Der lange Weg zum neuen Orgelklang

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Die Orgel fügt sich harmonisch in den Chorraum der Dorfkirche in Lauterburg ein. 
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Die evangelische Kirchengemeinde Lauterburg kann dieser Tage gleich zwei Jubiläen feiern. Eines davon betrifft die Orgel. Ein kleiner Streifzug durch die Kirchenbücher. 

Essingen-Lauterburg. Die Kirchengemeinde Lauterburg hat dieses Jahr doppelten Grund zum Feiern: Vor 300 Jahren wurde die Pfarrstelle eingerichtet und vor 30 Jahren eine neue Orgel eingebaut. Bevor das Instrument der Firma Link aus Giengen seinen Platz in der Dorfkirche fand, gingen einige Jahre ins Land, denn auch das Denkmalamt hatte ein Wörtchen mitzureden: Die Vorgängerorgel war von historischem Wert.

Ein Streifzug durch die Kirchenbücher: Die Orgel aus dem Jahr 1907 bedurfte einer Erneuerung. Der Orgelsachverständige Klumpp rät dem Kirchengemeinderat (KGR) im November 1985 von einer Generalüberholung ab und stattdessen zu einer neuen Orgel. Der Preis: 130 000 bis 150 000 D-Mark. „Der KGR ist erstaunt über die hohen Kosten“, steht im Protokoll. Überholung oder Neubau? Die Kostenvoranschläge zeigen, dass ein Neubau deutlich teurer ist als eine Sanierung. „Der KGR kann sich nicht entscheiden, wenn auch die Überholung preislich gesehen vieles für sich hat. Vollends weil die Gemeinde einer neuen Orgel kritisch gegenübersteht und die Notwendigkeit noch nicht voll einsieht“, heißt es im November des Jahres 1987.

Oberkirchenrat (OKR) und Denkmalamt plädieren für Restaurierung. Der KGR erörtert Für und Wider eines Neubaus. Die alte pneumatische Orgel sei musikalisch und technisch veraltet, der Anschlag verzögert, heißt es. Auch könne man nur Meister der Romantik darauf spielen. Der KGR beschließt im Juli 1989 einstimmig, eine neue Orgel anzuschaffen. Das Denkmalamt soll um seine Einwilligung gebeten werden.

In einem Schreiben des Denkmalamts wenig später wird „der hohe denkmalpflegerische Wert der historischen Orgel in Lauterburg“ bestätigt. Das Landratsamt erteilt keine Genehmigung für eine neue Orgel bzw. die Abschaffung der alten.

Suche nach passendem Standort

Der KGR fragt beim Denkmalamt und OKR an, ob sich nicht ein anderer passender Standort für die alte Orgel finden lasse. Zwischenzeitlich interessiert sich eine katholische Gemeinde aus Stuttgart, sagt dann aber ab. Um einen Käufer zu finden, wird das Instrument in Fachzeitschriften ausgeschrieben. Ein Interessent aus Belgien meldet sich. Das Denkmalamt möchte die Orgel aber im Inland behalten und sucht eine Unterstellmöglichkeit. Im Oktober 1990 stimmt der KGR der Einlagerung im Kloster Wiblingen zu. Die neue Orgel – man entscheidet sich für ein Instrument der Firma Link zum Preis von 204 000 D-Mark – wird genehmigt. Da das Liegenschaftsamt mit Mietzahlungen für das eingelagerte Instrument droht, wird dieses dem Land übereignet.

Am Sonntag vor Weihnachten, am 20. Dezember 1992, ist die neue Orgel zum ersten Mal zu hören. „Sie gefällt eigentlich allen, sowohl ihrer Form, der Farbe und dem Klang nach“, ist zu lesen. Die offizielle Einweihung fand am 24. Januar 1993 statt.

„Die Lauterburger verbinden mit ihrem Instrument die langjährigen Organistinnen Martha Maier und Karen von Woellwarth“, sagt Pfarrerin Gisela Fleisch-Erhardt.

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