Ein Duschvorhang als Corona-Schutz

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Für eine sichere Fahrt in Corona-Zeiten: Simone Funk hat in ihrem Taxi einen Trennschutz zwischen Vorder- und Rücksitzen eingezogen. Außerdem gilt Maskenpflicht.

Wie die Taxiunternehmerin Simone Funk die Pandemie erlebt und was sie sich von der Politik wünscht.

Essingen

Den Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr hat Simone Funk deutlich gespürt – die Aufträge gingen zurück. Das Hauptgeschäft der Taxiunternehmerin sind Krankentransporte. Sie fährt die Menschen zu Arztterminen, Therapien und Operationen. "Viele Leute hatten damals Angst, zum Arzt zu gehen und sind lieber zuhause geblieben", erzählt sie. Im Sommer habe sich die Auftragslage dann wieder normalisiert. "Man ist als Unternehmerin nervös, wenn die Aufträge nachlassen. Ich war Gott sei Dank in der Lage, keine Corona-Hilfen vom Staat annehmen zu müssen", sagt sie heute mit Blick auf das vergangene Jahr. Sie weiß aber auch von Kollegen, die deutliche Einbußen verzeichnen, weil sie im Bereich der sogenannten Discofahrten arbeiten.

Simone Funk ist Mitglied im Verband des Württembergischen Verkehrsgewerbes. Von dort erhält sie die vom Gesetzgeber beschlossenen aktuellen Empfehlungen und Verordnungen. Wie die Maskenpflicht, die in allen Taxis gilt. Anfangs habe man den Mund- und Nasen-Schutz selbst gemacht, da es noch keine Masken zu kaufen gab, erinnert sich die 52-Jährige.

Später kam die Weisung vom Land, eine Trennscheibe zwischen Vordersitzen und Rückbank einzuziehen. Funk kaufte eine Plexiglasscheibe und baute sie ein. Danach hieß es, die Scheibe müsse vom TÜV abgenommen werden. Das Material erwies sich aber als unpraktisch, überstand das Verschieben des Beifahrersitzes nicht. Deshalb dient jetzt ein umfunktionierter Duschvorhang im Taxi als Trennschutz. Der ist durchsichtig, stabil und dennoch beweglich. Außerdem sei er leicht zu reinigen, sagt Funk, für die regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren sowie häufiges Lüften des Fahrzeugs zum Alltagsgeschäft gehört.

Froh ist die Unternehmerin, dass derzeit auch Einzeltransporte durch die Krankenkassen finanziert werden. Denn üblicherweise sei man angehalten, mehrere Personen gleichzeitig zu fahren. Dafür habe sich der Taxiverband eingesetzt, so Funk.

Man ist als Unternehmerin nervös, wenn die Aufträge nachlassen.

Simone Funk Taxifahrerin

Zu den Zielen der Taxifahrerin gehören Arztpraxen in der Umgebung, aber auch größere Touren in die Unikliniken Stuttgart und Ulm. Einen Service, den Funk ihren Kunden derzeit nicht anbieten kann, ist die Begleitung direkt zur Behandlung. Dass sie die ihr anvertrauten Senioren nicht mehr ins Krankenhaus oder in die Ambulanzen bringen darf, bedauert sie sehr. "Das ist derzeit leider nicht möglich." An der Besucherschleuse sei Schluss für sie. Die ungewohnte Umgebung, dazu oft Gepäck – unter den älteren Menschen sorge das für große Verunsicherung.

Die Auflagen sind hoch im deutschen Taxigewerbe. Wenn es um solche Unternehmen wie "Uber" geht, wünscht sich die Essingerin von der Politik ein klares Bekenntnis zu den hiesigen Standards. Simone Funk zählt auf: jährliche Untersuchung beim TÜV und jährliches Eichen des Taximeters, Überprüfung des Taxiführerscheins alle fünf Jahre mit medizinischem Check und Polizeiführungszeugnis. Zudem: "Wir beschäftigen sozialversicherungspflichtiges Personal."

Brief an Bläse und Spahn

Noch etwas brennt ihr unter den Nägeln und das hat mit Corona zu tun. Warum ist die Politik nicht in der Lage, auf den Dialysestationen direkt zu impfen oder ein Impfteam anzufordern, fragt sie. Gerade diese Menschen seien besonders gefährdet. Deshalb hat die Gemeinderätin an Landrat Bläse, an den Ministerpräsidenten Kretschmann und Gesundheitsminister Jens Spahn geschrieben. Eine Antwort habe bisher nicht bekommen.

Taxifahrerin und Gemeinderätin

Simone Funk, 52, ist selbstständige Taxiunternehmerin. Sie beschäftigt eine Mitarbeiterin. Den Betrieb hat sie von ihren Eltern übernommen. Simone Funk ist Mitglied der SPD und engagiert sich im Essinger Gemeinderat.

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