Heiliger Bimbam - darum läuten die Kirchenglocken in Essingen

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Die Quirinuskirche in Essingen. Mehrmals am Tag läuten die Kirchenglocken.
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Pfarrer Dr. Torsten Krannich erklärt, warum und wann die Kirchenglocken der evangelischen Kirche in Essingen läuten - und welches Rätsel ihm die Läutezeiten aufgeben.

Essingen. Heiliger Bimbam: An manchen Tagen läuten in der Gemeinde Essingen die Glocken der evangelischen Kirche öfters als an anderen. Warum ist das so - das fragen sich in vergangener Zeit vermehrt Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Netzwerken. Die SchwäPo hat bei Pfarrer Dr. Torsten Krannich nachgefragt.

"Um 6, 11, 12, 15 oder 16 und 19 Uhr sind die Läutezeiten in Essingen", erklärt der Theologe. Die Läuteordnung einer Gemeinde sind alt gewachsene Tradition. "Vieles kommt beim traditionellen Geläut aus einer Zeit, die landwirtschaftlich geprägt war." Heißt: Die Kirchenglocken strukturierten den Tag. Um 6 Uhr morgens etwa ging's zum Gebet oder in den Stall - die Glocken waren also eine Art Wecker.

Und wenn es länger als gewöhnlich bimmelt? Dann könnte dies der Klang der Schiedglocke sein. "Für jeden evangelischen Verstorbenen läutet am nächsten Werktag für je vier Minuten die Glocke", erklärt Krannich. Auch vor den Gottesdiensten gibt's mehr Geläut als üblich; sonntags etwa starten in der Gemeinde aktuell meist ein normaler und ein Taufgottesdienst.

Ein Rätsel geben die Glocken dem Pfarrer auf: "Im Winterhalbjahr klingeln diese um 15 Uhr, im Sommerhalbjahr um 16 Uhr. Bisher konnte mir noch keiner erklären, woran das liegt."

Was bedeutet der Klang der Glocken für den Theologen? "Das Geläut erinnert uns daran, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als das, was wir unmittelbar vor Augen haben. Es gibt etwas über uns. Gott oder das Unfassbare." Das Geläut präge zudem den Ortsklang. Für Krannich macht es einen Unterschied, ob eine klappernde Glocke erklingt oder ein kräftiger Ton.

Es gebe auch Menschen im Ort, die hätten sich über diese Tradition beschwert. Krannich versucht zu vermitteln. "Man muss Sachen aushalten, die aus der Tradition kommen. Das Läuten der Glocken ist kulturprägend" - und Anekdoten gibt's dazu auch. Nach Ertönen der Schiedglocke erhält Krannich Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern, die sich erkundigen, wer gestorben ist. "Eine Frau betet immer ein Vater unser, wenn das Totenglöcklein läutet", erzählt Krannich.

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