Über die Staufer-Straße und durch den Schurwald

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Oberhalb von Weilerstoffel
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Lebhaftes Hin-und-Her zwischen Rems- und Filstal. Was man im „Tal der Frohen“ sieht und wie es früher dort war.

Essingen

Vom Oberlauf der Rems ins „Tal der Frohen“. Und zum Abschluss in einen hübschen Weinort. Hört sich gut an, oder? Auf der Strecke liegen Steigungen, Gefälle, Kurven und Kehren.

Zur Einstimmung geht das gleich los am Schlossgut Hohenroden, das man auf dem Weg über Lautern nach Heubach passiert. Dann weiter, über Bettringen nach Waldstetten. Von dort aus geht’s nach Weilerstoffel, dann nach Tannweiler und oberhalb des Dörfleins liegt die „Reiterleskapelle“ aus dem Jahr 1714. Auf der Karte hat der Reporter ausgemacht, dass von dort aus ein öffentliches Sträßchen nach Wißgoldingen führt. Stimmt. Es kurvt durch hübsche Alblandschaft. Wermutstropfen dabei: An Sonn- und Feiertagen für Kraftfahrzeuge gesperrt. In diesem Fall also besser von Waldstetten aus über Straßdorf nach Rechberg.

Von welcher Seite man auch den „Kaiserberg“ der Staufer angeht: Im Ort Rechberg ist Ottenbach, das nächste Zwischenziel, nicht ausgeschildert. Man orientiert sich am besten am Hinweis auf den Spiel- und Freizeitpark Schurrenhof (samt Campingplatz). Im Wald kommt unvermittelt die Abzweigung, scharf rechts, und das Sträßchen fällt über ein paar Höfe Ottenbach im Landkreis Göppingen entgegen.

Dort wendet man sich nach Norden, klettert über die Schonterhöfe kurven- und kehrenreich auf die Straße der Staufer und hat von dort einen herrlichen Blick nach Süden auf den Albrand und nach Norden ins Remstal und auf den Schwäbischen Wald. Zuerst Richtung Hohenstaufen, kurz davor rechts runter nach Maitis, fast so lebhaft wie die Strecke südlich des Höhenzuges. Dann ist die Zeit der Sträßchen zunächst vorbei. Kurz vor Wäschenbeuren passiert man die Abzweigung zum Wäscherschloss, das als „Wiege der Staufer“ bezeichnet wird, und aus dem 13. Jahrhundert stammt. Ein Besuch könnte sich lohnen.

Die B 297 Richtung Göppingen, durch Birenbach und kurz vor Rechberghausen rechts in Richtung Adelberg. Wieder auf der „Straße der Staufer“ hat der Reisende nun den Schurwald erreicht. Bei der Zachersmühle wartet eine geniale Kehre. Vorbei an Adelsberg, nach Oberberken und dann links. Durch den Wald nach Wangen, im Ort links und hinab nach Uhingen. Richtung Stuttgart einschlagen. Der Hinweis aufs Nassachtal und Schlichten kommt zwei Kilometer später.

Dann vollführt der Kraftfahrer eine Pirouette: Abzweigung, Rampe, Brücke über die Bahn und nach 270 Grad beginnt die Nassachtalstraße. Schon zwei Kilometer weiter fragt man sich, ob man tatsächlich durch die Metropolregion Stuttgart fährt. Oder ob man sich bei der Pirouette nicht doch irgendwie in den Schwarzwald gebeamt hat. Das eher schmale, doch ausgezeichnet asphaltierte Sträßchen schlängelt sich in einem verträumten Tal durch romantische Landschaft und pittoreske Weiler. Das zehn Kilometer lange Tal galt übrigens wegen seiner Enge und fehlender Flächen für Landwirtschaft noch vor 200 Jahren als eine der ärmsten Gegenden Württembergs. Heute nennen es die Einheimischen das „Tal der Frohen“. Wohl wegen der weitgehend intakten Natur. Fröhlich wandern kann man dort übrigens auch.

Schließlich landet man oben in Schlichten auf der Schurwaldstraße und fegt über eine tolle Strecke mit flotten Kurven hinab ins Remstal nach Schorndorf. Dort ist die Verbindung über den Teilort Weiler nach Winterbach im August 2021 gesperrt. Und so nimmt der Reporter eben den Umweg über die vierspurige B 29.

Von Winterbach wieder rauf in den Wald. Breite Straße, die Verbindung nach Esslingen oder auch Plochingen. Nach Baltmannsweiler kann man dem Gaul die Sporen geben, bis die Abzweigung nach Weinstadt kommt. Es geht durch Aichschieß und Schanbach, nochmal kurz durch den Wald – und dann öffnet sich plötzlich eine weite Perspektive ins Remstal in Richtung Waiblingen. Weinberge bestimmen jetzt die Landschaft anstelle von Wald und Streuobstwiesen. Über das hübsche Weindorf Strümpfelbach mit seinen schmucken Fachwerkhäusern erreicht man Endersbach. Ein weiterer Teilort des bei der Gemeindereform in den 70er Jahren zusammengewürfelten „Weinstadt“.

Von dort aus will der Zweiradfahrer eigentlich die alte Strecke das Remstal hinauffahren. Aber entweder sind Abschnitte nicht ausgeschildert oder gesperrt. Und so entscheidet sich der Reporter für einen Kompromiss: Er düst auf der autobahnähnlichen B 29 mit 120 Sachen bis nach Lorch-West.

Wer noch nie im Kloster Lorch war: Unbedingt mindestens das Stauferrundbild von Hans Kloss (1938 – 2018) ansehen. Es ist 30 Meter lang, 4,5 Meter hoch und damit das größte Gemälde auf Leinwand in Südwestdeutschland. Es zeigt in zehn Stationen die Geschichte der Staufer.

Von Lorch aus die alte Strecke nach Schwäbisch Gmünd. Vorbei am (abgebrannten) Wachthaus und durch den Sachsenhof, in dessen schönen Kurven nur 50 km/h zugelassen sind. Schade eigentlich. Auf der alten Stadtdurchfahrt zunächst über die Lorcher Straße durch Gmünd. Wieder auf die B 29, bis auf der Umfahrung Mögglingen der Abzweig nach Hermannsfeld oder die Mülldeponie Reutehau kommt. Uff. Jetzt muss man schnell von Speed auf Schleichtempo umstellen. Über die Schwegelhöfe und durchs Untere Dorf tuckert der Motorradfahrer zurück nach Essingen. In der Ortsmitte zeigt der Tageskilometerzähler die Zahl 174.

  • Der Schurwald ist ein bewaldeter Höhenzug östlich von Stuttgart. Er erstreckt sich zwischen dem Neckartal (Westen), dem Filstal im Süden und dem Remstal im Norden in Richtung Osten bis etwa auf die Höhe von Lorch. Im Gebiet von Stuttgart und den Landkreisen Esslingen, Göppingen, dem Rems-Murr- und dem Ostalbkreis. „Wikipedia“ weiß, woher der Name kommt: „Über Jahrhunderte versorgten die Wälder des Schurwaldes die Gemeindenund Städteder Umgebung mit Holzals Brenn- und Baumaterial. Dementsprechend rührt der Name „Schurwald“ von dem mittelhochdeutschen Wort „schure“ her, das so viel wie „Schur“, also „Scheren“ oder „Kahlschlag“ bedeutete.“
  • Weitere Informationen: Reiterleskapelle: www.komoot.de/highlight/159123
  • Wäscherschloss: www.burg-waescherschloss.de
  • Nassachtal: www.wikipedia.org
  • Strümpfelbach: www.weinstadt.de
  • Kloster Lorch : www.kloster-lorch.com, speziell zum Stauferrundbild auch: www.hans-kloss.de
Ottennbach in Tal, Dorf und Berg Hohenstaufen darüber
Blick über Waldstettem hinweg zum Rechberg
Blick ins Remstal auf Weinstadt von der Württemberger Weinstraße nördlich von Schanbach.
Hübscher Fachwerk-Ort, hübsches Rathaus: Strümpfelbach, Teilort von Weinstadt.
Schurwaldrunde Streckenverlauf
Motorradtour Schurwald Filstal
Collage Motorradtour Schurwald

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