Ein Bienenleben ist kein Ponyhof

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Es summt kräftig: Dietmar Wiech begutachtet die SchwäPo-Bienen genau. Er schaut, ob es Anzeichen für einen großen Befall der Bienen mit der Varroamilbe gibt – das ist zum Glück nicht der Fall.
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Die Varroamilbe ist ganz schön heimtückisch, wegen ihr sterben viele Bienen. Imker Dietmar Wiech zeigt eine etwas andere Bekämpfung der Milbe – und nimmt uns zur Fütterung mit.

Essingen

Ein Bienenleben ist kein Ponyhof. Ständig wird man von Menschen fast totgeschlagen. Man muss das ganze Leben lang arbeiten (ohne Rente) und dann ist da auch noch die Varroamilbe, die einem das Leben zur Qual macht.

Doch zum Glück gibt's Imker, die für Abhilfe sorgen. Dietmar Wiech erklärt in dieser Folge im Bienenschaugarten in Richtung Tauchenweiler, wie er der Milbe den Kampf ansagt. Denn Wiech kann etwas gegen diese tun, im Vergleich zu den Bienen. Werden die Tiere von der Milbe belagert, sterben sie meist oder bekommen verkrüppelte Flügel, wie Wiech erklärt.

Zweimal im Abstand von drei Wochen muss der Imker die Tagespost-Bienen gegen die Milbe behandeln. Mitte Juli und Mitte August – uns zeigt Wiech im Nachgang, was ein Bienendoktor macht.

Die Kraft der Natur

Ätzende Mittelchen, wie hochprozentige Ameisensäure, sprüht er nicht ins Volk. "Das kann man zwar machen, ist aber belastend für die Bienen und verätzt deren Atemwege." Wiech setzt beim Kampf gegen die Milbe, die einer Zecke ähnelt, auf die Kraft der Natur. Er verwendet Plättchen mit ätherischen Ölen. "Die Bienen mögen den Duft davon nicht. Das fördert den Putztrieb", erklärt er. Denn bei den Bienen sei es wie bei den Menschen: Es gibt saubere und nicht so saubere – der Duft der Öle verwandelt alle in Hygienefreaks. Die Milbe werde dadurch vom Körper der Bienen gestreift, verliere die Orientierung und finde nicht mehr zurück. Nach zwei Stunden ohne Wirt sterbe die Varroa.

Wiech nimmt ein Plättchen, das nach Kampfer, Thymol und Eukalyptusöl duftet, und wickelt es in ein Fliegennetz ein. "Sonst tragen es die Bienen aus dem Stock." Nun öffnet er das Zuhause der Tagespost-Bienen und tackert die Konstruktion im Innern des Stocks fest. Mhm, ein feiner Duft breitet sich aus.

Würde Wiech nichts gegen die Milbe unternehmen, würde diese sich exponentiell vermehren. "Das Volk schafft es so vielleicht bis zum Winter. Doch dann wäre es so voll mit Varroa, dass es kaputt gehen würde." Ein Volk ohne Varroa gebe es gar nicht – auch unser Tagespost-Volk ist nicht milbenlos. Die Aufgabe des Imkers sei, die Ausbreitung im Zaum zu halten. Das ist übrigens auch gesetzlich festgeschrieben. "Wer nicht gegen die Milbe behandelt, muss Strafe zahlen", sagt Wiech, während er die Bienenheimat schließt.

Und was hat die Varroa-Pandemie, wie sie unter Imkern genannt wird, ausgelöst? "In den 70ern wollte man die asiatische Biene mit der europäischen kreuzen." Das asiatische Tier kommt mit der Milbe zurecht. "Aber für unsere kleine zarte Honigbiene ist sie ein Problem", sagt Wiech. Der Kreuzungsversuch scheiterte damals. Übrig geblieben ist die Varroa, die Imkern und Bienen das Leben nicht leicht macht.

Wenn Bienen Hunger haben

Die Tagespost-Winterbienen, die etwa bis Januar leben, haben aktuell mächtig Kohldampf. Denn von ihrem gesammelten Honig ist nicht mehr viel übrig – einiges davon landete in Honiggläsern. "Jetzt gibt's noch Futter", sagt Wiech daher bei unserem Besuch zu seinen Bienchen. "Wenn ich ihnen schon den Honig wegnehme, sollen sie Gutes zum Fressen bekommen", sagt der Imker, öffnet den Stock erneut und holt einen Messbecher, der mit einer dickflüssigen Masse gefüllt ist. Auf dem Speiseplan steht heute Zuckerrübensirup von Südzucker – "das ist natürlich, lang haltbar und regional". "Jetzt muss ich schnell sein", sagt Wiech. Denn auch die Wespen haben Wind von der Aktion bekommen und stürzen sich schon auf die zuckersüße Flüssigkeit. Wiech kippt schnell drei Liter Sirup in die Futterstelle und schon ist die Bienenwohnung wieder verschlossen. "Ich füttere die Bienen etwa alle zwei Wochen. Wenn 25 Kilogramm Zucker im Stock sind, höre ich auf", sagt er. Diese Menge reiche den Bienen über den Winter. Und wenn nicht? "Dann füttere ich sie mit Blütenhonig."

Kurz und knapp: das Bienen-Einmaleins

Hier erzählt Dietmar Wiech Wissenswertes rund um die Honigbiene:

Im Sommer braucht das Volk zirka zwei Liter Wasser/Tag, dies wird von etwa 1000 Bienen herbei geschafft. Ein Bienenvolk kann im Jahr etwa 500 Gramm Wachs produzieren, hierfür benötigen sie 3,5 bis 4 kg Honig.

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