Die Gedenktafeln der Reichsritter

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Sichtlich glücklich war Philipp von Woellwarth, als ihm Torsten Krannich (l.) und Siegfried Leidenberger ein Exemplar ihres Buches über seine Vorfahren überreichten.

Von den aus der Region stammenden Freiherren von Woellwarth sind 114 Grabtafeln erhalten. Über diese gibt es nun ein Buch, das am Sonntag vorgestellt wurde.

Essingen

Überwältigt sei er vom großen Interesse an seinen Vorfahren, sagte Philipp Freiherr von Woellwarth-Lauterburg. Der Schlossherr des nahe Essingen gelegenen Schlosses Hohenroden hatte zuvor von Torsten Krannich und Siegfried Leidenberger ein Exemplar des Buches "Die Epitaphe der Freiherrn von Woellwarth" entgegen genommen. Anschließend richtete er einige Worte an die rund 50 Menschen, die am Sonntagabend in die Quirinuskirche gekommen waren – nach geltenden Abstandsregeln.

"Ich war sofort begeistert von dem Projekt", sagte von Woellwarth. Ein erster Blick in das Buch habe ihm viel Interessantes über seine Familiengeschichte verraten. Gemeinsam mit ihm waren seine Ehefrau sowie zwei Töchter und ein Sohn mit Familien in der Kirche dabei. Posaunist Moritz von Woellwarth gab der Veranstaltung gemeinsam mit Tobias Knecht und Christian Bolz den musikalischen Feinschliff.

Vier Jahre Arbeit

Die Freiherren von Woellwarth gehörten zu den Reichsrittern, die in der frühen Neuzeit auch im Schwäbischen gelebt haben. 114 Epitaphe, also Gedenktafeln an verstorbene Mitglieder der Adelsfamilie, sind vor allem in Kirchen erhalten geblieben. Der Essinger Pfarrer Dr. Torsten Krannich hat diese vier Jahre lang ausfindig gemacht, fotografiert und beschrieben. Zusammen mit Co-Autor Siegfried Leidenberger sowie Gabi und Wolfgang Gokenbach hat Krannich nun ein 204-Seiten-starkes Buch auf den Markt gebracht.

"Vier Jahre insgesamt, aber ein Jahr intensivster Arbeit haben wir hineingesteckt", sagte Torsten Krannich. Die Präsentation des Buches hätte er sich im Kloster Lorch gewünscht. Denn dort befindet sich neben der Grablege der von Woellwarths auch die älteste der Epitaphen, nämlich aus dem Jahr 1400. Tatsächlich war die Buchvorstellung auch im Kloster geplant gewesen. Doch der dortige Freundeskreis entschied sich wegen der aktuellen Entwicklungen gemeinsam mit den Verantwortlichen vom Kloster sowie der Stadt gegen die Veranstaltung: "Da das Kloster Lorch nicht nur Kulturmonument, sondern auch Altenheim ist, sehen wir uns hier zu besonderer Vorsicht verpflichtet", hatte Vorsitzender Manfred Schramm begründet. So wurde die Veranstaltung nach Essingen verlegt. Bürgermeister Wolfgang Hofer unterstützte die Verlegung, er begrüßte die Gäste am Sonntagabend.

Auch die Quirinuskirche sei der richtige Ort für das Thema, sagte Krannich, denn hier befinden sich zwölf Epitaphen der von Woellwarths. Die zudem die ganze Bandbreite der Gestaltungsformen zeigen. Sowohl aus Stein als auch aus Holz seien die kunstvoll gestalteten Grabtafeln gefertigt worden.

Einen Einblick in die Geschichte der Reichsritter, zu denen auch die Freiherren von Woellwarth gehörten, bekamen die Zuhörer von Dr. Franz Brendle. Der Geschichtsprofessor von der Universität Tübingen berichtete über die Ausnahmestellung der Adelsgeschlechter, die in Schwaben, Franken und am Rhein ansässig waren. Sie gehörten zum Niederadel, die direkt der Kaiserkrone verpflichtet waren. Die Reichsritter befanden sich im Spannungsfeld zwischen lutherischem und katholischem Glauben, legte Brendle dar. Mehr Interessantes zum Geschlecht der Woellwarths verspreche Krannichs und Leidenbergers Buch, sagte Dr. Rainer Lächele. "Hier wurde wissenschaftlich gut gearbeitet, genau hingeschaut und sehr schön gestaltet", lobte der Unternehmenshistoriker. Das Werk sei ein gelungenes Beispiel dafür, was gut ausgebildete Historiker leisten können.

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