Viel Herzblut und knatternde Sensen

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Noch vor dem Wintereinbruch sind alle Arbeiten geschafft. Das Bild zeig Ingrid Starzinsky.
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Wie die Mitglieder der Essinger Naturschutzgruppe das ganze Jahr über die Wacholderheide in der Langen Halde in Schuss halten. Ein Besuch im Naturparadies.

Essingen

Motorsensen knattern. Männergermurmel dringt aus dem Dickicht. Die idyllisch gelegegene Lange Halde in Essingen ist an diesem Morgen kein Kleinod für Menschen, die es ruhig mögen. Ein Dutzend Männer steht mit Motorsensen auf der Wacholderheide in Richtung Tauchenweiler und mäht Gräser und verblühte Blumen ab. Am Wegesrand wartet Bernhard Naderer. Er ist frisch gewählter Vorsitzender von Essingens Naturschutzgruppe und koordiniert die Arbeiten. "Die Wacholderheiden in Essingen gibt es schon lange, gepflegt wurden diese von Schafen", sagt Naderer, mit dem Helm in der einen, und der Schutzbrille in der anderen Hand.

Irgendwann habe sich die Haltung für Schäfer nicht mehr gelohnt. "Danach vegetierten die Heiden vor sich hin", sagt der Vorsitzende. Wäre da nicht die Naturschutzgruppe. Seit 30 Jahren halten Mitglieder die Heide in Schuss. Und das lohnt sich, denn in der Langen Halde blühen Küchenschellen, Herbstastern, Golddisteln, und, und, und. "Das ist ein Paradies für Wildbienen", schwärmt Naderer.

Eine weitere Elektro-Sense heult auf. Angeworfen von Hanns Starzinsky. Der Gerätewart der Gruppe steht an seinem selbstkonstruierten Anhänger, der einige Meter entfernt von Naderer geparkt ist. "Ich schaue, dass die Maschinen laufen", sagt er. 18 Rechen, acht Gabeln, Mäher, Helme, Tragegurte und mehr befinden sich auf dem Anhänger. Der ehemalige Ingenieur ist gern Teil der Gruppe. "Mir macht die Arbeit Spaß. Das bisschen Natur was man noch hat, sollte man pflegen", sagt er und widmet sich wieder der Sense.

Viele Schritte weiter, hinter dem Wasserriss, steht Hartmut Ilzhöfer auf einem Wiesenstück. Die Geräusche der Motoren sind verschwunden. Ilzhöfer knipst einzelne Äste am Boden ab. "Ich mache das weg, was die Mäher übrig gelassen haben", erklärt er. Auch abgeknickte Bäume sägt er vollends ab. "Ich mache das hier aus Überzeugung", sagt er während einer kleinen Pause. Außerdem sei die Lange Halde sein Lieblingsweg. Diesen geht es nun weiter. Wieder einige Meter nach vorn. Hartmut Ilzhöfer ist inzwischen hinter einer Kurve verschwunden. Nach einer weiteren Kehre tauchen etliche Frauen und ein Mann auf.

Die Ehrenamtlichen stehen auf der Wacholderheide, die so steil wie eine Rutsche ist, und rechen das abgemähte Gras zusammen. "Man muss schauen, dass man einen gescheiten Stand hat", erklärt Marita Ilzhöfer, die seit etwa 30 Jahren Mitglied der Gruppe ist. Mit etwas Schwung und Schuhen mit Profil geht's die Heide hinauf. Von oben bietet sich ein Blick über die Wiesen und Felder zwischen Essingen und Tauchenweiler, an den Wäldern kratzt der Morgennebel. "Jede Jahreszeit blüht hier etwas anderes", sagt die Essingerin, während sie das Gras zusammenrecht. Zehn Meter weiter oben steht Ulrich Mürder mit seinem Rechen. "Wenn man nichts macht, kommt der Wald", erklärt er. Das sei ein Grund, warum er Mitglied der Gruppe ist.

Wir ersetzen die Schafe in Essingen.

Bernhard Naderer, Naturschutzgruppe Essingen

Arbeit gibt den Pflanzen Raum

Die Sonne taucht die Umgebung in einen Orangeton. Ingrid Starzinsky ist mit einer Sonnenbrille bestens ausgestattet. "Es ist schön zu sehen, wie sich die Pflanzen hier durch unsere Arbeit vermehren", erzählt sie. Ohne die Ehrenamtlichen verwuchere die Wacholderheide, sagt Starzinsky und zeigt auf einen Wacholderbusch. "Mir macht die Arbeit Spaß, jeder macht das, was er kann." Mit diesen Worten schnappt sie sich wieder ihren Rechen und befreit die Heide vom abgemähten Gras. Mit Schwung geht es die pistenähnliche Wiese wieder hinunter, die Lange Halde zurück zum Ausgangspunkt. Auf dem Weg sind Hartmut Ilzhöfer, Hanns Starzinsky, Bernhard Naderer und die anderen Männer anzutreffen. Die Motorsensen knattern.

Wer kostenlos Mitglied werden will in der Gruppe kann sich melden bei b.naderer@freenet.de

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