Forstwirtschaft ächzt in der Klimakrise

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Die Kronen der Buchen im oberen Bildrand bei Hohenroden sind grau und trocken und nicht zu erhalten. Die etwa 80 Jahre alten Bäume müssen außerplanmäßig "geerntet"werden. Der Wald wird sich auch optisch verändern, sagen die Experten.
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Privatwaldbesitzer kämpfen um ihre Existenz und den Erhalt des Waldes, wie wir ihn kennen. Schadholz, drückt die Preise in den Keller. Die Politiker Kiesewetter und Mack wollen helfen.

Essingen

Der Forstwirtschaft geht es schlecht. Klimawandel, Dürre, Stürme, Käfer – in der Summe bringt dies tonnenweise Kalamitätsholz, das außerplanmäßig "geerntet" werden muss. Weil die Sägewerke nicht mehr nachkommen und der Markt europaweit mit solchem Holz überschwemmt wird, sind die Preise für Nadelholz im Keller.

Wo und wie die Politik helfen kann, das erfuhren CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter und sein Kollege aus Stuttgarts Landtag, Winfried Mack, auf Einladung von Land- und Forstwirt Phillip von Woellwarth am Montag in Essingen bei einer Waldbegehung. Mit dabei waren Ostalb-Forstdirektor Jens-Olaf Weiher, Essingens Revierförster Jörg Hirsch, Helmut Stanzel, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwäbischer Limes (FSL), FSL-Vorsitzender Helmuth Waizmann und Christoph Zink vom Forstbetrieb Evangelische Pfarreistiftung.

Viele Fragen hatten die Politiker an die Experten und die wiederum, viele Lösungsvorschläge.

Lag der Preis für einen Kubikmeter Fichte vor einigen Jahren noch bei 90 Euro, so kostet dieselbe Menge aktuell 20 bis 25 Euro. Besonders bitter dabei: Einen Kubikmeter Nadelholz überhaupt vermarktbar zu machen, kostet rund 25 Euro, wie Philipp von Woellwarth vorrechnete. "Die Lage ist ernst. Wald als Wildnis wird es immer geben, aber Wald als Kulturlandschaft ist in Gefahr", sagt FSL-Vorsitzender Helmuth Waizmann.

Das fordert der Forst

  • Finanzielle Zuschüsse seien gut, jedoch stelle die Bürokratie für private, kleine Betriebe ein sehr großes Hemmnis dar.
  • Naturnahe Waldwirtschaft müsse ergänzt werden durch Baumarten aus Klimabereichen, die künftige Bedingungen hierzulande meistern.
  • Nasslager, wie in Bayern, müssten her, wo auch Privatforstbesitzer ihr Holz konservieren können.
  • Der Staatsforst als gewichtigster Akteur auf dem Markt solle sich beim Holzeinschlag zurückhalten und den Markt nicht noch weiter übersättigen.

Wald als Wildnis wird es immer geben, aber Wald als Kulturlandschaft ist in Gefahr.

Helmuth Waizmann FSL-Vorsitzender
  • Aufarbeitungsprämien sollten nicht nur für Nadelhölzer, sondern für alle Baumarten bezahlt werden.
  • Die Nutzung regenerativer Energie aus dem Wald müsse Priorität erfahren. Kommunen sollten aufhören, mit Erdgas zu heizen, und stattdessen heimische Pellets verwenden.
  • Eine Holzbauoffensive soll bundesweit die Vorteile des Bauens mit Holz sichtbar machen. Eine CO2-Bepreisung mache den Preis für diese im Vergleich mit alternativen Bauweisen günstiger.
  • Fusionen von Privatwaldvermarktern sollen rechtlich erleichtert werden. Sonst hätten diese gar keine Überlebenschance und könnten der Abnehmerseite, wo wenige den Markt beherrschten, nichts entgegensetzen.

Das nimmt die Politik mit

Von einem aufschlussreichen Vormittag sprach Roderich Kiesewetter. 16 Seiten für einen Zuschussantrag, das sei tatsächlich für kleinere Vermarkter ein zu hoher Aufwand, befand er. Bürokratie müsse entschlackt werden. Nachhaltigkeit sei das Pfund, mit dem der Forst wuchern könne. Bauen mit Holz müsse gestärkt werden, auch bei Hochbauten. Die kommunale Hand habe hier Vorbildfunktion.

Mack stimmt zu. Das Land habe viel getan, um Bauen mit Holz zu fördern, eine "Marktoffensive Holz" müsse der nächste Schritt sein. Er sagte aber auch, dass das Land die Zuschüsse für die Branche vervierfacht hat, "aber viermal so viel neue Sachbearbeiter einstellen, können wir nicht". Landkreisverwaltungen müssten eben ihr Personal dorthin verschieben, wo es gebraucht werde. Digitalisierung der Förderung könne hier Dinge beschleunigen. Er verwies weiter auf die Klimaschutzstiftung BW, die ab 2021 an den Start geht und Gelder von Firmen einsammelt, die rasch klimaneutral werden wollen. Die Mittel könnten auch in Wiederaufforstungsprojekte auf der Ostalb fließen.

Beide Politiker wollen den Dialog verstetigen. Im Juli 2021 will man sich wieder treffen.

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