr. Torsten Krannich

Essingen. Alles neu macht der Mai, so weiß der Volksmund zu erzählen. In den Wonnemonat tanzt man gern hinein. Maibäume werden auf Straßen und Plätzen unserer Orte aufgestellt und so mancher junge Mann zieht heute Nacht auch los, um seiner Freundin einen Maibaum in den Garten zu stellen. Und wer zu viel Maibowle getrunken hat, bekommt meistens keine originellen und lustigen Maischerze mehr  hin.


Kaum ein anderer Monatsanfang im Kalenderjahr beflügelt so unsere Fantasie und ist mit so viel Brauchtum verbunden, wie die heutige Nacht. Die lange Winterszeit ist an ihr Ende gekommen. Das Grün sprießt in diesen Tagen mit voller Kraft, auch auf den Höhenlagen der Ostalb.
Der Wonnemonat ist auch der einzige Monat, dem ein eigenes Lied im evangelischen Gesangbuch gewidmet ist. „Wie lieblich ist der Maien“ (EG 501). Das Lied wurde Anfang des 17. Jahrhunderts vom lutherischen Pfarrer Martin Behm gedichtet. Es steht als Zusammenfassung am Ende einer langen Predigt über den Monat Mai. Martin Behm verknüpft in seiner Predigt Psalmworte mit dem Frühlingserwachen und schreibt: „Was wir in den Psalmen in der Theorie haben, dasselbe finden wir im Mai in der Natur gleichsam in der Praxis im Werk, in Tat und Übung.“
Und so überträgt er in seinem Lied den Aufbruch der Natur auch auf unser menschliches Leben, denn beides geschieht zum Gotteslob: „Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein; die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei, damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.“

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