Gesellenbrief für einen Geflüchteten

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2013 kam Bruce Armel Ngwa über Italien nach Deutschland. Damals sprach er kein Wort Deutsch. Wie er schaffte, einen festen Arbeitsvertrag zu bekommen und wer ihm dabei half.

Essingen

Bruce hat es geschafft. "Bruce Armel Ngwa hat die Gesellenprüfung als Klempner mit Erfolg abgelegt", steht auf der Urkunde, ausgestellt von der Handelskammer Ulm. Für den Kameruner war es kein leichter Weg bis dahin. Als er 2013 nach Berlin kam, konnte er kein Wort Deutsch. Jetzt hat er seinen Gesellenbrief in der Tasche.

Das gelang dank der Hilfe von Freunden, die Unterstützung der Firma Winter sowie MdB Roderich Kiesewetter – und durch die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden: "Ich habe mich entschieden, zu lernen", sagt der 35-Jährige in fließendem Deutsch.

In Kamerun hatte Bruce eine Ausbildung als Klempner absolviert und betrieb eine kleine Firma. Dann gab es Probleme. "Familie und Regierung" antwortet Bruce auf die Frage, warum er 2013 das Land verlassen musste. Seine Familie mit drei Kindern blieb zurück. Im Tschad arbeitete er eine Zeit lang, um die Schulgebühren für seine Kinder zu bezahlen. Dann reiste er nach Libyen. "Dort war es sehr gefährlich, du musst immer mit Klamotten schlafen, um schnell wegrennen zu können, wenn eine Bombe explodiert", erinnert sich Bruce. In Tripolis habe er wieder gearbeitet. Drei Monate schlief er gegen Bezahlung in einem Camp. Kaufte sich einen Platz auf einem Schiff nach Italien, kam so nach Lampedusa und Neapel. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Nach Deutschland wollte er nicht. "Ich wusste, dass die Sprache sehr schwer ist", sagt er. Als er an der französischen Grenze abgewiesen wurde, löste er doch ein Busticket nach Berlin. Er beantragte Asyl und kam nach Ellwangen in die LEA. Dass er dort nicht arbeiten konnte, empfand er als belastend. "Immer nur im Bett liegen war scheiße, ich bin Arbeit gewöhnt", sagt er. Über das Fußballspielen lernte er Thomas Schneider kennen, der ihn fortan unterstützte. Dessen Vater hatte Kontakt zur Bauflaschnerei Winter und stellte Seniorchef Wolfgang Winter den Flüchtling vor: "Bruce sucht Arbeit." Bruce durfte probehalber kommen – und erhielt einen Ausbildungsvertrag. "Der kann was, der eignet sich", so Winter.

Ich habe mich entschieden, zu lernen.

Bruce Armel Ngwa Geselle der Firma Winter

"Ich habe den Ausbildungsvertrag unterschrieben, ohne zu wissen, dass ich noch einmal in die Schule gehen musste", erzählt der Geselle und lacht. Ein großes Problem war die Sprache. Bruce kann Englisch und Französisch – Deutsch musste er komplett neu lernen. Tagsüber die Berufsschule Ulm, abends der Sprachkurs bei der Vhs in Aalen, wo er inzwischen wohnte. "Am Anfang habe ich viel Stress gehabt", sagt er. Unterstützung kam von der Firma Winter. Die engagierte extra einen Lehrer für die Azubis, um deren Sprachkenntnisse zu verbessern. Zwischenzeitlich drohte die Abschiebung. "Er stand schon auf der Liste", sagt Wolfgang Winter. Der Seniorchef wandte sich an MdB Roderich Kiesewetter. Bruce durfte seine Ausbildung fortsetzen. "Wir schieben die Falschen ab, nämlich die Integrierten und Ausbildungswilligen", so Kiesewetter. Eine Aufenthaltsgenehmigung bestehe für die Zeit der Ausbildung und zwei Jahre danach.

Bruce wünscht sich, dass seine Familie herkommt, mit der er seit sieben Jahren nur übers Handy kommuniziert. Was den Job betrifft, ist er angekommen: Bruce hat jetzt einen festen Arbeitsvertrag.

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