Mit einem kleinen Piks anderen Menschen helfen

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Rund 300 Freiwillige kommen in die Essinger Remshalle, um Blut zu spenden. Wie eine Blutspende in Corona-Zeiten funktioniert.

Essingen

Am Dienstag sah es in der Remshalle in Essingen noch anders aus. Franziska Rosta, Gardetrainerin des TSV Essingen, durfte zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wieder mit ihren Schützlingen trainieren. Am Freitag ist sie wieder in der Halle, dieses Mal aber mit einem anderen Vorhaben: Blut spenden. Die Kliniken nehmen wieder den regulären Betrieb auf, Blut wird also dringend gebraucht. Damit die Beutel voll werden, haben der TSV Essingen und der "LeichtAthletikClub" Essingen (LAC) ihre Mitglieder motiviert, zur Blutspende am 26. Juni zu kommen.

"Die Termine waren sehr gefragt", freut sich Lars Lächele, der die Aktion des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) organisiert – rund 300 Menschen haben sich angemeldet. Franziska Rosta ist eine von ihnen. "Wir haben eine Whatsapp-Gruppe, darin wurde die Aktion angekündigt", sagt die 26-Jährige, während sie am Eingang ihren Mundschutz bekommt und die Temperatur gemessen wird. Auch Nathalie Heil und Indira Echsler, beides Sportlerinnen beim LAC, kommen vorbei. Sie sind Wiederholungstäterinnen – Echsler war bereits acht Mal spenden. Über eine E-Mail ihres Öffentlichkeitsbeauftragten Helmut Gentner haben sie von der Aktion erfahren. Da Laufen und Hochsprung für die jungen Frauen lange Zeit tabu waren, freuen sie sich über Gesellschaft. Beide füllen einen Fragebogen aus. "Es ist eigentlich wie immer, man muss nur weniger anstehen", erklärt Heil. Helmut Gentner war bereits spenden. "Das kann man zum Event machen", sagt er über die Blutspendeaktion, für die die Vereine erfolgreich getrommelt haben. Einen großen Zuspruch hatte er im Vorfeld ausgemacht. "Uns ist es wichtig, jüngere Leute für das Thema zu sensibilisieren", betont Gentner. In diese Zielgruppe passen Nathalie Heil und Indira Echsler mit Anfang 20 perfekt. Der Blutdruck ist gemessen, auch die anderen Test sind geschafft. Also heißt es für das Duo, auf der Liege Platz zu nehmen. Sorgsam tupft eine Schwester die Stelle ab, an der die Nadel angesetzt wird. "Mit nur einem Piks Menschen helfen, die Blut brauchen, das finde ich gut," sagt Heil.

Es ist eigentlich wie immer, man muss nur weniger anstehen.

Nathalie Heil, Blutspenderin

Auch für Franziska Rosta ist der Moment gekommen. Sie schaut weg. "Ich mag Spritzen und Nadeln nicht." Trotzdem lässt sie das Prozedere über sich ergehen. Schon bald werden in der Remshalle keine Liegen mehr stehen. Dann wird Rosta wieder mit ihrer Garde trainieren. Vermutlich eine angenehmere Tätigkeit als Blutspenden und trotzdem sagt sie: "Das lässt man über sich ergehen, irgendwann braucht man vielleicht selbst Blut."

Rund ums Blutspenden: Das müssen Sie wissen

Was hat es für Auswirkungen, wenn nicht genug Blut gespendet wird? "Denkbare Folgen wären eine Gefährdung insbesondere von Krebspatienten während einer Chemo- oder Strahlentherapie. Sollten über einen Zeitraum von mehr als einer Woche nicht genügend Blutspenden eingehen, wäre die Patientenversorgung innerhalb kurzer Zeit nicht mehr lückenlos abzusichern. Der Grund ist die kurze Haltbarkeit einiger Blutpräparate."

Welche Typen von Blutpräparaten werden aus einer Blutspende gewonnen? "Ein Erythrozytenkonzentrat, das die roten Blutkörperchen enthält (umgangssprachlich Blutkonserve), kann maximal 42 Tage eingesetzt werden. Die Thrombozyten (Blutplättchen) sind nur vier bis fünf Tage einsetzbar. Nur Blutplasma ist länger lagerfähig."

Gut zu wissen: "Ein großer Teil der Bundesbürger ist mindestens einmal im Leben auf das Blut anderer angewiesen." Quelle: DRK

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