Heiligabend schließt ein Essinger Traditionsgeschäft

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Christl Holz (rechts) und ihre Tochter Sabine Hämmerer schließen zum Jahresende ihr Schreib- und Kurzwarenwarengeschäft. Foto: je
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Wie mit Christl Holz' Schreib- und Kurzwarenladen nach 41 Jahren ein echtes Traditionsgeschäft in Essingen für immer schließt.

Essingen

Die Gemeinde verliert ein weiteres Traditionsgeschäft. Der Schreib- und Kurzwarenladen von Christl Holz in der Geißgasse 2 hat an Heiligabend, dem  24. Dezember, zum letzten Mal geöffnet. Und das nach 41 Jahren seines Bestehens.

„Es tut richtig weh“, sagt die fast 73-jährige Christl Holz und schluckt kräftig. Denn der Laden war viele Jahre ihr Lebensinhalt, „Ich habe ihn aus einer Quelle-Agentur aufgebaut“, erzählt sie. Das war er, als sie ihn – damals in der Laugengasse 11 - am 17. Dezember 1981 übernahm.

Als kurz darauf in der Nachbarschaft ein Schreibwarengeschäft aus Altersgründen aufgegeben wurde, nahm sie diesen Warenbereich dazu. Später kamen noch Wolle und Kurzwaren und anderes hinzu.

Corona war ein Knick

„Und das Geschäft lief sehr gut, der Andrang war groß, ich hatte bis zu drei Mitarbeiterinnen und in Hochzeiten halfen Familienmitglieder aus“, ergänzt Christl Holz, die bei der damaligen Firma Taschentuch Winkler in Aalen Außenhandel gelernt hat.

1998 vergrößerte man sich in den eigenen Neubau am heutigen Standort, auch mit Verstärkung von Tochter Sabine Hämmerer. Bis Corona kam. „Dann hat mich meine Tochter am 19. März 2020 aus dem Laden ,rausgeschmissen´“, schmunzelt die gebürtige Wasseralfingerin.

Denn sie selbst und ihr Mann waren schwer krank gewesen und deshalb höchst gefährdet. Anfang 2021 übernahm Sabine den Laden offiziell und betrieb ihn mit zwei Mitarbeiterinnen neben ihrem Hauptberuf als Laborassistentin. „Aber das Einkaufsverhalten hat sich geändert, die Älteren kommen nicht mehr so, die Jüngeren und die Kinder kaufen im Vollsortimenter oder im Discounter“, beschreibt Sabine Hämmerer.

Der Umsatz habe in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen. Obwohl man Öffnungszeiten gekürzt habe. „Zudem sind Bürokratie und gesetzliche Vorschriften für solche Läden nicht gerade förderlich“, sagt die Inhaberin.

Christl Holz hat sich mit dem Schritt abgefunden – schweren Herzens. „Wir waren immer so etwas wie der Rundum-Service vor allem für ältere Kunden, haben Batterien bei Uhren gewechselt, Schreiben kopiert oder ausgedruckt, bei Problemen wie der Suche nach der richtigen Behörde geholfen“, erzählt die 73-Jährige. Oder auch mal einen Strickkurs gegeben.

„Seelentherapeutin“ kostenlos

Oft habe sie den Kunden bei Problemen einfach zugehört, „als Seelentherapeut“, ergänzt sie. Dankbar ist sie ihren Mitarbeiterinnen in den 40 Jahren.

„Wir hatten immer tolle Menschen, zuverlässig, fleißig und engagiert“, sagt Holz. Freude hätten ihr immer Kinder gemacht. Auch die Kunden bedauern die Schließung sehr.

Derzeit läuft ein Abverkauf der vorhandenen Waren mit Rabatten. Letzter Öffnungstag ist der 24. Dezember. Bis dahin wird Christl Holz noch Socken stricken vor allem für Kinder, aus der vorhandenen Wolle.

„Die gehen dann an die AWO für die Aalener Tafel“, schließt sie.

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