Volle Härte der Pandemie gespürt

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Frederick Mädger in seinem Therapiezentrum in Böbingen an der Rems.
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15 Monate Corona haben die Ansprüche der Patienten an die physiotherapeutischen Behandlungen verändert. Osteopath Frederik Mädger hat eine Studie zu den Langzeitfolgen erarbeitet.

Böbingen.

Frederik Mädger ist Inhaber der Praxis für Schmerz- und Physiotherapie in Böbingen. Nach 15 Monaten Pandemie zieht der Osteopath und Physiotherapeut Mädger eine erste Bilanz, wie sich der Anspruch der Behandlungen an seinen Patienten verändert hat. Corona habe in der Praxis zu neuen Herausforderungen in den Behandlungen geführt, der Schmerztherapeut hat eine klinische Studie zu den Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung ausgearbeitet, die im Juni veröffentlicht wird.

Die ersten großen Veränderungen waren in der Praxis für Schmerz- und Physiotherapie bereits zu Beginn der ersten Welle im vergangenen Frühjahr zu verzeichnen. Viele orthopädische Operationen an Knie, Hüften oder Bandscheiben wurden in den Kliniken abgesagt, es fehlten in der Folgezeit die Rehabilitationsbehandlungen an den Patienten.

„Unter den Patienten herrschte eine große Verunsicherung, verbunden mit der Angst vor einer Ansteckung“, erzählt der studierte Osteopath. In seiner Praxis sei bereits vor der Pandemie ein anspruchsvolles Hygienekonzept angewendet worden, das in der Folge um medizinische Masken ergänzt wurde. Trotzdem, so Mädger, „trauten“ sich weit über die Hälfte der Patienten nicht mehr in die Behandlung.

Seiner Aussage nach habe Corona die unterschiedlichsten gesundheitlichen Störungen verursacht. „Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers und können unterschiedliche Ursachen haben“, erläutert Mädger. Wut, Ärger und Angst seien Stressfaktoren, die zu körperlichen Beschwerden führen können. Die wiederum äußerten sich etwa in Rücken- oder Kopfschmerzen aber auch Verdauungsbeschwerden könnten stressbedingt ausgelöst werden.

Daher gelte es für einen Osteopathen und Schmerzphysiotherapeuten, bei der Behandlung „den ganzen Menschen und nicht nur die Symptome“ zu sehen. Umso wichtiger seien daher in Zeiten der Kontakt- und Abstandsbeschränkungen die Gespräche mit den Patienten. „Denn für einige Patienten sind die behandelnden Therapeuten in dieser Zeit oft die einzigen Sozialkontakte“, berichtet Mädger weiter. Gerade bei diesen Menschen sei auch die „therapeutische Berührung wichtig und heilsam“. „Die Patienten suchen das Gespräch und die Zuwendung“, weiß der Therapeut. In seiner Praxis hat er die „die volle Härte der Pandemie“ mitbekommen.

Die Ausmaße von Long-Covid bestürzen Mädger sehr. „Viele Patienten leiden unter neurologischen Problemen, Erschöpfungssymptomen und Problemen mit der Lungenfunktion, bei manchen ist das Kurzzeitgedächtnis gestört andere klagen auch nach langer Zeit noch über Geruchs- und Geschmacksverlust.“ Junge und vormals gesunde Menschen seien aufgrund von Long-Covid seit über einem Jahr im Krankenstand.

Mit den drei Säulen der „ganzheitlichen“ Osteopathie konnte laut Mädger bei allen Patienten zumindest eine Linderung der Symptome erzielt werden. „Für alle Testpersonen war nach den Behandlungen mindestens eine Eingliederung in den Beruf wieder möglich“, meint Mädger. Wiederholt betont er, kein Psychologe zu sein. „Aber auch ein offenes Ohr und ein Gespräch können Hoffnung geben und heilsam sein. Eine Verbesserung der körperlichen Situation geht auch immer mit einem positiven Effekt auf die Psyche einher.“

Angst und Stress können zu körperlichen Beschwerden führen.“

Frederick Mädger, Osteopath und Physiotherapeut

Was man unter Osteopathie versteht

Die Osteopathie ist eine eigenständige, ganzheitliche Form der Medizin, in der Diagnostik und Behandlung mit den Händen erfolgen. Osteopathie geht dabei den Ursachen von Beschwerden auf den Grund und behandelt den Menschen in seiner Gesamtheit. Die Therapie stimuliert die körpereigenen Selbstheilungs- und Selbstregulationskräfte.

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