Appell für Frieden: Glocke läutet in Lauterburg

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Die evangelische Kirche in Lauterburg. Fünfmal am Tag sind die Glocken der Kirche im Dorf zu hören.
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Zehn Minuten: So lange erklingt täglich die Kreuzglocke der evangelischen Kirche in Lauterburg. Warum das so ist, erklärt Pfarrerin Gisela Fleisch-Erhardt.

Essingen-Lauterburg

Jeden Abend um 19 Uhr ist es so weit: Dann läutet die Glocke der Lauterburger Dorfkirche für zehn Minuten – als Appell für den Frieden in der Ukraine und in Europa, wie Gisela Fleisch-Erhardt erklärt. Glockengeläut, das ist für die Pfarrerin ein Anlass innezuhalten, zu beten. „Glockengeläut ist eine hörbare Botschaft, aber kein Gebet. Nur das Gebet kann, so hat es Jesus verheißen, etwas bewirken“, sagt Fleisch-Erhardt. Jeder Lauteburger und jede Lauterburgerin sei um 19 Uhr eingeladen zu beten.

Warum um 19 Uhr?

Warum erklingt denn die Glocke um 19 Uhr und nicht mitten am Tag? „Weder ich als Pfarrerin, noch der Kirchengemeinderat dürfen einfach Glocken läuten“, erklärt sie. Auch der Staat dürfe das Geläut, die „geistliche Stimme“, nicht anordnen. In der Läuteordnung sei festgesetzt, dass die Glocken fünfmal am Tag erklingen. Zudem erklingt um 9 Uhr die Schiedglocke, wenn jemand aus der evangelischen Kirchengemeinde verstorben ist, wie die Pfarrerin erklärt. Um 19 Uhr läutet die Kreuzglocke normal für fünf Minuten – in diesen Zeiten für zehn.

Einmal in der Woche, immer donnerstags, startet zudem vor oder in der Kirche ein Friedensgebet. Los geht's um 19 Uhr. „Wir wollen als Gemeinde einen Ort bieten, an den man sich mit seinen Ängsten, Sorgen und Fürbitten wenden kann.“ Etwa 15 Minuten dauere das Friedensgebet, mitmachen könnte jeder, die Konfession sei egal, betont die Theologin. „Wir können im Gebet einander trösten und bestärken“, sagt sie. Wie lange es das Angebot gibt, sei unklar. Die Pfarrerin will die Resonanz abwarten.

Doch nicht nur beten wollen die Christinnen und Christen. „Als Gemeinde wollen wir natürlich den Geflüchteten helfen“, betont die Pfarrerin. Etwa werde Geflüchteten aus der Ukraine bei Bedarf ein Dolmetscher vermittelt. Das Opfer des Gottesdienstes am Sonntag sei für die Flüchtlingsarbeit bestimmt.

Ähnliche Aktion in Köln: Im Erzbistum Köln läuten während der Fastenzeit täglich um 19 Uhr alle Kirchenglocken als Mahnung für Frieden.

"Glockengeläut ist eine hörbare Botschaft.“

Gisela Fleisch-Erhardt, Pfarrerin

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