Mit den SchwäPo-Bienen durchs Jahr

  • Weitere
    schließen
  • schließen

Diese Zeitung begleitet Imker Dietmar Wiech durch das Jahr. Das SchwäPo-Bienenvolk ist bereits fleißig. Warum der Stock einem Flughafen gleicht.

Essingen

Bssss. Brummen dringt ans Ohr. Blumenduft liegt in der Luft. Bienen fliegen in ihren Stock und schwirren heraus. Zwischen einem Dutzend Bienenstöcken steht Dietmar Wiech – ohne Schutzausrüstung. "Meine Bienen sind sanftmütig", sagt der Imker, der Teil der SchwäPo-Aktion "Bienenfreund" ist.

Ein Jahr lang begleitet diese Zeitung Dietmar Wiech und das SchwäPo-Bienenvolk, das im Bienenschaugarten in Richtung Tauchenweiler lebt, um mehr über das Leben der Insekten herauszufinden. In diesem Teil der Serie geht's um den Start des Bienenjahrs.

"So richtig geht das Jahr mit der Kirschblüte los", sagt Wiech, während er einen Bienenkasten öffnet. Bssss, einige Tiere schwirren aus, von Aggressivität keine Spur. "Im März schaut der Imker nach der Brut", erklärt der Imker. Haben die Bienen genügend Futter? Gibt es Eier? Ist das Volk weisellos, also ohne Königin? "Wenn alles okay ist, wird die Beute bis April wieder zu gemacht."

Anfang April entfernt Wiech einige leere Futterwaben. "Dann hat die Königin Platz zum Eier legen", sagt er. Mitte April bringen die Bienen demnach mehr Pollen und Futter in den Stock. Die Königin spüre dadurch: Es wird Zeit, mehr Eier zu produzieren. "Sie legt dann etwa 2000 Eier am Tag. Nur so kann die Schwarmgröße erhalten werden", erklärt Wiech.

Der Imker muss in dieser Zeit Honigräume aufsetzen. Das sind Rahmen mit Mittelwänden, die Schablonen gleichen. Um diese herum bauen die Bienen Waben. Können sie das nicht ohne Hilfe? "Doch. Aber Bienen bauen rund, und zum Schleudern müssen die Waben eckig sein", sagt der Imker. In die Waben füllen Stockbienen Nektar. "Diesen wandeln die Insekten durch Hinzugabe von Enzymen und Vitaminen in Honig um." Haben die Tiere die Zelle verschlossen – im Fachchinesisch verdeckelt genannt – ist das Produkt fertig. Das Ergebnis: cremiger Blütenhonig.

Wiech schnappt sich einen Smoker und vernebelt mit diesem den Stock. "Die Bienen denken: Jetzt brennt's und gehen in den Brutraum, also in den unteren Teil des Stocks", erklärt der Imker. Dadurch erhaschen die Besucher einen Blick in diesen Teil der Bienenwohnung. Bssss, dort ist mächtig Betrieb. Es geht zu wie an einem Flughafen. Bienen liefern Nektar an, kümmern sich um die Brut, versorgen Drohnen und die Königin.

Meine Bienen sind sanftmütig.

Dietmar Wiech Imker

"Von 25 Drohnen wird die Königin am Anfang ihres Lebens befruchtet", erklärt der Imker. In Spermaschläuchen speichert sie das Sperma. Das reicht für ein ganzes Königinnen-Leben.

Die Herrin über 60 000 Bienen und 2000 Drohnen wird von ihren Untertanen gefüttert. Die Bienen sind es auch, die das Leben ihrer Anführerin beenden, wie Wiech sagt. "Wenn sie merken, dass die Königin zu wenig Eier legt, wird sie umgebracht", sagt der Imker. Das passiere etwa alle fünf Jahre. Dann züchtet sich das Volk eine neue Königin. "Diese wird mit Gelee Royale – einer eiweißreichen Masse – gefüttert und schlüpft nach 16 Tagen." Zum Vergleich: Eine Drohne schlüpft nach 24 Tagen, eine Biene nach 21, wie Wiech bilanziert.

Übrigens: Das SchwäPo-Bienenvolk besteht aus Buckfast-Bienen. "Diese Biene ist auf Friedlichkeit gezüchtet, arbeitet gerne und ist perfekt für die Region geeignet", sagt Wiech.

In der nächsten Folge erfahren Sie, was die Bienen in Schwarmstimmung bringt.

Zurück zur Übersicht: Essingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL