Bahnhalt, Fahrverbot für Brummis und Mobilfunk

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Wolfgang Hofer an einem seiner Lieblingsplätze in Essingen, am Teich im Schlosspark.
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Im Interview verrät Bürgermeister Wolfgang Hofer, ob er lieber in den Bergen oder am Strand ist, wie er zum Bahnhalt steht und ob es in Essingen bald eine neue Gaststätte geben wird.

Essingen. Wolfgang Hofer hat die Qual der Wahl, muss sich entscheiden. Denn bevor es im Interview mit Essingens Bürgermeister um Lastwagenverkehr, den Bahnhalt und Gaststätten im Ort geht, bekommt er vier "Entweder-oder-Fragen" gestellt.

Vier "Entweder-oder-Fragen" hat die SchwäPo Bürgermeister Wolfgang Hofer gestellt.

Herr Hofer, viele Lastwagen brettern täglich durch Essingen. Ist ein Fahrverbot für Brummis geplant?

Wolfgang Hofer: Wir sind leider eine Transitstrecke für Lastwagen zwischen der B 10 und der B 29. Der Verkehr belästigt uns und unsere Nachbarn zunehmend. Politisch wird das Problem leider kaum wahrgenommen. Wir wünschen uns eine Drosselung des Lastwagenverkehrs, zum Beispiel durch ein Nachtfahrverbot oder Geschwindigkeitskontrollen. Denn man muss immer bedenken, dass auch Lastwagen aus der Region die Strecke nutzen müssen.

Und wer entscheidet darüber?

Das geschieht in den höheren Behörden. Wir haben den Lärmaktionsplan, mit dem wir kleinere Maßnahmen umsetzen können.

Verkehr ist ein gutes Stichwort. Gerade wird ja über den Bahnhalt-Essingen diskutiert. Wären Sie auch mit einer Bedarfshaltestelle zufrieden?

Erst mal geht es überhaupt um einen Halt. Wenn der Zug regelmäßig hält, wäre das natürlich besser - der Zug kann auch zwei Minuten warten und die Gäste mitnehmen. Wir sind gerade dabei, eine Bedarfsanalyse durchzuführen. Die letzte ist aus dem Jahr 2012 und da war der Bahnhof im Dornröschenschlaf. Wir wollen die Zahlen neu erheben und so den Bedarf prüfen.

Ist dieser vorhanden?

Ja, dort ist viel los. Wir haben Go Ahead, Firmen im Gewerbegebiet und das Baugebiet "Saukopf" um den Bahnhof herum.

Nicht so viel los ist aktuell in der Ortsmitte. Die Gewerbeeinheit, in die ein Weinhandel einziehen sollte, steht leer.

Wir prüfen gerade weitere Möglichkeiten. Ich kann mir im Hinblick auf die schrumpfende Gastronomie einen Bürgertreff vorstellen. So würde Leben in die Ortsmitte kommen. Es könnte ein Treffpunk für Bürgerinnen und Bürger werden, nicht speziell eine Gaststätte, und die Vereine könnten für die Bewirtung sorgen. Wir brauchen allerdings Motoren und Zugpferde dafür. Unabhängig davon suchen wir weiterhin nach Pächtern.

Einen Döner oder einen Snack auf die Hand - das gibt es in Essingen aktuell nicht. Ist ein Angebot in Planung?

Ideen gibt es, im Baugebiet "Saukopf" oder im "Stockert" eine Gastronomie anzusiedeln.

Mit dem neuen Baugebiet wächst Essingen. Wird's weiterhin Einfamilienhäuser geben? Dafür muss schließlich Fläche versiegelt werden.

Der Wunsch des Essinger Bauherrs war bisher das Einfamilienhaus. An der richtigen Stelle wollen wir Mehrfamilienhäuser zulassen und einplanen. Doch wir sind immer noch ein Dorf. Klar ist: Wir müssen mehr verdichten. Positive Beispiele sind das Hirschareal oder am Galgenweg. Es ist aber an der Zeit für ein neues Baugebiet. Den letzten Bauplatz haben wir vor drei Jahren vergeben.

Mit Baugebieten kommen auch junge Familien mit Kindern. Ist für diese ein Angebot geplant? Ein Sportplatz zum Beispiel.

Für die Jugend wollen wir in einem neuen Baugebiet einen Calisthenics-Park bauen (Anm. d. Red.: ein Park mit Stangen für Eigengewichtsübungen). Mit den Vereinen wollen wir die Sportplatzentwicklung angehen. Denn das Schönbrunnenstadion und die Leichtathletikbahn sind in die Jahre gekommen.

In diesem Jahr wurde die Digitalisierungsstrategie verabschiedet. Heißt das nun schnelles Netz für alle Essingerinnen und Essinger?

Wir haben einen Förderbescheid des Landes zum Glasfaserausbau bekommen. Die Ausschreibung läuft bereits und 2022 werden in Essingen die Leitungen verbaut.

Aber der Mobilfunkempfang könnte besser sein ...

Ja, da haben wir eine Schwachstellenanalyse betrieben - auch im Hinblick auf 5G.

Und was ist mit Lauterburg?

Aktuell ist Lauterburg über die Richtfunkantenne gut versorgt. 2022 soll der Ort an das Backbonenetz des Landkreises angeschlossen werden.

Stichwort Nachhaltigkeit. Welche Maßnahmen für den Umweltschutz will die Verwaltung umsetzen?

Wir bauen Radwege strategisch aus, denn Essingen soll eine Radgemeinde werden. Als nächstes ist der Weg von Forst nach Dewangen dran. Zudem bauen wir die Photovoltaik-Anlagen so gut es geht aus. Aktuell überprüfen wir, ob in Neubaugebieten eine Elektrotankstelle installiert werden kann. Zudem bauen wir das Nahwärmenetz aus. Das ist für uns eine sinnvolle Energieversorgung.

Das sehen nicht alle so. Warum?

Wenn man kurzfristig denkt, ist Nahwärme zunächst teuer, langfristig aber sinnvoll. Zunächst müssen die Gemeinde und die GEO viel in den Leitungsbau investieren. Es ist eine langfristige Investition. Die Energie-Auflagen werden zukünftig aber immer strenger und für den Altbau teuer. Dann ist Nahwärme von einem enormen Vorteil.

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