Surfen in Lauterburg: weiter möglich?

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Angespannte Situation in Lauterburg: Der Betreiber sdt.net stellt am kommenden Montag, 11. April, in einem Großteil des Ortes das Internet ab und damit viele Bürgerinnen und Bürger vor Probleme.
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Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde Essingen und der Aalener Firma sdt.net: Beide wollen das Glasfasernetz in Lauterburg ausbauen, das führt zu einem Rechtsstreit.

Essingen-Lauterburg

Problemlos im Internet surfen: Das könnte in Lauterburg in Zukunft schwierig werden. Der Betreiber sdt.net stellt am Montag, 11. April, in einem Großteil des Ortes das Internet ab. Grund dafür sind Unstimmigkeiten zwischen der Aalener Firma sdt.net und der Gemeindeverwaltung Essingen. Aktuell befinden sich beide Akteurinnen in einem Rechtsstreit, der vor der Bundesnetzagentur und dem Amtsgericht verhandelt wird.

Die Ausgangslage: Vor zehn Jahren war die Verwaltung auf der Suche nach einem Internetbetreiber für Lauterburg – sdt.net bewarb sich und bekam einen Zehnjahresvertrag für die Leerrohre. „Zum damaligen Zeitpunkt haben wir Leerrohre von der Windkraftanlage I bei Tauchenweiler bis zum Feuerwehrhaus verlegt. Der Plan war, das Dorf über die Windkraftanlage ans Glasfaser anzuschließen“, erklärt Bürgermeister Wolfgang Hofer. sdt.net habe dies nicht getan und stattdessen für das Signal eine Richtfunkanlage aufgebaut – Hofer:„Für damalige Verhältnisse war das gut, heute reicht das nicht mehr.“

Aufbruch ins neue Zeitalter: In Lauterburg soll nun das Glasfaserzeitalter anbrechen. Gemeinsam mit Netcom BW wolle die Gemeinde mit Fördergeldern im Rahmen des Graue-Flecken-Programms das Internet in Lauterburg ausbauen. Daher habe die Verwaltung dem Internetanbieter zum 21. April. 2022 gekündigt, sagt Hofer. Auch viele Lauterburger haben inzwischen keinen Vertrag mehr bei dem Internetanbieter. Das Problem: Auch sdt.net will nun das Glasfasernetz in Lauterburg ausbauen. Die Kündigung der Gemeinde akzeptiert die Firma daher nicht.

Das sagt der Bürgermeister: Bei Baumaßnahmen in Lauterburg seien in den Straßen bereits Leerrohre verlegt worden. Wenn die Förderung im Grauen-Flecken-Programm bewilligt wird, kann die Gemeinde „relativ einfach“ durch die Leerrohre Glasfasertechnik in die Gebäude bringen. In den kommenden zwei bis drei Jahren könnte das Netz ausgebaut werden. „Für Bürger kostenlos“, sagt Hofer. „Wenn wir als Gemeinde Glasfaser ausbauen, machen wir das flächendeckend. Wir sind verpflichtet, alle Haushalte anzuschließen, also nicht nur dort, wo es sich wirtschaftlich lohnt.“ Wichtig sei ihm, dass die Lauterburger schnell ein flächendeckendes Glasfasernetz bekommen, betont Hofer.

Das sagt Bernd Sontheimer, Chef der sdt.net AG: „In Lauterburg hatten wir 80 Prozent aller Haushalte als Kunden.“ Daher lohne sich der Ausbau des Glasfasernetzes dort wirtschaftlich. Ein Hausanschluss kostet bei sdt.net 999 Euro pro Haushalt, wie Sontheimer bilanziert. Wer bei der Firma einen Glasfaservertrag abschließt, erhalte etwa 240 Euro Rabatt. „Wir haben uns aufgrund der Kündigung der Leerrohre durch die Gemeinde entschieden, diese auf eigene Kosten in Lauterburg selbst zu bauen, damit wir unsere Kunden weiter versorgen können“, erklärt er. Die Gemeinde wolle einen Glasfaserausbau mit Steuermitteln finanzieren, sagt Sontheimer. Aus seiner Sicht ist Telekommunikation Aufgabe der Privatwirtschaft. „Letztlich bleibt uns leider nichts anderes übrig, als uns auf dem Rechtsweg gegen den Rechtsmissbrauch zu wehren.“

Wie es für Bürger weitergeht:Kunden, die bei sdt.net einen Glasfaservertrag abgeschlossen haben, werden weiterhin mit Internet versorgt, wie Sontheimer sagt. Bis zum Ausbau des Glasfasernetzes nutze sdt.net dafür Kupferleitungen.

„Wir sind bestrebt, mit der Lauterburger Bürgerschaft eine Hilfskonstruktion aufzubauen“, sagt Hofer. Etwa 100 Haushalte, die bereits ans Glasfaser angeschlossen werden können, werden von der Netcom so schnell wie möglich versorgt, wie der Bürgermeister sagt. Etwa 16 mBit stehen laut Hofer den Bürgern dann zur Verfügung. Wer noch nicht ans Netz angeschlossen werden kann, könne als Notlösung LTE nutzen. Die „schlimmsten Fälle“ werden demnach mit Freifunk vom Campingplatz „Hirtenteich“ aus versorgt. „In zwei bis drei Jahren soll Lauterburg im Gigabitzeitalter sein“, so Hofer. Bis dahin müsse wohl die Zwischenlösung genutzt werden.

„Die Situation ist sehr angespannt“, sagt Gemeinderat und Bezirksbeirat Karl Bäurle, der in Lauterburg wohnt. „Viele wissen nicht, ob sie ab nächster Woche noch daheim arbeiten können.“ Bäurle hat in den vergangenen Wochen Briefe ausgetragen, um die Lauterburger über die Situation zu informieren und diese zu einer Infoveranstaltung der Verwaltung einzuladen.

Es ist wichtig, dass die Lauterburger schnell ein flächendeckendes Glasfasernetz bekommen.“

Wolfgang Hofer, Bürgermeister

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