Kultur aufs Land bringen – aber wie?

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Beim Werkstattgespräch Essingen: Jessica Friedel (von links) von den Landfrauen, Hubert Rettenmaier vom Blasmusikverband, Moderator Arne Fiedler und Regionalmanagerin Kultur Ines Mangold-Walter vom Landratsamt.

Ein Werkstattgespräch: Die Herausforderungen für Ehrenamtliche und Vereine.

Essingen. Mit welchen Herausforderungen haben Vereine und ehrenamtliche Initiativen im ländlichen Raum zu kämpfen? Darum ging es in einem Werkstattgespräch in der Essinger Schloss-Scheune.

Eingeladen hatte Ines Mangold-Walter vom Landratsamt. Die Regionalmanagerin ist Ansprechpartnerin in Sachen Kultur. Im Rahmen eines vom Bund geförderten Pilotprojekts ist sie seit 2019 im Gespräch mit Kulturakteuren und Bürgermeistern im Ostalbkreis, um Netzwerke aufzubauen und Unterstützungsbedarf zu ermitteln. Mit dem Ziel, das kulturelle Leben im Ostalbkreis zu stärken.

Ein gutes Dutzend Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Einrichtungen sind in die Schloss-Scheune gekommen, um sich auszutauschen und Anregungen zu erhalten. Frauen und Männer, die von Lorch bis Lauchheim in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv sind. Die Palette reicht von Musik, Sport, Karneval, Theater bis hin zu Naturschutz und Kunst, wie die Vorstellungsrunde zeigt.

Arne Fiedler moderiert die Runde und visualisiert die angesprochenen Themen an der Pinnwand, die sich im Laufe des Abends mit vielen Stichworten füllt. Zum Einstieg gibt es zwei Impulse. Jessica Friedel von den Landfrauen in Spraitbach berichtet von ihren Erfahrungen, kulturelle Angebote vor Ort zu etablieren. Manches konnte die vierfache Mutter umsetzen, manches nicht. Ein geplantes digitales Konzert scheiterte nicht an den Künstlern, sondern an Problemen mit der GEMA. Poetry Slam für Jugendliche, Puppentheater für Kinder, da wünsche sie sich eine „Suchmaschine“, die bezahlbare Kleinkunst vorschlägt, sagt die engagierte Landfrau. „Denn bildungsferne Familien fahren nicht in die Stadt.“

Hubert Rettenmaier, Vorsitzender des Blasmusikverbands im Ostalbkreis, stellt die Nachwuchsarbeit seiner Sparte vor, wie es idealerweise laufen sollte. Durch die Kooperation von Schule, Musikschule und Verein versuche man bereits, die Kinder zu erreichen, die später in die Jugendkapelle und ins aktive Orchester eintreten sollen.

Dann kommen die Teilnehmer der Gesprächsrunde zu Wort. Als Probleme in der Vereinsarbeit werden bürokratische Hindernisse ebenso genannt wie die „Blockade“ Datenschutz. Was tun gegen Überalterung, ist eine Frage. Auch die Finanzierung ist ein Thema. „Wie legitim ist es, vom Ehrenamt in die andere Richtung zu schielen“, stellt der Moderator in den Raum und meint damit die nichtehrenamtliche Unterstützung etwa durch Kommunen. Eine wichtige Rolle wird auch den Kirchen zugeschrieben, da sie über Netzwerke und Geld verfügen. Von den Anwesenden wird die Einrichtung einer digitalen Kulturbörse vorgeschlagen, außerdem besteht der Wunsch nach Qualifizierung des ehrenamtlichen Personals.

Am Ende des zweistündigen Werkstattgesprächs ist die Pinnwand voll mit Vorschlägen und „Hausaufgaben“ für die Regionalmanagerin. Qualifizierungsseminare, Unterstützung bei Förderanträgen und die digitale Kulturbörse sind konkrete Anliegen, die Ines Mangold-Walter demnächst bearbeiten will.bk

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