Ein SchwäPo-Bienenvolk 2.0 entsteht

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Bei diesem Besuch steht eine der Königsdisziplinen des Imkerns an: die Zucht eines Volks. Imker Dietmar Wiech erklärt wie's geht.

Essingen

Ich kann nicht versprechen, dass das SchwäPo-Bienenvolk überlebt", sagt Dietmar Wiech beim vierten Besuch der Tiere im Schaugarten bei Tauchenweiler. "Aber ich mache alles dafür, dass es klappt", betont der Imker. Denn im Winter drohen Gefahren: Die Bienen können krank werden, erfrieren. Etwa zehn bis 15 Prozent schaffen es nicht durch die kalte Jahreszeit, wie der Imker bilanziert.

In Folge Nummer vier geht's daher um die "Königsdisziplin" des Imkerns, wie Wiech es nennt: die Zucht eines neuen Volks.

Die SchwäPo-Bienen sammeln inzwischen fleißig Honig – für den Eigenverbrauch. Einige Tiere schwirren aus, als Wiech den Stock öffnet. Doch wirklich zu interessieren scheinen sie sich für den Imker nicht. Zur Sicherheit sprüht er noch etwas nach Lavendel duftenden Nebel in den Stock. "Das beruhigt", sagt Wiech, schnappt sich das Absperrgitter und platziert es über dem Brutraum der Bienen. Darüber kommt ein Kasten; ein Honigraum mit honigfeuchten Waben.

Betörend: der Duft von Honig

Der Clou: "Die Bienen riechen den frischen Honig und schlüpfen durch das Gitter in den Honigraum." Der Sinn: Durch die Absperrung können nur die Bienen, aber keine Drohnen und die Königin, in den Brutraum. Dadurch hat Wiech neue Bewohnerinnen für einen neuen Stock. Der Imker geht zu zwei weiteren Bienenstöcken, um die Prozedur zu wiederholen.

Zehn Minuten später sind die anderen Honigräume aufgesetzt. "Jetzt heißt es warten", sagt Wiech. Zeit zum Zurücklehnen? Keineswegs. Der Imker steuert auf einen Bienenstock en miniature zu. Er sprüht etwas Lavendelnebel darauf und öffnet den Stock. Darin wohnt die von Wiech gezüchtete SchwäPo-Bienenkönigin 2.0. Sie wird sich um das neue Volk kümmern. Wiech löst einen Rahmen und sucht darauf die Königin. Unzählige Majas und Willis wuseln dort umher. "Da ist sie", sagt der Imker und zeigt auf das 18 Millimeter lange Tier. Für die Königin ist es nun Zeit, dem Ministock ade zu sagen. Wiech hat bereits einen Käfig vorbereitet, der einer Streichholzschachtel mit Löchern ähnelt. Eine Seite ist mit Futterteig aus Zucker verschlossen.

Beklemmend: die Zelle auf Zeit

Behutsam führt Wiech die Königin und einige Bienen in das Gefängnis auf Zeit. Warum müssen so viele Tiere in die Zelle? "Wenn eine Königin alleine ist, stirbt sie, da sie nicht selbst fressen kann. Die Bienen ernähren sie mit dem Futterteig", erklärt der Imker und hängt den Käfig in einen noch nicht bewohnten Brutraum.

Ein erneuter Schauplatzwechsel steht an. Wir erinnern uns: Zu Beginn hat Wiech Honigräume auf einige Bienenwohnungen gesetzt. "Hier ist es schon richtig voll." Zeit, die Bienen in ein neues Zuhause umzusiedeln. Honigraum für Honigraum stellt er nun über den Brutraum, in dem die Königin im Käfig sitzt. Nun heißt es wieder warten. Dieses Mal drei bis vier Tage. "Die Bienen fressen von innen und außen die Zuckermasse an. Wenn sie fertig sind, kann die Königin aus dem Käfig in den Stock krabbeln", erklärt Wiech. So könnten sich Bienen und Königin erst beschnuppern, bevor sie aufeinandertreffen. "Die Königin hat einen anderen Duft. Ohne Käfig würden sie die Bienen als Eindringling sehen und töten." Die Zelle sei dafür da, dass sich die Tiere aneinander gewöhnen.

Et voilà: Ein neues Volk ist nach wenigen Tagen gegründet, und die Königin beginnt mit dem Eierlegen.

Eine waghalsige Aktion

Essingen. Eine waghalsige Aktion steht bei diesem Besuch an – zumindest aus ihrer Sicht. Sie darf eine Bienenkönigin markieren. Parfüm trägt sie daher keines – "sonst sind die Bienen verliebt und kommen her", erklärt Imker Dietmar Wiech und öffnet einen Bienenstock. Rahmen für Rahmen zieht der Imker heraus, um nach der bisher nicht markierten Bienenkönigin Ausschau zu halten – gar nicht so leicht, das Unterfangen gleicht fast der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Nach einigen Minuten ist das Tier gefunden.

Eingefangen wird es mit einem Gerät, das einem Spitzer gleicht. Der Unterschied: Anstatt eines Lochs hat es einen schmalen Spalt, anstatt scharfer Messer sind im Innern weiche Polster. Behutsam platziert Wiech die Königin direkt über dem Spalt, so kann sich das Tier nicht mehr bewegen. Dann darf die Verfasserin dieser Zeilen wieder ans Werk. Mit einem Filzstift zeichnet sie der Königin vorsichtig einen Punkt in royalem blau auf den Kopf – und das ohne einen einzigen Bienenstich. maro

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