Christoph Kern, der Herr der Loipen

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Weiß, soweit das Auge reicht. Um den Traktor über die Wanderwege und Loipen zu lenken, braucht es Übung. Herrchen, Frauchen, Wandernde und Wintersportlerinnen und Wintersportler freuen sich, dass die Kerns die Wege begehbar machen.
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110 Pferdestärken braucht's für Spuren im Schnee. Die Kerns aus Lauterburg pflegen die Winterwanderwege und Loipen in Lauterburg. Ein Besuch bei der Arbeit.

Essingen-Lauterburg

Es ist dunkel. Die Windräder blinken am Horizont. Christoph Kern schaltet das Licht am Traktor aus, öffnet die Tür und landet mit seinen Füßen im Schnee. Die Loipen sind gebahnt.

Zwei Stunden vorher, es ist 15 Uhr. Christoph Kern nimmt uns auf seinen Arbeitseinsatz im Traktor mit – Mund-Nasen-Schutz inklusive. Er und sein Vater Rainer sind die Herren der Loipen. Sie spuren diese, schauen nach dem Rechten.

110 PS für Spuren im Schnee

Startpunkt: Hof der Kerns zwischen Lauterburg und Bartholomä. SWR-4-Radio läuft, der Trekker brummt, dann geht's los. Mit neun Stundenkilometern pflügt das 110 PS starke Gefährt durch die Winterlandschaft. Es geht zur Mögglinger Skihütte und von dort in den Wald. Das Spurgerät schiebt sich über den Schnee, dahinter kommen der planierte Weg und zwei Fahrspuren zum Vorschein. "Wir wollen ermöglichen, dass man Skating und klassischen Langlauf machen kann", erklärt Christoph Kern, der Industriemechaniker ist. Und: "Auch Wandern ist auf den Loipen erlaubt", betont er. Immer wieder wandert sein Blick von der Windschutzscheibe nach hinten. Er justiert die Höhe des Spurgeräts leicht. "Das ist immer eine Spielerei."

Drinnen ist's mollig warm

Das Thermometer zeigt null Grad. Im Trekker ist es warm, Christoph Kern hat die Heizung aufgedreht. "Man merkt beim Spuren jedes Grad Außentemperatur. Am besten sind minus fünf bis minus zehn Grad, dann hält sich die Spur lange", erklärt der Landwirt, während er tiefer in den Wald zu den Weiherwiesen tuckert.

Gülle im Sommer

Wandern ist auf den Loipen erlaubt.

Christoph Kern Landwirt und Industriemechaniker

Sieben bis acht Stunden täglich ist einer der Kerns unterwegs durch den Wald. Los geht's um 5 Uhr. Christoph Kern sieht Hasen, Rehe, Füchse und Wildschweine. "Das ist einfach schön", sagt er und bremst. Ein Langläufer kommt entgegen, stapft in den Tiefschnee und streckt den Daumen in die Höhe. "Alle freuen sich über die Spur. Das macht richtig Spaß", sagt er. Anders als im Sommer: Da seien nicht alle begeistert, wenn er mit dem Güllefass durch die Gegend fahre.

"Nun wird's interessant." Routiniert lenkt Christoph Kern den 110 PS starken Trekker durch die Weiherwiesen. Etwa drei Meter breit ist das Gefährt. Und etwa drei Meter breit ist der Weg. Links und rechts sind die Weiher. Abenteuerlich. "Man muss hier genau aufpassen", so Kern. Auf dem Beifahrersitz gibt's Zeit, sich umzublicken. Die Weiher sind bedeckt mit Schnee, meterhohe Tannen säumen das Gelände. Idyllisch.

Es dämmert. Christoph Kern knipst das Licht an. Den Weg zu erkennen – für Ungeübte fast unmöglich. Alles ist weiß: Weg, Wiese, die Hügel. Alles. "Wenn man die am Tag zuvor gezogene Spur vor einem aus den Augen verliert, hat man ein Problem", sagt der Fahrer. Die Kerns, die seit vier Jahren für Loipen und Wanderwege zuständig sind, haben zur besseren Orientierung Pfosten am Wegesrand installiert.

Christoph Kern steuert nun gegen. Der Trekker rutscht etwas. Der Untergrund ist leicht schräg und eisig. Die letzten Langläuferinnen und Langläufer ziehen ihre Bahnen und der Traktor verlässt den Wald. Der Landwirt lenkt in Richtung Heimat. Es geht vorbei an Snowkitern und der Mögglinger Skihütte über Feldwege zurück zum Hof.

Es ist dunkel. Die Windräder blinken am Horizont. Christoph Kern schaltet das Licht am Traktor aus, öffnet die Tür und landet mit seinen Füßen im Schnee. Die Loipen sind gebahnt.

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