Gisela Fleisch-Erhardt sagt adieu

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Pfarrerin Gisela Fleisch-Erhardts Dienst in Lauterburg endet am 15. Juli. Viele schöne Erinnerungen verbindet sie mit der Kirche und den Gemeindemitgliedern.
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300 Jahre lang gab es eine Pfarrstelle in Lauterburg. Mit der Entpflichtung von Gisela Fleisch-Erhardt endet diese Ära. Wo es die 59 Jahre alte Pfarrerin hinzieht.

Essingen-Lauterburg. Dass sie einmal Gottesdienste hält, studiert, vor einer Gemeinde spricht, das hätte sich die inzwischen 59-Jährige in ihrer Jugend nicht vorstellen können. Ihr Berufswunsch: Krankenschwester. Doch das, was sie eigentlich wollte – Zeit für Menschen haben – war im Arbeitsalltag unmöglich, und so wurde sie Pfarrerin.

Ein Studium der Theologie in Tübingen und Berlin und Pfarrstellen in Fornsbach und Benningen später, sitzt Gisela Fleisch Erhardt an ihrem Lieblingsplatz in der Lauterburger Kirche (erste Bank, gleich links neben dem Gang) und denkt an die vergangenen zehn Jahre als Pfarrerin in ihrer Gemeinde zurück.

„Ich habe hier viele Fest- und Trauergottesdienste gehalten und bin mit vielen verbunden“, sagt Gisela Fleisch-Erhardt und blickt an die gewölbte Kirchendecke. Das macht sie noch öfters während des Gesprächs – fast so, als würde sie auf eine Zustimmung von oben warten.

300 Jahre lang gab es eine evangelische Pfarrstelle in Lauterburg, mit dem Abschied der 59-Jährigen endet diese Ära. „Es ist ein schmerzhaftes Jubiläum“, sagt sie. Laut Pfarrplan läuft die Pfarrstelle Ende 2024 aus, wieder besetzt wird sie in den kommenden zwei Jahren nicht. Essingens Pfarrer Dr. Torsten Krannich ist nun für die 380 Christen in dem Dorf zuständig. „Die Verlustangst, dass in Lauterburg keine Gottesdienste mehr sind, kann ich nehmen. Es wird weiterhin um 9.20 Uhr einen Gottesdienst in Lauterburg geben“, betont sie. „Wer im Pfarrdienst ist, wird hier wie Jahrhunderte zuvor die Menschen begleiten.“

Neues wagen und fusionieren?

Alte Sichtweisen überprüfen und Neues wagen – das rät sie den Gemeindemitgliedern und denkt an eine Fusion der Essinger und Lauterburger Gemeinden. Für diese Frage brauche es Mut. Das Miteinander ist für sie ein Gewinn, wie die Aalenerin sagt. Sie erlebe eine persönliche Wertschätzung aber eine Distanz, was die Teilnahme an Gottesdiensten angehe und die Bereitschaft zu zeigen: Ich will dazu gehören, meine Kirche im Dorf ist mir wichtig. „Die evangelische Kirche und die Gemeinde bleiben auch dort, wenn man mit Essingen eine Gemeinde wird“, betont sie. „Ich habe hier viele Menschen begleitet und wünsche mir, dass der Weg hier weitergeht. Denn auf Christus Schultern kann man vieles abladen.“

Einige Sekunden lässt sie den Blick durch die „heimelige“ Kirche schweifen, über die Engel, die Fließen mit Liliensymbol aus dem Mittelalter, eine Kerbe in den Stufen und sagt dann: „Unser Gottesdienst- und Gemeindeleben wurde bereichert durch Musik von Karen von Woellwarth, den Posaunenchor und weitere Musikerinnen und Musiker.“ Sie denke gerne zurück an Aktionen mit dem Kindergarten, den Konfigruppen oder für die Sanierung der Kirche.

Am 15. Juli ist Schluss

Nach ihrer Entpflichtung am Sonntag geht ihr Dienst noch bis zum 15. Juli, dann ist Schluss. Sie freue auf das, was kommt, sei aber auch wehmütig. „Es ist schön, dass ich entpflichtet werde. Ich kann meine Verantwortung abgeben und Gelungenes und nicht Gelungenes hinter mir lassen“, erklärt die Theologin, die ab Oktober Teilzeit im Marienhospital in Stuttgart als Klinikseelsorgerin arbeitet. Ihre neue Gemeinde seien dann Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende des Krankenhauses. „Ich freue mich, nun Zeit für Patienten zu haben, denn oft fühlte ich mich als Pfarrerin in Lauterburg unter Zeitdruck“, sagt Gisela Fleisch-Erhardt, die nach Stuttgart pendeln wird.

Fest steht also: Sie wird weiterhin das „gute Lauterburger Brot“ essen, Gottesdienste im Schlosspark besuchen oder in Lauterburg unterwegs sein – nur eben in „Zivil“.

Die Entpflichtung mit Prälatin Gabriele Wulz ist am Sonntag, 10. Juli, um 14 Uhr in Lauterburg. Danach gibt‘s ein Fest vor der Kirche.

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