Von Grubenlampen und Modergeruch

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Dieter Schmidt räumt Brett für Brett zur Seite. Darunter kommt der Eingang zum Eiskeller zum Vorschein.Fotos: Benedikt Walther
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In dieser Folge geht's in die Tiefe, genauer: in den Eiskeller von Essingens Dorfmuseum. Dort schlummern nicht nur Spinnen, sondern auch Geschichten.

Essingen

Dieter Schmidt kniet im Museumsstüble auf dem Boden. Er schiebt Brett für Brett zur Seite, bis der Blick auf ein Loch frei ist. Eine fahle Grubenlampe leuchtet auf. Sie signalisiert: Der Eiskeller ist geöffnet. Damit sind wir bei Teil vier der Sommerserie. Diesmal geht's in alte Gemäuer.

Modriger Geruch schlägt dem Besucher beim Gang durch den engen Schacht entgegen. Spinnweben verfangen sich im Haar. "Hier war sicher schon zwei Jahre keiner mehr", sagt der Vorsitzende des Museumsvereins und macht Halt vor einer Holztüre. Er schiebt den Riegel zur Seite und tritt in den Gewölbekeller von 1700. Eine kühle Brise weht heraus. Rote, poröse Steine kommen zum Vorschein. Der Boden ist rutschig. Zappenduster ist es hier – entgegen der Erwartungen – nicht. Denn die Essinger Museumsmacher und Schülerinnen und Schüler der Parkschule haben die Grotte auf Vordermann gebracht, Lichtquelle inklusive.

"Der Keller war voll mit Dreck. Hier kam der ganze Bauschutt rein", erinnert sich Schmidt. Eine Treppe gab's keine. Lampen auch nicht. Und: Es war kein Zugang vorhanden. "Die Mitglieder des Vereins haben ein Fenster eingeschlagen, um von unten an den Keller ranzukommen."

Das ist nun 14 Jahre her. Seitdem hat sich das Gewölbe ganz schön verändert. Gut, ein Ort mit Wohlfühlatmosphäre ist es immer noch nicht, aber für eine Abkühlung an einem heißen Sommertag taugt es allemal – dies ist schließlich auch der Sinn des Kellers, der damals von einer Brauerei genutzt wurde. Im Winter sei Eis aus den Weihern um die Gemeinde herum geschlagen worden. "Das wurde dann hier reingepackt, damit es kühlt und nicht schmilzt", erklärt der Vorsitzende weiter.

Zeitreise ins 18. Jahrhundert

Der Keller war voll mit Dreck. Hier kam der ganze Bauschutt rein.

Dieter Schmidt Vorsitzender des Museumsvereins

Wer sich hier unten aufhält, fühlt sich, als wäre er in der Zeit zurückgereist – ins 18. Jahrhundert: Alte, verrostete Bierfässer und Pflöcke lagern dort. Doch eine Kleinigkeit deutet doch auf die Moderne hin. An der Wand gibt's einen Ventilator. "Wir hatten hier unten große Probleme mit Feuchtigkeit", sagt Schmidt. Im Museumsstüble direkt über dem Keller habe es deshalb "gemuffelt". Also bauten die Männer um den ehemaligen Vorsitzenden Rudolf Fallak eine Belüftung ein.

Eigentlich führt der Eiskeller noch weiter ins Innere. Eigentlich. Doch dicke, alte Wände begrenzen den Raum. "Wir haben hier nicht weiter aufgemacht", sagt Dieter Schmidt und tritt über die staubigen Treppen den Weg zurück in Richtung Tageslicht an.

"Wir hatten den Plan, den Keller für Besucher zugänglich zu machen." Doch dann hätten die Museumsmenschen ein Geländer einbauen und einige Tische abbauen müssen. "Das hätte sich nicht gelohnt", sagt er weiter.

Brett für Brett schiebt er über den runden Kellereingang. Der Lichtschein aus dem Innern wird schwächer und schwächer. Mit dem letzten Brett knipst er das Licht aus, die Grubenlampe erlischt.

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