TSV-Vereinsheim: Wenn das Leben verschwindet

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Koch Volker Nufer im TSV-Vereinsheim in Essingen. Seit Start des zweiten Lockdowns wurden hier keine Gäste mehr bedient.
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Volker Nufer versorgt eigentlich Fußballspieler und weitere Gäste im TSV-Vereinsheim. Corona wegen ist (fast) alles anders.

Essingen

Gut bürgerliche Küche" steht auf einem Transparent über dem Eingang der TSV-Gaststätte. Wer denkt, dass es im Innern nach Braten, Spätzle und mehr duftet, hat sich getäuscht. Wirt Volker Nufer sitzt an einem der Tische im Gastraum, es ist früher Nachmittag. Für heute hat der 41-Jährige Feierabend. "Ich putze nachher noch die Küche, gehe ins Büro und dann heim", sagt er und sein Blick wandert für einen Moment durchs Lokal. Die Stühle sind aufgestuhlt, das Licht ist aus. Ein paar orangefarbene Rosen auf der Theke zeigen, dass dort noch etwas Leben, dass dort noch Betrieb ist.

Schwäbisches trotz Corona

Denn Corona hin oder her: Vor dem Herd steht Volker Nufer trotzdem. "Uns bleibt ja nichts anderes übrig", sagt der Koch. Dienstags bis freitags gibt's in der TSV-Gaststätte Mittagstisch, am Wochenende auch abends, zum Mitnehmen versteht sich. "Das wird gut angenommen, die Essinger helfen uns." Sonntags verkaufe er im Schnitt 100 Essen.

Obwohl es nur Essen zum Mitnehmen gibt, lehnt sich der Küchenchef nicht zurück. Rostbraten, Entrecôte oder Fisch zaubert Volker Nufer trotzdem für seine Gäste – gut bürgerliches Essen eben.

Rücklagen fehlen

Ich fühle mich von der Regierung im Stich gelassen.

Volker Nufer Chef TSV-Vereinsheim

Unendlich lange können sie, Volker Nufer und seine Frau Yamonphorn Yammy Nufer, den Lockdown nicht durchstehen. "Rücklagen haben wir nicht mehr. Wir zahlen unsere Rechnungen und schauen, wie wir mit dem Rest zurechtkommen", sagt er. Der Vorstand des TSV Essingen komme ihm mit der Miete entgegen, die Firma "Promac4u" aus Essingen helfe beim Erstellen der Speisekarten. Auch die gesenkte Mehrwertsteuer helfe dem Wirt weiter.

Was fehlt: Heimspiele des TSV Essingen, Konfirmationen, Wettkämpfe auf der Kegelbahn und, und, und. Was noch fehlt: Die Besucherinnen und Besucher, das Leben in der Wirtschaft. Schon lange trifft sich der Stammtisch nicht mehr im Vereinsheim zum geselligen Plausch. "Es ist mit den Gästen immer ein angenehmes Zusammensein. Der Austausch und das Späßle machen fehlen", sagt Volker Nufer.

Was, wenn er einen Wunsch bei der Regierung frei hätte? Er wünsche sich, "dass die Gelder endlich fließen". Und: Dass es weniger bürokratische Hürden beim Beantragen der Hilfen gibt. Er warte immer noch auf die Novemberhilfen. "Ich fühle mich von der Regierung im Stich gelassen", erklärt der Koch, der im "Ritter" in Essingen sein Handwerk gelernt hat. Volker Nufer erwartet von der Regierung eine klare Ansage. Diese soll ein Datum festlegen, wann die Gastronomie wieder öffnen kann, wie er sagt. "Ich brauche Vorlaufzeit, um den Betrieb wieder zu starten."

Trotz Coronakrise sei er täglich meist zehn bis zwölf Stunden im Lokal Am Schönbrunnen 1. "Ich arbeite zwar weniger, aber es gibt immer wieder etwas zu tun, zum Beispiel die Küche putzen oder im Büro arbeiten", sagt der 41 Jahre alte Koch, nur gehe er es nun eben etwas entspannter an.

Von Essingen nach Essingen

Gelernt hat Volker Nufer sein Handwerk im Essinger "Ritter". Danach arbeitete er eine Zeit lang im Roten Ochsen in Aalen. Er kochte für Bundeswehroffiziere und arbeitete zehn Jahre lang als Küchenchef in der Schweiz. Seit Mai 2017 betreibt er das TSV-Vereinsheim in Essingen gemeinsam mit Frau Yamonphorn Yammy Nufer. Im Restaurant gibt's Platz für 60 Personen. Zudem ist im Keller eine Kegelbahn.

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