Der mit der Kreide schürft

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Uwe Ernst. Foto: uss
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Der in Böbingen lebende Künstler Uwe Ernst wird 75.

Essingen. Der in Böbingen/Rems lebende Künstler Uwe Ernst wird am heutigen Mittwoch 75 Jahre alt. Geboren in Göppingen/Fils, hat er an der Freien Kunstschule und an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studiert. Seit 1974 ist der Maler und Zeichner freischaffend tätig.

     Die Kreide, schwarze Kreide, ist das bevorzugte Handwerkszeug von Uwe Ernst. Er benutzt sie zum Schürfen – und geht deshalb an die Nerven. Ihr Geräusch, wenn sie aus dem Nichts des weißen Untergrunds Figuren und Gegenstände schafft, lässt sich von der Anmutung seiner Szenarien nicht trennen. Die Kreide bringt es an den Tag, wie die Sonne das Licht. Doch was bringt sie an den Tag, auf das Papier?

    Eine zentrale Stellung im Schaffen von Uwe Ernst nimmt das „Abendmahl“ ein. Es zeigt zwölf Männer, die sich in unterschiedlichen Posen mit schwarzen Löchern auseinandersetzen, die sich unter hochgezogenen Klappen auf einer schiefen Ebene öffnen. Ein Sinnbild für das Leben?

Dieses Werk war Thema einer audiovisuellen Interaktion mit Teilen der Passionsgeschichte nach dem Matthäus-Evangelium, die 2009 im Landratsamt des Ostalbkreises in Aalen ihre Uraufführung erlebt hat. Zeichnung, der in Musik umgesetzte Strich der Kreide, und Vokalartistik seiner Frau Dorothea fügten sich zusammen zu dem audiovisuellen Konzert „Im Prinzip: Hoffnung“.

   Natürlich muss dazu die Gegenwart ins Spiel kommen, die in den zeitkritischen Inszenierungen seiner Bildwerke bis heute die Folie der Auseinandersetzung bildet - und natürlich dürfen seine kleinen und großen Kreidetableaus keinesfalls als Illustration verstanden werden. Sie sind die visuelle Weltsicht eines großen Skeptikers und brillanten Denkers mit dem Kreidestift. Weil sie abseits und unbeeindruckt von allen Trends ihre formale Gültigkeit behaupten – und weil die Botschaften, Analysen und Beschreibungen, die in ihren Symbolen verborgen sind, aus den Urgründen existenzieller Befindlichkeit gespeist werden, dürften sie hoffentlich noch lange im Bewusstsein ihres Publikums Unruhe stiften.⋌

⋌Wolfgang Nußbaumer

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