Mehr Platz für Heimatgeschichte

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Zwei weitere Räume in Essingens Dorfmuseum werden von Ehrenamtlichen ausgebaut. Wofür der Platz benötigt wird und was es Neues gibt.

Essingen

Die meisten Museen haben nach der Corona-Zwangspause inzwischen wieder geöffnet. Essingens Dorfmuseum bleibt jedoch weiterhin geschlossen. Warum das so ist, lässt sich bei einem Besuch des etwa 300 Jahre alten Gebäudes erfahren.

"Wir haben kleine Räume und können den Abstand nicht garantieren, daher lassen wir das Museum vorerst geschlossen", sagt Professor Dr. Dieter Bolten bei einem Treffen im Museumsstüble. Er ist im Vorstand des Dorfmuseumsvereins.

Eine Pause haben sich die Macher in den vergangenen Monaten trotzdem nicht gegönnt. Denn im zweiten Obergeschoss wird gewerkelt. "Die beiden Räume wurden von der Gemeinde als Lager benutzt", erklärt Vorsitzender Dieter Schmidt, während er aus der Stube nach links abbiegt und über knarzende Stufen in den zweiten Stock geht und die beiden Räume zeigt. Nach einem Museum sieht es dort nicht aus. Die Holzplatten stapeln sich. Die Wände müssen noch verkleidet werden. In den Ecken lagert Gerümpel. "Bevor wir hier aufgeräumt haben, waren die Räume eigentlich nicht begehbar", sagt Schmidt. Akten, Wahlurnen, Sperrholz und Ausrangiertes wurde dort aufbewahrt.

Seit sechs Wochen werkeln die Männer immer montags und dienstags im Haus in der Rathausgasse 1. "Einer der beiden Räume wird in diesem Jahr fertig", betont der Vorsitzende. Den Ausbau übernehmen die Mitglieder Otto Hofmann, Berthold Weber und Ewald Wolfmeier. Schmidt koordiniere die Arbeiten. "Für die Elektrik haben wir eine Firma beauftragt."

Und was wird aus dem Raum, wenn er einmal fertig ist? "Dann kommt hier die Schusterei rein", sagt Bolten. Schuhspanner und eine alte Maschine sind bereits in dem Zimmer, die restlichen Utensilien eines Schuhmachers sind noch im ersten Stock ausgestellt. "Dort sind Schneiderei und Schuhmacherei auf engstem Raum untergebracht", sagt der Vorsitzende. In den weiteren Räumen befinden sich Schmiede, Molkerei, Gärtnerei und, und, und – die Museumsmacher haben etliche Jahre von Essingens Geschichte in dem Haus untergebracht.

Es ist ein Ort für alte Geschichten.

Dieter Schmidt, Vorsitzender Dorfmuseumsverein

Etwa 40 000 Euro flossen in den vergangenen Jahren laut Bolten in das Museum. Das Geld stamme von der Gemeinde und aus Zuschüssen des Landessanierungsprogrammes.

Warum Bolten, Schmidt und weitere Vereinsmitglieder so viel Zeit ins Museum investieren? "Weil es ein Ort fürs Dorf, für alte Geschichten ist", sagt Schmidt und Bolten fügt hinzu: "Weil man Altes bewahren, überliefern und weitergeben muss."

Aus Alt mach Neu heißt es für den Internetauftritt des Museums. Andre Heil habe eine frische Internetseite gestaltet. Facebook- und Instagramauftritte seien in Arbeit, sagt Bolten.

Wenn es die Umstände zulassen, wollen die Museumsmacher am 2. Oktober wieder öffnen. Zum traditionellen Schaumosten. Äpfel gibt's in diesem Jahr genug, bleibt nur zu hoffen, dass Corona den Ehrenamtlichen keinen Strich durch die Rechnung macht.

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