Rückbesinnung aufs Rückepferd

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Heinz Huber mit seinem Rückepferd im Essinger Wald. Foto: bk
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Wie die Realgenossenschaft Essingen mit Hilfe von 1 PS schonender den Wald bewirtschaftet.

Essingen. Die Realgenossenschaft Essingen setzt bei der Waldbewirtschaftung nicht nur auf moderne Maschinen, sondern auch auf Pferdestärken. Mithilfe von sogenannten Rückepferden werden die gefällten Baumstämme aus schwer zugänglichen Waldstücken zur nächsten befahrbaren Gasse gezogen. Heinz Huber aus Irmannsweiler ist Pferderücker und gewissermaßen eine Rarität auf der Ostalb – er ist der Einzige in der Region, der mit seinem Kaltblüter regelmäßig zum Holzrücken im Wald ist. So auch an diesem trüben Dezembernachmittag.

Mit Revierleiter Bernhard Naderer geht es im Jeep zu einem Waldstück hinter Tauchenweiler und dann noch ein Stück zu Fuß tief in den Wald hinein. Hier sind Heinz Huber und Andreas Bauer bei der Arbeit – und Max. So heißt das Rheinisch-Deutsche Kaltblut, ein großes kräftiges Pferd, das geduldig auf seinen Einsatz wartet. Die Waldarbeiter schaffen im Team. Mit der Motorsäge fällt Andreas Bauer die markierten Bäume, dann kommt Heinz Huber, legt ein Zugseil um den Stamm und gibt seinem Pferd Kommando. Kraftvoll zieht Kaltblüter Max die langen Fichtenstämme Richtung Rückegasse. Dort werden sie abgelegt. Später kommt der Harvester, der Vollernter, um die Stämme zu entasten, zu vermessen und auf vier bis fünf Meter Länge zurechtzusägen.

Heinz Huber betreibt das Holzrücken nebenberuflich. Im Hauptberuf arbeitet er im Bauhof in Steinheim. Welche Eigenschaften muss so ein Rückepferd mitbringen? „Es muss die Sägegeräusche aushalten können und ruhig bleiben“, sagt er. Und natürlich müsse man ein Pferd „einlernen“ für die Arbeit im Wald. Den Maulkorb trage der Kaltblüter, damit er keine Bäume anknabbere, ergänzt Huber. Das Herausziehen der Bäume ist auch für den stämmigen Max eine Kraftanstrengung. Sein Körper beginnt nach einer Weile aus allen Poren zu dampfen. Kein Wunder. 400 bis 500 Kilogramm bringe so eine Fichte auf die Waage, schätzt Bernhard Naderer.

Der Revierleiter freut sich darüber, dass sich Maschine und Pferd in der Forstwirtschaft ergänzen. Das komme letztlich dem Wald zugute, sagt er und erklärt auch, warum. Der Harvester kann vom Weg aus nur jeweils 10 Meter rechts und links in den Wald hineingreifen, um die Stämme herauszuholen. Durch den Einsatz eines Rückepferdes braucht man weniger befahrbare Wege, weil es auch in unzugängliche Bereiche kommt. Das bedeutet insgesamt weniger Bodenverdichtung. Gerade bei druckempfindlichen Böden wolle man Verdichtungen vermeiden, so Naderer. ⋌Beate Krannich

Mehr Bilder vom Einsatz mit dem Rückepferd im Essinger Wald gibt es auf schwaepo.de

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