Hügelig geht's mit dem Rad nach Forst

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Andreas Sienz auf dem Radweg zwischen Essingen und Forst. Für ihn sei die Steigung kein Problem, sagt er. Doch im Zweifelsfall sei diese für andere Radler das Argument fürs Autofahren. Gekostet hat der Weg übrigens etwa 324 000 Euro.
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Seit Ende vergangenen Jahres führt ein Radweg von Essingen nach Forst. Nicht alle freuen sich über diesen.

Essingen

Es ist ein auf und ab: Der ein Kilometer lange Radweg von Essingen nach Forst verläuft über so manchen Hügel. Andreas Sienz steht an diesem Morgen mit seinem Rad im Industriegebiet Streichhoffeld und blickt in Richtung Forst. "Es stört mich, dass der Weg überall als neue Meisterleistung bezeichnet wird", sagt er. Denn seine Freude über den Radweg, der im Herbst vergangenen Jahres fertiggestellt wurde, halte sich in Grenzen. "Der Weg ist unpraktisch und im Zweifel das Argument, mit dem Auto zu fahren", sagt der Student, der Mitglied im Critical-Mass-Organisationsteam ist.

Ihm gehe es nicht darum, dass der Weg zurückgebaut werden soll oder Ähnliches, betont Andreas Sienz. Vielmehr wolle er erreichen, dass sich Planer vor dem Bau eines Weges mehr Gedanken machen. Denn mit viel Gepäck im Rucksack oder auf dem Gepäckträger könnte er sich vorstellen, die Straße zu nehmen – und auf dieser zu fahren ist nicht ungefährlich, wie sich an diesem Morgen zeigt, Brummis donnern vorbei und Autofahrer überholen in zügigem Tempo.

Für die Weiterführung des Radwegs in Richtung Dewangen wünscht sich der 20-jährige Essinger einen weniger hügeligen Verlauf.

Dazu sei die Gemeinde bereits im Gespräch mit Stadt Aalen, Regierungspräsidium (RP), Ostalbkreis und ADFC, sagt Bürgermeister Wolfgang Hofer auf Anfrage. Zahlreiche Planungs- und Kostenvereinbarungen stünden dazu jedoch noch aus.

Meine Freude über den Radweg hält sich in Grenzen.

Andreas Sienz Radfahrer aus Essingen

Die Kritik zum hügeligen Radweg nach Forst weist Hofer zurück. "Grundsätzlich müssen wir froh sein, dass wir überhaupt einen Radweg bekommen haben", sagt er. Die Planung sei vor den Ingenieuren mit dem RP abgesprochen worden, die Gemeinde habe die Aufgabe übernommen, den Weg zu bauen, erklärt der Bürgermeister. "Abgrabungen und Auffüllungen haben Auswirkungen auf das Gelände links und rechts des Radwegs", sagt Hofer. Ziel sei es beim Bau gewesen, so wenige Eingriffe ins Gelände zu machen wie möglich. "Die Verbindung von Essingen nach Forst wird sehr gut angenommen. Ich finde den Weg abwechslungsreich."

Das Regierungspräsidium Stuttgart nimmt zum Thema keine Stellung und verweist auf Anfrage an die Gemeinde.

Was sagt der ADFC dazu? Dieser habe sich in die Radwegeplanung eingeschaltet und mit dem Straßenbauamt gesprochen, da sei's allerdings schon zu spät gewesen. "Der Weg war dann bereits fertig geplant", sagt Klaus Berger von der ADFC-Ortsgruppe. Warum dort kein Erdreich bewegt wurde, um den Weg ebener zu machen, das versteht der Fahrradfahrer nicht. "Auf der B-29-Baustelle nebenan werden 30 000 Kubikmeter Erde bewegt, hier wären es vielleicht 300 Kubikmeter gewesen. Jetzt haben Radler eine Strecke mit starker Steigung", sagt Berger weiter. Wer kein Pedelec fährt, nutze den Weg nicht gerne.

Was ein Weg für Radler braucht: "Wir wollen eine Verbindung, die man flüssig fahren kann, ohne unsere Kraft unnötig zu verschleißen." Dem ADFC sei es wichtig, am Ende einen guten Radweg zu haben. "Wir wollen gerne um Rat gefragt werden."

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