Streit um Lauterburger Kirchturm

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Kirchendach inklusive Kirchturm und Uhr in Lauterburg sind saniert. Jetzt gibt es Streit um die Zahlung von 20 000 Euro durch die Gemeinde Essingen. Die will das Geld erst dann überweisen, wenn ein Vertrag aus dem Jahr 1887 gekündigt bzw. angepasst
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Dekan Ralf Drescher kritisiert Bürgermeister Wolfgang Hofer und Essinger Gemeinderäte für ihre Haltung, die Zahlung von 20 000 Euro von einer Vertragsänderung abhängig zu machen.

Aalen/Essingen-Lauterburg

Es gibt Streit um einen Teil der Kosten für die Sanierung der Lauterburger Kirche. Der evangelische Dekan Ralf Drescher appelliert an Bürgermeister Hofer und die Essinger Gemeinderäte, sich zur Lauterburger Kirche zu bekennen und bestehende Verträge und Gesetze einzuhalten. Was Drescher damit meint? Die bürgerliche Gemeinde soll vor diesem Hintergrund entgegen ihrem jüngsten Gemeinderatsbeschluss ihren vertraglich festgelegten Anteil in Höhe von rund 20 000 Euro für die Sanierung von Kirchturm und Turmuhr begleichen und dies nicht von einer Anpassung des Vertrags abhängig machen. Drescher reagiert damit auf eine Debatte und einen Mehrheitsbeschluss vor Weihnachten im Essinger Rat.

Das sind die Fakten

Es geht um ein Gesetz aus dem Jahr 1887, das festgelegt hat, dass kirchliches und bürgerliches Vermögen getrennt werden mussten. Wie die Trennung im einzelnen aussah, wurde damals in der sogenannten „Ausscheidungs- und Abfindungsurkunde“ vor Ort geregelt. Auch in Lauterburg. So ist festgehalten, dass der finanzielle Anteil der Gemeinde an der Sanierung von Uhr, Schlagwerk, Kirchturm und Glocken zwischen 75 und 20 Prozent beträgt.

Diese prozentualen Anteile wollen die Essinger Räte nun reduzieren. Und machen dabei Druck auf Dekan und Oberkirchenrat in Stuttgart. Sie wollen das Geld erst dann überweisen, wenn der Vertrag aus dem Jahr 1887 gekündigt bzw. noch einmal angepasst wird.

Um diesen Betrag geht es

Bei einer Gesamtinvestition von 550 000 Euro in die Sanierung des Kirchendachs, des Kirchturms und der Kirchenuhr geht es am Ende um knapp 4000 Euro, die Essingen sparen könnte, gingen Drescher und der Oberkirchenrat in Stuttgart auf das Ansinnen der Essinger Räte, den Vertrag vorab anzupassen, jetzt ein. Dekan Drescher will sich allerdings dem bürgerlichen Druck nicht beugen.

Er fordert ein, dass die Essinger zunächst ihren Anteil bezahlen und im Anschluss daran Verhandlungen über ein neues Vertragswerk folgen.

Das sagt der Dekan

„Gesetze sind dazu da, dass sie eingehalten werden – unabhängig davon, wie alt sie sind“, betont der Dekan. Verträge, die sich daraus ableiten, seien daher zu erfüllen. „Dass Verträge im Laufe der Jahre an neue Gegebenheiten angepasst werden müssen, steht für mich außer Frage“, sagt der Dekan und bezieht sich unter anderem darauf, dass bereits 1980 die Prozentsätze genau aus diesem Grund entsprechend verändert worden sind. Seitdem habe sich allerdings nichts verändert, was für eine erneute Anpassung als Begründung diene, argumentiert Drescher gegen die Beschlusslage. „Ich sehe insofern keinen Handlungsbedarf und kaum einen Spielraum für den Oberkirchenrat in Stuttgart“, sagt der Dekan und stellt fest, dass er darauf bei Verhandlungen mit Essingen mehrfach hingewiesen habe.

Dass Bürgermeister Wolfgang Hofer in den Verhandlungen, die bereits sechs Jahre andauern, die Verpflichtung der bürgerlichen Gemeinde davon abhängig machen wolle, dass die Ausscheidungsurkunde vorab gekündigt oder zumindest nochmals angepasst würde, sei für ihn, so Drescher, nicht plausibel. „Sie zeugt von einem eigenartigen Rechts- und Geschichtsverständnis.“ Schließlich handle es sich bei der Lauterburger Kirche nicht nur um das Gotteshaus der evangelischen Kirchengemeinde, sondern um ein Gebäude, mit dem sich viele Lauterburger identifizieren – auch über konfessionelle Grenzen hinweg. Die Lauterburger Kirche, die Georg Wolf von Woellwarth Anfang des 17. Jahrhunderts erbauen ließ, sei zudem ein „eindrückliches Denkmal der Geschichte des Ortes und seiner Region“, so der Dekan.

Die Leistungen der Lauterburger

Die kleine evangelische Kirchengemeinde Lauterburg mit ihren 355 Mitgliedern habe ihre denkmalpflegerische Verpflichtung in beispielhafter Weise wahrgenommen und mit sehr viel Einsatz und in vielen Aktionen Gelder in Höhe von rund 100 000 Euro zusammengetragen. „Hilfreich wäre es jetzt gewesen, wenn der Bürgermeister seine Gemeinderäte dafür begeistert hätte, diesen Kraftakt zu einer Herzenssache der gesamten Gemeinde zu machen“, sagt Drescher. 50 Jahre Eingemeindung im nächsten Jahr seien dafür immer noch ein guter Anlass für diesen wichtigen Schritt, meint der Dekan.

Das ist unstrittig

Unstrittig und durch Förderrichtlinien geregelt sind übrigens weitere rund 20 000 Euro, die ebenfalls für die Instandhaltung des Kirchengebäudes insgesamt von der bürgerlichen an die kirchliche Gemeinde Lauterburg fließen.

Die Gemeinde unterstützt grundsätzlich Investitionen in Neubaumaßnahmen und umfassende Sanierungen sowohl bei Vereinen als auch bei Kirchen im gleichen Maße.

Gesetze sind dazu da, dass sie eingehalten werden – unabhängig davon, wie alt sie sind.“

Ralf Drescher, evangelischer Dekan

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