Regen vermiest die Honigernte - und macht den Bienen zu schaffen

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Die Honiggläser in diesem Jahr zu füllen war nicht leicht für Imker Dietmar Wiech.

Aktion Bienenfreund Die Klimakrise hat Auswirkungen auf das Leben von Biene, Hummel & Co.

Essingen. Nachdenklich stimmt Imker Dietmar Wiech das aktuelle Wetter. "Wir kämpfen mit den Extremen", sagte er. Viele gefüllte Honiggläser können bei Wiech, dessen Bienen im Bienenschaugarten bei Essingen leben, vergeblich gesucht werden. Die Honigernte fiel in diesem Jahr fast aus. 20 bis 25 Kilogramm Honig entnimmt Wiech normalerweise einem Volk. Normalerweise. "In diesem Jahr habe ich durchschnittlich ein Kilogramm Honig von jedem Volk bekommen." Übrigens: Der Imker nimmt den Insekten nie den ganzen Honigvorrat weg. Denn die Tiere sollen auch für ihre Arbeit belohnt werden.

Die Gründe für die niedrige Erntebilanz 2021:

1 Die Kälte zu Beginn des Jahres: "Die Obstbäume haben zwar im Mai geblüht, aber es war kalt und regnerisch und die Bienen konnten nicht aus ihrem Stock fliegen", sagt Wiech.

2 Viel Regen: Waldhonig gibt es bei dem Imker, der gemeinsam mit dieser Zeitung ein Jahr das Leben der Bienen begleitete, in dieser Saison nicht. Bienen sammeln im Wald den Honigtau der Läuse ein. "Eine Laus fühlt sich bei schwül-warmem Wetter wohl", sagt Wiech - das gab es in diesem Jahr nicht. Zudem habe der Regen die Läuse von den Blättern gespült.

3 Wenig Futter: "Die Natur hat sich aufeinander abgestimmt", sagt der Imker. Doch der Klimawandel wirbele diesen Zeitplan durcheinander. "Die Bienen schlüpfen wie immer, doch die Blumen blühen zu anderen Zeiten." Für das Überleben der Wildbienen sind dies keine guten Aussichten. "Viele Tiere sind verhungert, weil sie nichts zu fressen gefunden haben", erklärt Wiech. Die Honigbienen haben Glück: Sie werden im Notfall von den Imkern mit Futter, bei Wiech bekommen sie Zuckerrübensirup, versorgt. "Eine zeitliche Fehlabstimmung von Pflanze und Biene zwischen drei und sechs Tagen reicht aus, um den Bienen zu schaden", zitiert Wiech eine Studie der Universität Würzburg.

Warum hat Wiech die Honigräume überhaupt geschleudert, wenn es so wenig Honig gibt? Grund dafür ist sein System. "Würde ich die Honigräume nicht schleudern, würde der Honig im Stock gären", erklärt er.

Sorgen macht ihm, dass es in diesem Jahr wenig Obst gibt, da die Bienen die Blüten nicht bestäuben konnten. "Es ist bedenklich, wenn ich meinen leeren Obstbaum sehe, der direkt neben einem Bienenvolk steht."

Der Imker ist froh, dass er nicht von seiner Arbeit leben muss - und dass er Bienenpatinnen und -paten hat, die ihn finanziell unterstützen. "Normalerweise investiere ich das gespendete Geld in Futter und Geräte und komme bei plus/minus null raus. In diesem Jahr musste ich mein privates Geld drauflegen", bilanziert er.

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