Auch Bienen müssen mal

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In dieser Folge werfen wir einen letzten Blick in den Bienenkasten. Bis Dezember bleibt dieser nun verschlossen. Es zeigt sich: Bienen sind auch Bestatter.

Essingen

Ruhig ist es geworden im Bienenschaugarten bei Essingen. Verdächtig ruhig. Zu ruhig? "Das ist ganz normal", kommentiert Imker Dietmar Wiech den verwirrten Blick des Besuchs. Denn im Vergleich zum Hochsommer, in dem das Areal einem Bienen-Flughafen glich, schlüpfen dieses Mal nur noch vereinzelt Tiere aus ihrem Stock – wie auch der Mensch zieht sich das gelb-braune Tier im Winter zurück in die eigenen vier Wände.

"Heute blicken wir zum letzten Mal bis Dezember in den Stock", erklärt der Imker. Doch bevor es soweit ist, werden die Bienen gewogen. Keine Sorgen, Schönheitsmaße müssen sie nicht einhalten. "Ich schaue nun, ob die Tiere genug Futter haben oder ob das Volk ausgeraubt wurde", sagt Wiech, nimmt eine Handwaage, befestigt diese am Stock und quittiert seinen Blick auf die Anzeige mit einem zufriedenen "alles gut". 56 Kilogramm wiegt das Gebilde. 25 davon seien Zuckerrübensirup, den Wiech den Tieren in den vergangenen Wochen gefüttert hat.

Danach wirft der Imker einen Blick ins Innere des SchwäPo-Bienen-Heims. Und siehe da: Als Wiech den Bienenkasten öffnet ist es wieder da, das wohlklingende Summen und Brummen. 20 000 Bienen leben dort nun – das Volk ist im Vergleich zum Sommer um gut die Hälfte geschrumpft. Das Innere gleicht trotzdem einem Wimmelbild. Auch die Königin stolziert umher. Da sie nun weniger Eier legt, hat sie abgenommen, wie der Imker sagt.

"Etwas Brut ist noch da, der Rest ist Futter", sagt der Fachmann. Das sei ganz normal. "Nur, wenn die Bienen das Nest auf 34 Grad erwärmen können, legt die Königin Eier." Umso tiefer die Außentemperatur, desto schwieriger ist das. In der kalten Jahreszeit liege der Fokus der Tiere darauf, die Königin zu wärmen. Im Stock herrschen dann 15 Grad.

Heute blicken wir zum letzten Mal bis Dezember in den Stock.

Dietmar Wiech Imker

Von wegen Winterschlaf

Winterschlaf halten die Majas übrigens nicht. "Sie halten Winterruhe", erklärt Wiech. "Die Bienen, die den Stock wärmen und für die Versorgung zuständig sind, verbrennen Energie." Wer Energie verbraucht, muss sich auch erleichtern. Gibt's im Stock eine Toilette? Nein. Bienen machen einen Entleerungsflug, wie der Imker sagt. Doch die Tiere haben noch mehr Geheimnisse. Sie haben nicht nur eine gute Logistik, um die sie so manches Speditionsunternehmen beneidet, sondern auch ein Bestattungsunternehmen. "Jede Biene nimmt, wenn sie den Stock verlässt eine Leiche mit und lässt diese dann draußen fallen", erklärt Wiech. Würden die Leichen drin bleiben, würden sich Krankheiten in der Wohnung ausbreiten.

Mit diesem intimen Bienenwissen lassen wir das Volk wieder in Ruhe. Wiech schließt den Kasten. Das Summen verschwindet. Es ist wieder ruhig.

Kurz und knapp: das Bienen-Einmaleins

Hier erzählt Dietmar Wiech Wissenswertes rund um die Honigbiene:

Wiechs Bienen wurden von einem Sachverständigen untersucht. Das Ergebnis: Die Tiere sind gesund. 10 000 bis 15 000 Bienen leben im Winter in einem Volk – im Sommer etwa 50 000.

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