B29: Bauabschnitt zwei entsteht erstmals digital

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Blick auf die Anschlussstelle der B29 bei Essingen.
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Der vierspurige Ausbau der B29 bei Essingen schreitet weiter voran. Die bisherigen Arbeiten liegen laut Bauleiter Frank Engelhart im Zeitplan. Die Planungen für den zweiten Bauabschnitt seien in vollem Gange und sollen mit einer ganz neuen Methodik entstehen.

Essingen

Building Information Modeling, kurz BIM und auf Deutsch Bauwerksdatenmodellierung, nennt sich die neue Methode.

Sowohl das Baureferat des Regierungspräsidiums Stuttgart in Ellwangen als auch die Arbeitsgemeinschaft Rossaro, Haagbau, Stark, die mit dem Bau des Straßenabschnitts befasst ist, werden bei der Umsetzung des zweiten Bauabschnittes der B29 zwischen Essingen und Aalen zum ersten Mal vollumfänglich mit dieser Methode arbeiten.

Die Digitalisierung soll damit auch im Straßenbau Einzug halten. Frank Engelhart ist der Bauleiter des Großprojekts an der B29 und kann sehr genau erklären, wie die neue Methode funktioniert und welche Auswirkungen der vollumfängliche Einsatz für alle mitarbeitenden Parteien hat.

Stand des ersten Bauabschnitts:

Engelhart informiert darüber, dass man mit den bisherigen Arbeiten des vierspurigen Ausbaus der B29 dort ist, wo man sein wollte. Der Bauleiter führt weiter aus, dass sich die Zufahrtsrampe von Aalen kommend in Richtung Forst aktuell noch im Bau befindet und bis Mitte des Jahres 2023 voraussichtlich in Betrieb genommen werden kann. Wenn diese fertiggestellt ist, fehlen nur noch die Schutzplanken entlang der B 29. Die Arbeiten dafür werden aktuell ausgeschrieben.  

Fahrplan für Bauabschnitt 2:

Frank Engelhart hat bereits im Kopf, wie der zweite Abschnitt in Richtung Aalen ablaufen soll: „Bereits jetzt im Januar 2023 beginnen die ersten vorbereitenden Maßnahmen für den zweiten Bauabschnitt. Im Januar und Februar erfolgt die Durchführung der notwendigen Rodungsarbeiten.“ Zudem müsse ebenfalls vor dem Start der tatsächlichen Bauarbeiten noch eine Gasleitung im Gewerbegebiet Stockert verlegt werden, die parallel zur B29 verläuft. Der Start für die ersten Baggerarbeiten an den neuen Straßenabschnitten, so Engelhart, ist aktuell für den Frühsommer geplant.

„BIM“ erfasst Lebenszyklus

Eine enorme Anzahl von Bauplänen sowie ordnerweise Dokumente in Papierform sollen mithilfe der Digitalisierung in der Branche bald schon der Vergangenheit angehören. Digitale Entwurfs-, Abwicklungs- und Bestandsmodelle sind die Zukunft des Straßenbaus. Engelhart erläutert warum: „Langfristig soll die Bauwerksdatenmodellierung Prozesse vereinfachen und für eine erhebliche Zeit- und Kostenersparnis sorgen. Ab 2025 ist die Nutzung dieser Methode bei Maßnahmen in der Baulast des Bundes vorgeschrieben.“

Erste Erfahrungen mit der BIM-Methodik konnten dabei bereits im ersten Bauabschnitt gewonnen werden. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Bestandsdokumentation mittels Drohnen und Smartphone-Aufnahmen und den daraus entstandenen „As-built“-Modellen („Wie gebaut“).

Verlief der erste Bauabschnitt noch klassisch mit der Erstellung der Baupläne in Papierformat, sollen diese beim zweiten Bauabschnitt nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Engelhart erklärt, dass die Methode zukünftig für sämtliche Bereiche eines Bauwerks eingesetzt wird: „Es wird mittels der BIM-Methodik der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks- oder Straßenabschnitts betrachtet, beginnend mit der Planung, der Ausschreibung, der Bauabwicklung, der Bestandsdokumentation bis hin zum Betrieb.“ Engelhart führt weiter aus, dass hier im zweiten Bauabschnitt aus vorliegenden Ausführungs- und Entwurfsplänen zunächst digitale Ausführungs- und Entwurfsmodelle zu erstellen seien.

Bauaufsicht via Laptop

Sind diese Modelle fertiggestellt und geprüft, entstehe während der Bauarbeiten kontinuierlich das Bestandsmodell, das deren Verlauf optimal dokumentiere. Mit Hilfe von Drohnenaufnahmen wird der gesamte Baubereich stets dokumentiert, die typische Bauaufsicht findet dann nicht mehr vor Ort an der Baustelle, sondern im Büro an einem Laptop statt.

Da die digitalen Entwurfsmodelle direkt mit den entstehenden Bestandsmodellen verglichen werden können, können Abweichung sofort registriert und bewertet werden. Dies führe zu einer Reduzierung von nachträglichen Kostensteigerungen, da der etwaige Mehrverbrauch von Rohstoffen besser nachvollzogen werden könne.

Grundsätzlich ist Engelhart überzeugt von der neuen digitalen Methode, obwohl auch er sich mit seinem Team einarbeiten muss: „Es können Kollisionen vor der Bauphase frühzeitig erkannt und ausgeräumt werden, mittels hochmoderner Technologie wird der Bauablauf tagesaktuell dokumentiert, woraus sich zeitnah digitale Aufmaße und Rechnungen erstellen lassen.“ Besonders der Mehrwert durch die stetige digitale Überwachung und Dokumentation bringe unschlagbare Vorteile, führt Engelhart aus und sagt: „Durch die Entwicklung der „As-built“-Modelle stehen auf Knopfdruck wichtige Bestandsunterlagen und Bauwerksbücher in qualitativ hochwertiger digitaler Form zur Verfügung.“

Fest steht, die neue Methodik wird kommen und den zweiten Teil des vierspurigen Ausbaus der B29 begleiten.

Blick auf die Anschlussstelle der B29 bei Essingen.
Blick auf die Anschlussstelle der B29 bei Essingen.

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