LED-Beleuchtung erregt die Gemüter

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In der Dämmerung werden die Lichter eingeschaltet, um Mitternacht sind diese wieder aus.
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Nicht alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde sind mit der Illuminierung des Schlossparks einverstanden. Das sagen der Bürgermeister und ein Naturschützer dazu.

Essingen

Der Schlosspark wurde in den vergangenen Jahren herausgeputzt – bereits im zweiten Sommer taucht nun auch eine LED-Beleuchtung das Areal in blaues, rotes, gelbes und grünes Licht. Doch nicht alle Bürgerinnen und Bürger sind damit einverstanden, in der Gemeinde wird vereinzelt Unmut laut.

Eine Essingerin bringt es auf den Punkt. "Die Lichtfluter wirken wie ein Staubsauger und sind für viele Tiere eine Todesfalle", sagt die SchwäPo-Leserin. "Die Lichter vertreiben nachtaktive Tiere – Fledermäuse und Eulen sind nicht mehr zu sehen." Und weiter: "Wer Sinn und Freude an der Natur und der Schöpfung hat, ist entsetzt und fühlt sich beschämt über diesen Umweltfrevel."

Diese SchwäPo hat mit Bürgermeister Wolfgang Hofer und Bund-Mitglied Hanspeter Pfeiffer über die Angelegenheit gesprochen.

Das sagt der Bürgermeister: "Zur Remstal-Gartenschau haben wir die Illuminierung mit der Naturschutzbehörde abgesprochen", sagt Wolfgang Hofer. In diesem Jahr sei die Beleuchtung wieder zum Einsatz gekommen, allerdings in reduzierter Form. Viele Beschwerden über die Beleuchtung seien im Rathaus nicht angekommen. "Zahlreiche Leute hat die Aktion gefreut. Hätten wir mehr Veranstaltungen im Schlosspark gehabt, hätten mehr Leute das Angebot wahrgenommen", sagt der Schultes.

Die Lichtfluter wirken wie ein Staubsauger.

Eine Bürgerin

Trotz allem: Künftig wolle die Gemeinde den Schlosspark nicht mehr illuminieren. Noch bis Mitte Oktober sind die Lampen in Betrieb, dann werden sie abgebaut, erklärt Hofer.

Das sagt Bund-Mitglied Hanspeter Pfeiffer: Oberbeleuchtung sei ein Problem, sagt Pfeiffer und meint damit alle Lampen, die nach oben strahlen, nicht nur die LEDs im Park. "Eine Theorie ist, dass Insekten von Lichtern geblendet werden, gegen die Lichtquelle fliegen und sterben", sagt er. Das sei ein Problem für Fledermäuse. "Sie fressen Insekten. Sterben diese vermehrt, haben die Fledermäuse keine Nahrung mehr." Einige Fledermäuse sind clever: Sie fliegen laut Pfeiffer um die Lichter herum, um dort Fliegen zu sammeln. "Doch diesen Trick haben nicht alle raus."

Laut Bund werde auch der Wachstumszyklus von Pflanzen durch nächtliches Kunstlicht beeinflusst. "Laubbäume können im Herbst ihre Blätter später verlieren und so anfälliger für Frostschäden werden", erklärt der Naturschutzbund. Die Lichtquellen seien also mit ein Grund für Insektensterben. Doch Pfeiffer betont, dass er der Gemeinde keinen Vorwurf macht. Oft fehle das Bewusstsein, sagt er. "Immer mehr Aktionen werden auf Kosten der Natur gestartet", sagt er und nennt Mountainbikestrecken und Erlebniswelten an Bächen als Beispiel.

Das kann jeder und jede tun, um die Lichtverschmutzung niedrig zu halten: Der Bund empfiehlt in einem Schreiben, insektenschonende Leuchtmittel einsetzen mit geringem Blauanteil. Durch die Form der Lampengehäuse könnten unnötige Lichtemissionen vermieden werden. Wichtig sei, dass das Licht nicht nach oben strahle und niedrig angebracht werde. Der Bund empfiehlt geschlossene Lampengehäuse zu verwenden und Bewegungsmelder einzubauen.

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