DRK Bergwacht Aalen: Männer und Frauen, die Leben retten

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Die Mitglieder der DRK Bergwacht Aalen rücken etwa aus, wenn sich jemand beim Ski fahren verletzt. 25 aktive Bergwachtler gibt's aktuell, drei davon sind hier auf dem Foto zu sehen (v.l.): Naturschutzwartin Stephanie Lehnert, Bergwachtleiter Florian Funk
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Sie helfen in der Not: Mitglieder der DRK Bergwacht Aalen. Was sind die Aufgaben der Gruppe? Das zeigt sich bei einem Besuch der Bergrettungswache in Lauterburg.

Essingen-Lauterburg

Nein, so spektakulär wie bei den Bergrettern im Fernsehen, die in halsbrecherischer Mission alleine Wandernde retten, läuft eine Aktion der DRK Bergwacht Aalen nicht ab. Teamarbeit ist gefragt. Gelände begutachten, Aufgaben verteilen, Verletzte und sich selbst sichern – im Notfall muss es schnell gehen. Vom gestürzten Radler bis zum Suizid: „Das hatten wir alles schon“, sagt Thomas Pöpperl, Kassierer der Gruppe, bei einem Besuch der Bergrettungswache in Lauterburg. „Jeder Einsatz ist anders“, fügt Matthias Bau, Sprecher der Bergwacht, hinzu.

Pro Jahr sei es etwa eine tote Person, die die Bergwachtler zwischen dem Orrotsee und den Ofnethöhlen – so groß ist ihr Einsatzgebiet – bergen. Wie gehen die Mitglieder mit dem Tod vor Augen um? „Wir haben das Glück, dass wir meistens aus Berufen kommen, bei denen man mit Verstorbenen umgehen kann“, erklärt Bau, der im Krankenhaus arbeitet. Auch Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger stehen dem Team zur Verfügung.

Doch Bergwacht, das ist nicht nur Menschenleben retten. Immer, wenn die Mitglieder draußen sind, sind sie auf Naturstreife. Dass im Naturschutzgebiet nicht gecampt werden darf, dass bestimmte Pflanzen geschützt sind und dass Wandernde auf den Wegen bleiben müssen – auf all das machen die Bergwachtler ihre Mitmenschen aufmerksam. „Mit dem Naturschutz hat die Bergwacht eigentlich angefangen“, weiß Stephanie Lehnert, die Naturschutzwartin. Fritz Berger aus München wollte in den 1920er Jahren gemeinsam mit Gleichgesinnten den Ansturm auf die Berge in verträgliche Bahnen lenken – die Bergwacht war geboren.

Ach ja, eine Tätigkeit darf nicht in Vergessenheit geraten: Wenn Schnee liegt und die Herzen der Wintersportler höherschlagen, dann sind die Bergwachtler auf den Pisten in Aalen und Lauterburg unterwegs, um verunglückten Skifahrern, Langläufern & Co. zu helfen. Immer dabei: das „All Terrain Vehicle“, kurz ATV, und eine Trage. Wichtig sei, im Ernstfall nicht nur Verunglückte zu retten, sondern auch Angehörige zu betreuen. „Für uns ist es zum Beispiel selbstverständlich, die Angehörigen nach Hause zu bringen. Wir sind Leute, die gerne helfen“, sagt Pöpperl. Was die Mitglieder besonders freut: Wenn sie nach dem Einsatz, es sind etwa zwölf im Jahr, ein Lob von den Geretteten bekommen.

Ungefähr 340 Mitglieder hat die Bergwacht Aalen, wie Leiter Florian Funk bilanziert. 25 Mitglieder, davon drei Frauen, seien Einsatzkräfte. Ehrenamtlich wohlgemerkt. Denn die Bergwachtler retten gewissermaßen in ihrer Freizeit – und sie sind wie die Feuerwehr rund um die Uhr alarmierbar. „Wir sind eine ehrenamtliche Organisation, die sich über ihre Einsätze finanziert“, erklärt Bau.

Was braucht’s außer Ski, Helm, Klettergurt und Wanderschuhen, um Teil der Bergwacht zu sein? „Man muss den Willen haben, sich ins Team einzufügen“, sagt Bau. „Flexibilität, Improvisationstalent, Freude und ein Helfersyndrom“, sprudelt es aus Pöpperl heraus. Profi im Ski fahren und Klettern müsse niemand sein. „Eine Neigung für eine Disziplin reicht aus“, sagt der Kassierer – wer nichts davon beherrscht, kann sich im Naturschutz engagieren.

Das Schöne an der Bergwacht für die Mitglieder: „Die Kameradschaft und die Einsätze. Man hat viel mitgemacht, viel erlebt und fühlt sich miteinander verbunden“, sagt Stephanie Lehnert. Die Gruppe hofft, ausreichend Nachwuchs für die Arbeit zu begeistern. Acht Anwärter stecken aktuell mitten in der dreijährigen Grundausbildung. „Ich hoffe, dass sie später dabei bleiben“, betont die Naturschutzwartin – Platz für weitere Interessenten gibt’s. „Jeder kann sich hier finden“, betont Pöpperl.

Jeder kann sich hier finden.“

Thomas Pöpperl, Kassierer
  • Bergwacht Aalen – Gründung 1958
  • Fast 13 000 Menschen benötigen jedes Jahr eine notfallmedizinische Versorgung durch die ehrenamtlichen Retterinnen und Retter der Bergwacht. Das sind 1083 pro Monat oder mehr als 35 pro Tag. In den Hoch- und Mittelgebirgen Deutschlands engagieren sich 12 000 Bergretterinnen und Bergretter. Diese Zahlen teilt der DRK-Landesverband mit.
  • Die Grundausbildung dauert etwa drei Jahre. Die DRK-Bergwacht Bereitschaft Aalen wurde 1958 gegründet. In Aalen trifft sich die Jugendgruppe immer dienstags von 17 bis 19 Uhr im Rettungszentrum. Infos im Netz unter www.bergwacht-aalen.de
Der Helm: ein wichtiger Teil der Arbeitskleidung.
Action bitte: Mitglieder der DRK Bergwacht Aalen sind mit dem ATV unterwegs.
Action bitte: Mitglieder der DRK Bergwacht Aalen sind mit dem ATV unterwegs.
Action bitte: Mitglieder der DRK Bergwacht Aalen sind mit dem ATV unterwegs.
Mitglieder der DRK Bergwacht Aalen

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