In der Kirche hat man besten Empfang

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Dr. Torsten Krannich geht auf den Glockenturm der Kirche. Diesen kennen Essinger spätestens, wenn sie sich konfirmieren lassen. "Mit jeder Gruppe gehe ich hier hoch", sagt der Pfarrer.
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Pfarrer Dr. Torsten Krannich öffnet die Türe zum dunklen Dachboden des Gotteshauses in Essingen. Dort schlummern einige Schätze.

Essingen

Jede Kirche braucht einen Kruschdraum", sagt Dr. Torsten Krannich. Damit hat Essingens Pfarrer bereits verraten, wo es in dieser Folge der Serie hingeht: auf den Dachboden der Quirinuskirche.

Auf die Bühne führt ein Seiteneingang. Sonntags wird dieser von den Woellwarths benutzt, unter der Woche stiefelt auch mal der Pfarrer mit seinem Besuch durch. Eine schmale Treppe windet sich nach oben. "Hier kommt keiner hin", sagt Krannich und öffnet die Tür. Zunächst sieht man, dass man nichts sieht: Fahles Licht fällt auf die Bühne. "Das ganze Kirchenjahr lagert hier", sagt der Pfarrer. Und tatsächlich: Erntedankdeko, Weihnachtliches und Utensilien für den Ostergottesdienst stapeln sich.

Dann geht Krannich einige Schritte ins Dunkle und macht Halt vor einem Fenster. Verstaubt lehnt es an einer Mauer. 1894 wurde es an der Ostseite der Kirche eingebaut; musste jedoch bei der Sanierung weichen. Seit 1964 stehe das Teil aus Buntglas auf der Bühne. "Mein Traum ist es, das Fenster im neuen Gemeindehaus einzubauen", sagt Krannich.

Gute Bauarbeiter

Direkt neben Krannichs Unikat ist eine dicke, dicke Mauer. "Die ist noch vom Kirchenbau 1517 übrig", erklärt der Pfarrer. "Die Leute haben gut gebaut damals." Für den Theologen mache genau das eine Kirche aus. "Sie ist ein Stück für die Ewigkeit."

Na gut, zumindest fast. Etwas Hilfe braucht die Quirinuskirche für ihren Weg in die Ewigkeit. Vor etwa 15 Jahren wurde der Dachstuhl neu aufgebaut, 1894 und 1964 wurde sie renoviert. Hier oben lagert noch ein Unikat, das Krannich gerne verbauen will. "Doch dafür sehe ich keine Realisierungsoptionen", sagt er und steuert auf einen Schalldeckel zu, der versteckt hinter Holzschemeln lagert. "Lasset die Posaunen erschallen", steht am Rand des Deckels. Das passe zu Essingens Tradition, sagt der Pfarrer und spielt auf den Posaunenchor an. Der Schalldeckel aus der Barockzeit war früher über der Kanzel angebracht. Doch dort seien bei einer Renovierung alte Inschriften entdeckt worden, also musste das Teil weg. "Es ist schade, dass es hier lagert."

Eine Kirche ist ein Stück für die Ewigkeit.

Dr. Torsten Krannich, Pfarrer

Mit diesen Worten schließt der Pfarrer die Tür und tritt den Weg nach unten an. Im Kirchenschiff angelangt, wartet die nächste Überraschung. Unter der Holzdecke, im Chorraum, verstecke sich ein Gewölbe mit blauen Sternen, sagt Krannich. "Wir haben nicht vor, die Holzdecke wegzumachen. Der, der es irgendwann entdeckt, kann sich dann freuen", erklärt der Theologe und verschwindet in der nächsten Tür.

700 Jahre Geschichte

Nun geht's auf den Kirchturm, der im 13. Jahrhundert als Wehrturm erbaut wurde. Die Holztreppen knarzen, der Staub wird aufgewirbelt – gekehrt hat hier schon länger niemand mehr. "Einmal im Jahr wird geputzt", sagt Krannich. Einige Stufen später steht er im Glockenturm. Leitern, Besen und ein Dohlenkasten stehen dort. Und: vier WLAN-Router. "Hier hat man den besten Empfang in ganz Essingen", lacht Krannich.

An der höchsten Stelle der Kirche ist es Zeit, den Theologen zu fragen, was er an "seiner" Quirinuskirche mag. "Diese Kirche wurde in der Spätgotik erbaut. Sie lebt in ihrer Bauzeit", erklärt er. Der Bau lebe 700 Jahre Geschichte, "davon bin ich fasziniert". Was Krannich auch gefällt: Sie steht mitten im Dorf. "Von überall sieht man sie", sagt der Pfarrer.

Immer wieder gebe ihm die Kirche Rätsel auf. Etwa sei bisher noch nicht genau bestimmt, woher der Name Quirinuskirche komme. Auch einige Wappen im Kirchenschiff musste Krannich erst entschlüsseln, wie er beim Abstieg erzählt.

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