Basspedal sorgt für vollen Klang 

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Seit 35 Jahren spielt Dr. Susanne Lipp bei Beerdigungen auf dem Essinger Friedhof. Ihr ist es zu verdanken, dass es eine neue Orgel gibt. Foto: BK
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Erst Pfeifenorgel, jetzt ein elektronisches Instrument: Warum der Essinger Friedhof eine neue Orgel bekommen hat.

Essingen

Die Friedhofshalle in Essingen hat eine neue Orgel bekommen. Sie wurde am vergangenen Wochenende in einer öffentlichen Feierstunde eingeweiht.

Die neue Orgel ist, anders als ihre Vorgängerin, ein elektronisches Instrument. Als die Aussegnungshalle 1986 neu gebaut wurde, hat der damalige Kirchenmusiker Hermann Langbein ein Orgelpositiv der Firma Tzschöckel empfohlen, das zunächst geliehen und später von der Gemeinde Essingen gekauft wurde.

Susanne Lipp kann sich noch gut an diese Zeit erinnern. „Das war eine kleine, feine Pfeifenorgel mit einem guten Klang“, sagt sie rückblickend. Die Organistin sorgt seit über 35 Jahren für die musikalische Begleitung der Beerdigungen, sowohl der evangelischen als auch der katholischen.

Der Nachteil des Orgelpositivs: Es hat kein Pedal. Damit fehlen die tiefen Töne. Das ist jedoch vor allem beim Gesang wichtig. „Die Gemeinde fühlt sich mit tragendem Bass sicherer“, hat die nebenberufliche Kirchenmusikerin festgestellt. Zudem gibt es nur eine begrenzte Auswahl an Orgelliteratur. Eine Orgel mit Basspedal ist heute auf vielen Friedhöfen Standard.

2017 wurde die Schenkung einer gebrauchten Orgel vom Gemeinderat abgelehnt, da sie zu groß für die Aussegnungshalle erschien.

Susanne Lipp ist im Vorstand der Essinger Bürgerstiftung aktiv. Diese unterstützt ausschließlich Projekte in Essingen und wird ehrenamtlich geleitet. Im vergangenen Jahr erhielt die Bürgerstiftung eine großzügige Erbschaft eines Essinger Bürgers „ohne Auflagen und ohne Angabe des Verwendungszwecks“, so Lipp. Die Idee entstand, damit eine neue Orgel zu finanzieren. Der Vorstand stimmte zu.

Nach intensiver Beratung fiel die Entscheidung für ein Instrument der Firma Kisselbach.

Die neue elektronische Orgel bietet nun deutlich mehr musikalische Möglichkeiten als vorher, durch das Basspedal gibt es einen volleren Klang. Das Instrument ist witterungszuverlässig, verträgt also auch Temperaturschwankungen und benötigt – anders als die Pfeifenorgel – keine regelmäßige Wartung. Ein kleines Schild an der Orgel soll an den 2021 verstorbenen Spender Alfons Forstmeier erinnern.

Susanne Lipp beobachtet eine Veränderung der Beerdigungskultur. „Die Leute denken, sie können nicht mehr singen. Stattdessen wird eine CD eingelegt.“ Sie wünscht sich, dass weiterhin gesungen wird. „Gemeinsames Singen ist nicht so schwer, wie es scheint und ist tröstend und befreiend“, davon ist sie überzeugt.

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