Kein Internet in Lauterburg

+
Teile von Lauterburg sind vom Internet ausgeschlossen.
  • schließen

Die Verträge wurden gekündigt, nun sind fast alle Lauterburger vom Internet abgekoppelt. Welchen Vergleich die Gemeinde nun mit sdt.net erzielt hat und was die Bürger sagen.

Essingen-Lauterburg. "Seit Dienstagfrüh mausetot“, sagt Manfred Kluge. Internet, Festnetzanschluss, Fernseher - nichts geht mehr. Ähnlich wie Kluge geht es vorerst 80 Prozent der rund 350 Lauterburger Haushalte. Sie alle waren einst Kunden des Telekommunikationsunternehmens sdt.net AG mit Sitz in Aalen. Der hat nun die Versorgung tatsächlich gekappt.

Voraus geht die Kündigung der Gemeinde Essingen des Anbieters sdt.net AG nach zehn Jahren. Gemeinsam mit Netcom BW will Essingen mit Fördergeldern im Rahmen des Graue-Flecken-Programms das Internet in Lauterburg ausbauen. Zukünftig soll dort die Versorgung über das öffentliche Netz laufen, „damit man Glasfaser auch bis zum letzten Gehöft anbieten“ könne, so Bürgermeister Wolfgang Hofer. Doch das dauert noch. Zwei drei Jahre, schätzt Hofer. Eine Übergangslösung soll in zwei, drei Wochen stehen.

Bis dahin muss Uwe Maier, sonst auch im Home Office, wieder zu 100 Prozent ins Büro. Maier arbeitet selbst in der IT-Branche. Das Vorgehen der Firma sdt.net sieht er fast als „Erpressung“. Um weiterhin Internet zu bekommen, hätte er sich verpflichten müssen, mit dem Unternehmen auch einen Glasfaservertrag für die nächsten zehn Jahre abzuschließen, erklärt er. Denn auch sdt.net möchte zukünftig in Lauterburg Glasfaser anbieten. „Ich zahle aber nicht 1000 Euro für etwas, was ich in Zukunft kostenlos bekommen könnte“, sagt Maier. Er habe noch Glück, weil bei ihm zumindest das Mobilfunknetz funktioniere. „Andere sind wirklich abgeschnitten.“

Was jetzt noch funktioniert

Zumindest für das Dorfhaus, das Amtszimmer und den Kindergarten gebe es jetzt eine vorübergehende Lösung, so Bürgermeister Hofer. Man habe mit sdt.net-Chef Bernd Sontheimer vor Gericht einen Vergleich erzielt. Die Gemeinde habe keinen Kopplungsvertrag, sondern einen 12-Monatsvertrag abgeschlossen. Preislich sei man damit nun bei der doppelten Summe als zuvor gelandet. Dafür gebe es jetzt im Dorfhaus aber auch Freifunk. Noch normal erreichbar sei die Feuerwehr über die Grundversorgung, so Hofer. Anders allerdings sei die Situation bei den Ärzten. Diese müsse man nun vorerst vom Mobiltelefon aus anrufen.

Zum Problem werden könnte - theoretisch - bei einem fehlenden Internetzugang auch die telefonische Verbindung über den Notrufknopf zu einer Pflegeeinrichtung. Man habe zwar nur eine Kundin in Lauterburg, so Susanne Hofelich vom DRK-Kreisverband Aalen. Und die habe einen analogen Anschluss von der Telekom. „Wenn das aber dumm läuft, dann ist das nicht so“, sagt sie.

„Die Gemeinde hat den Ast abgesägt, auf dem sie sitzt“, sagt Bernd Sontheimer von sdt.net. Er beklagt, dass mit dem Unternehmen selbst niemand von den Kunden gesprochen hätte. Es gebe nicht die Absicht, jemanden zehn Jahre zu binden. Man könne jetzt einen Zwölfmonatsvertrag abschließen. Die Gemeinde habe ja einen Jahresvertrag mit sdt.net abgeschlossen. Den gebe es auch für andere. Es seien schon Kunden aus Lauterburg dagewesen und hätten neue Verträge abgeschlossen.

Einige Verträge abgeschlossen

Er habe von der Möglichkeit noch nichts gehört, so Uwe Maier. Im Dorfchat, in dem so ziemlich alle Lauterburger schreiben würden, sei davon bisher keine Rede gewesen.

Stand sei für ihn: man müsse, um von sdt.net weiterversorgt zu werden, das mit der Bestellung des Glasfaser-Anschlusses koppeln. Man müsse sich damit abfinden, dass man jetzt erstmal ohne Internet bleibe, bis die Zwischenlösung greife, so Maier. Nur einige wenige Lauterburger, die nur im Home Office arbeiten seien und bei denen es ohne Internet einfach nicht gehe, hätten die Glasfaserverträge mit sdt.net abgeschlossen. Uwe Maier und auch Manfred Kluge gehören nicht dazu. Bei ihnen heißt es vorläufig weiter: „Internet mausetot.“

Zurück zur Übersicht: Essingen

Mehr zum Thema

Kommentare