Obstbäume: wild, natürlich, gepflegt

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Streuobst-Experte Helmut Ritter beim Baumschnitt auf dem Schlossgut Hohenroden. Ritter zeigt dort, wie man ertragreiche und schöne Obstbäume erhält.

Obstbauer Helmut Ritter aus Strümpfelbach setzt auf der Streuobstplantage des Schlossgutes Hohenroden bei Essingen den richtigen Schnitt – den „Palmer-Schnitt“.

Essingen

Jeder hat sie schon einmal irgendwo stehen sehen. Die wilden, knorrigen Apfelbäume, die mitten auf einer Wiese oder am Wegesrand stehen und für die sich offenbar keiner so richtig zuständig fühlt, geschweige denn pflegt. Im Frühjahr blühen und duften sie und sind von fleißigen Bienen umschwärmt. Im Frühherbst sind die Bäume über und über mit kleinen, großen, saftigen und auch etwas krummen Äpfeln beladen. Die sogenannten Streuobstbäume kommen wieder in Mode. Sie verkörpern den puren, natürlichen Obstanbau.

Viele private Obstbauern aus der Region haben die Vorteile des Streuobstbaus wieder für sich entdeckt. Obst aus der Region. Bio. Das schmeckt und kommt bei den Endverbrauchern gut an. Auch als Saft oder Gelee sind die Streuobstfrüchte klasse. Doch auch Streuobstbäume wollen gepflegt werden, um für die Obstbauern Spitzenerträge zu bringen. Wie Streuobstbäume richtig gepflegt werden sollten, darüber gehen die Ansichten der Baumwarte und Baumexperten weit auseinander.

Obstbauer Helmut Ritter aus Strümpfelbach hat da eine eigene Philosophie. Ritter ist ein überzeugter Anhänger des „Palmer-Schnitts“, benannt nach Helmut Palmer, vielen bekannt als der Remstal-Rebell. Palmer war Politiker und Obstbauer. Einige Zeit verbrachte Palmer in der Schweiz, wo er einen neuen Baumkronenaufbau kennenlernte, den Oeschberg-Schnitt. Diesen brachte er 1950, als den später bekannten Palmer-Schnitt, mit nach Baden-Württemberg – und löste den württembergischen „Obstbau-Krieg“ aus.

Am meisten verärgerte Palmer die Fachwelt mit der Aussage: „Jeder sein eigener Baumwart“. Ein Affront gegen den alten Berufsstand der Baumwarte im Land, die ihr Wissen über die „richtige“ Baumpflege wie ein Geheimnis hüteten.

Heute hat sich die Lage in der Obstbaumpflege beruhigt – die Diskussion über die „richtige“ Pflege aber ist geblieben. Helmut Ritter war sozusagen in der „Lehre“ bei Helmut Palmer und hat viel von ihm gelernt. Inzwischen habe er, wie er sagt, selbst hunderte von Fans und gibt selbst Schnittkurse. Sein geübtes Auge findet schnell die Schwachpunkte am Baum und behebt sie mit gezielten Schnitten. „Wie weit muss ich zurückschneiden, damit der Baum stabil bleibt und einen guten Ertrag bringt?“, werde er oft gefragt. Dann spricht Ritter von Umkehraugen, mit denen man das Wachstum von Bäumen lenkt, von Ästen, die zu schwer werden und kippen und von lichten Baumkronen, die genügend Sonnenlicht bis in das innere Geäst und Blattwerk lassen.

Obstbäume können bei guter Pflege bis zu 200 Jahre alt werden und einen immensen Ertrag bringen. Unter der erfahrenen Hand von Helmut Ritter bekommt ein Streuobstbaum dann den richtigen Schnitt. Nach einer dreiviertel Stunde erfüllt der Baum seine drei wichtigsten Merkmale: Licht, Luft, Stabilität.

Gastgeber an diesem Tag ist das Schlossgut Hohenroden bei Essingen. Dieses verfügt über 500 Streuobstbäume und bewirtschaftet eine Fläche von insgesamt 120 Hektar. Freifrau Viola von Woellwarth freut sich über den Expertenbesuch auf ihrem Schlossgut. „Wir kennen uns schon von früher. Helmut Ritter ist uns mit seinem Fachwissen immer herzlich auf unserem Schlossgut willkommen“, sagt Freifrau Viola von Woellwarth. Das Obst der Streuobstplantagen wird vom Schlossgut zu Apfelsaft verarbeitet.

Wissenswertes rund um den Palmer-Schnitt

Das Schlossgut Hohenroden ist ein Biolandbetrieb mit eigenem Hofladen, wo eigene Fleisch und Wurstwarenerzeugnisse verkauft werden.

Organisiert hat die Infoveranstaltung die Tochter von Helmut Palmer, Gudrun Mangold, die ein Buch über den „Originalen Palmer Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“ herausgebracht hat.

Neben Erinnerungen an Helmut Palmer und sein Leben als Obstbauer und Politiker, steht auch der Oeschberg-Palmer-Schnitt mit viel Wissenswertem und Expertentipps zur Streuobstbaumpflege im Mittelpunkt dieses Buches.

Das Buch zum richtigen Baumschnitt

  • Das Buch „Der Originale Palmer Schnitt – Spitzenerträge imStreuobstbau“ ist erschienen im Verlag „Der Palmengarten“. Nähere Informationen dazu unter www.gudrunmangold.de
Helmut Ritter schneidet den Baumwipfel
Helmut Ritter nimmt Maß
Ein nach der Palmer Methode ideal geschnittener Baum

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