Die Schatzkammer des Zolls

  • Weitere
    schließen
+
Bianca Schlosser, Abfertigungsleiterin Einfuhr, und Ursula Dietenmeier, Leiterin des Zollamts Aalen, präsentieren einige Gegenstände, die Menschen aus dem Kreis im Netz bestellt haben.
  • schließen

Aalens Zollamt befindet sich auf Essinger Gemarkung, im Gewerbegebiet Dauerwang. Welche Waren kommen dort an? Das zeigt ein Besuch.

Essingen

Sexspielzeuge, lilafarbenes Viagra und ein aufblasbares Pferd – es gibt nichts, dass sie noch nicht auf dem Tisch hatten. Ursula Dietenmeier und Bianca Schlosser sind Zollbeamtinnen in Aalens Zollamt, das sich auf Essinger Gemarkung befindet. In dieser Folge der Sommerserie öffnen die beiden gemeinsam mit Zoll-Pressesprecher Hagen Kohlmann die Schatz-, pardon, Asservatenkammer.

Der Zoll sei immer der Erste, der etwas neues sehe. "Wir hatten das erste iPhone und das erste gefälschte iPhone auf dem Tisch", sagt Kohlmann. Die Postabfertigung sei eine "Wundertüte". Das sehen die beiden Zollbeamtinnen ähnlich. An ihnen kommt nichts vorbei. Reisemitbringsel, Schlangen in Flaschen, kleine Krokodile – "jede Ware, die in die Europäische Union eingeführt wird, muss über den Zoll", sagt Ursula Dietenmeier.

Die Aufgabe eines Zöllners scheint einfach: Ware anschauen, Geld verlangen. Doch so ein Zuckerschlecken ist es dann doch nicht. Verbote und Paragrafen müssen die Beamten auswendig kennen wie die Mitternachtsformel. Denn ein Tee aus China ist nicht nur ein Tee. "Wir müssen klären, ob artengeschützte Pflanzen enthalten sind", erklärt Ursula Dietenmeier. Für einen Tee könnten bis zu vier unterschiedliche Prüfungen notwendig sein. Wer Verbotenes in die EU einführt, müsse nicht in jedem Fall mit einer Strafe rechnen, sagt Bianca Schlosser. "Es reicht von einer Verwarnung bis zum Strafverfahren."

Mit der Erfindung des Internets sei der Pakettransport explodiert, sagt Kohlmann. Verboten sei etwa die Einfuhr in die EU von Medikamenten, Lebensmitteln, gefälschten Produkten und Barmitteln.

Da gibt es manchmal ein böses Erwachen.

Hagen Kohlmann Zoll-Pressesprecher

Ein großes Problem: Dopingmittel. "Nur das Bestellen der Mittel ist bereits eine Straftat", sagt Ursula Dietenmeier. Auch mit Viagra hatten die Beamten eine Zeit lang zu kämpfen. "Das ist besonders heikel, weil es sich um ein Doppelprodukt handelt, es ist ein Arzneimittel und meistens auch noch gefälscht", sagt Kohlmann.

Wer etwas aus einem Drittland bestellt, wird zum Zoll gebeten, wenn keine Rechnung auf dem Paket klebt oder sich ein verdächtiger Inhalt darin befindet. Die Freude am Auspacken wird den Bestellern nicht genommen – geöffnet werden die Pakete im Beisein der Besitzer. "Die meisten rechnen nicht damit, dass sie die Sachen auspacken müssen. Das gibt manchmal ein böses Erwachen", sagt Kohlmann. Da könne es vorkommen, dass sich ein Zollbeamter ein Sexspielzeug erklären lassen muss. Denn für die Versteuerung sei es wichtig, ob es sich bei dem Gegenstand um eine Kunststoffware oder ein Spielzeug handelt. "Die Sache bleibt natürlich anonym", betont Kohlmann. Oder es passiert, dass die Käufer mit den Zollbeamten handeln wollen. "Aber wir sind hier kein Basar", sagt Ursula Dietenmeier.

Und was passiert mit gefälschten Uhren, technischen Geräten & Co.? "Die werden einmal im Jahr verbrannt", sagt Hagen Kohlmann.

Wie funktioniert der Zoll?

Wie funktioniert der Zoll? Ein Paket aus einem Nicht-EU-Land kommt meist in Frankfurt an. Dort wird es vorsortiert und an die Zollstelle in der Nähe des Empfängers gesendet, etwa, wenn keine Rechnung enthalten ist. Vor Ort muss der Empfänger das Paket öffnen. Stellt der Zollbeamte einen verbotenen Inhalt fest, darf der Empfänger sein Paket nicht mitnehmen – eventuell kommt eine Strafe auf ihn zu.

Der genaue Blick: Wer im Netz bestellt, sollte das Impressum überprüfen, um herauszufinden, woher die Ware kommt. Und: "Immer mit Paypal bezahlen, denn dort gibt es einen Käuferschutz", sagt Zoll-Pressesprecher Hagen Kohlmann.

Der Wert: Unterschreitet eine Sendung aus einem Drittland 22 Euro (inklusive Versand), muss kein Zoll bezahlt werden. Kostet die Sendung zwischen 22 und 150 Euro, ist eine Einfuhrumsatzsteuer in der Regel von 7 oder 19 Prozent fällig. Bei Sendungen mit einem Wert von mehr als 150 Euro muss zudem Zoll gezahlt werden.

Originell: eine Schlange mit einer Schlange im Maul.
"Zoll" steht in Versalien auf den konfiszierten Medikamenten und Dopingmitteln.

Zurück zur Übersicht: Essingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL