Kostenloses Internet in Essingen

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Kostenloses WLAN, öffentlich und für jeden leicht zugänglich. In Essingen ist das bald möglich. Freifunk heißt das Zauberwort. Pfarrer Dr. Torsten Krannich gehört seit wenigen Monaten der Essinger Freifunk-Initiative an und treibt die Idee voran. In Kürze werden auf dem Glockenturm der Quirinuskirche vier Router montiert.

Die Freifunk-Essingen Initiative gibt es schon seit zwei Jahren, gegründet wurde sie von Claus Walny. Was einst im Stillen begann, wird seit kurzem von immer mehr Essinger Bürgern aufmerksam verfolgt. Dazu beigetragen hat vor allem der evangelische Pfarrer Dr. Torsten Krannich, seit wenigen Monaten selbst Mitglied der Freifunk-Initiative. Aufmerksam auf diese Initiative wurde er, als er sich mit der Frage beschäftigte, welche Möglichkeiten es für Flüchtlinge gibt, kostenfrei Kontakt zu ihren Angehörigen aufnehmen zu können. Zumal die evangelische Kirchengemeinde Essingen im evangelischen Gemeindehaus zwei Räume im Erdgeschoss für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt hat. Und gleichzeitig hat die Gemeinde den alten "Ochsen" renovieren lassen. Auch dort sollen bald Flüchtlinge einziehen. "Viele Flüchtlinge haben Mobiltelefone, aber keinen Datentarif", stellt Torsten Krannich fest. Über das Freifunknetz könnten sie kostenfrei Kontakt zu ihren Angehörigen aufnehmen. Aber natürlich profitierten nicht nur Flüchtlinge, sondern jeder Mensch mit Mobiltelefon von diesem kostenlosen Angebot, das unter dem Motto "WLAN für alle" steht. Im Gegensatz zu privaten WLAN-Netzwerken, die oft als Hotspots angeboten werden, dienten Freifunk-Netze nicht der kommerziellen Nutzung, stellt der Pfarrer klar. Mittlerweile hat sich Torsten Krannich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und weiß, wie's funktioniert. "Die Grundidee von Freifunk ist, die Signale, die von Routern mit WLAN-Funktion drahtlos in die nähere Umgebung weiterverteilt werden, untereinander zu verbinden und zu einem Bürgernetz zusammenzuschließen." Privatpersonen, Geschäftstreibende oder Unternehmen stellen dabei ihren eigenen Internetanschluss zur Verfügung und geben einen Teil der oft ungenutztenBandbreite ab. Die evangelische Kirchengemeinde hat bereits mehrere Router mit spezieller Software im evangelischen Gemeindehaus und auch einen im ehemaligen evangelischen Kindergarten in der Rathausgasse installiert. Sie sind verbunden mit dem Internet im Pfarrhaus. Beim Essinger Ostermarkt machten Mitglieder der Freifunk-Initiative erstmals Werbung für diese Art der kostenlosen WLAN-Nutzung. "Dazu hatten wir provisorisch auf unserem 36 Meter hohen Glockenturm der Quirinuskirche vier Router angebracht", erzählt Krannich. Er selbst habe dann einzelne Besucher des Ostermarktes angesprochen und ihnen gezeigt, wie einfach der WLAN-Zugang über Freifunk funktioniert. "Man braucht kein Passwort, keinen extra Code, sondern ist sofort drin – und so lange man will", sagt er. Mit einer Schnelligkeit von zwei bis drei Megabyte pro Sekunde sei das zwar nichts für Powernutzer. Aber es reiche aus, um eine E-mail zu empfangen, ein Bild zu verschicken oder im Internet zu surfen. Mittlerweile hat sich schon ein kleines Netz um die Quirinuskirche etabliert. Und am nächsten Montag, 2. Mai, sollen an jeder der vier Schalllücken der Kirchturms jeweils ein Router montiert werden, Krannich rechnet rechnet mit einer Reichweite von 100 Metern. "Innerhalb des Areals bis zum Pflegeheim, bis zum Bären oder bis zur Sonne kann sich dann jeder kostenlos ins WLAN einloggen." Momentan nur eine Insellösung. Umso mehr freut sich Krannich darüber, dass die katholische Kirchengemeinde ebenfalls Router an ihrem Kirchturm anbringen will. Auch Feuerwehr, DRK und das Pflegeheim habe Interesse bekundet. Bis zum Rathaus reicht der Anwenderkreis vorerst noch nicht. Doch die Stimmung im Rathaus ist gut, Bürgermeister Wolfgang Hofer sieht dem Projekt wohlwollend entgegen. Für die Anschaffung der Hardware, also der Router, hat die Freifunk-Initiative Essingen einen Finanzierungsantrag in Höhe von 2000 Euro gestellt. Über diesen berät der Gemeinderat am Donnerstag, 28. April.

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