Von Stockmüttern und Pollenhöschen

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Imker Dietmar Wiech wirft einen Blick auf die Bodenplatte. Darauf befinden sich Flügel, Pollen und Beine. "Die SchwäPo-Bienen sind sehr sauber", sagt der Imker.
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So langsam geht's wieder rund bei den Bienen. Dietmar Wiech wirft früher als geplant einen Blick in den Stock des SchwäPo-Bienenvolks. So geht's den Tieren.

Essingen

Der Imker erfindet sich jedes Jahr neu", sagt Dietmar Wiech und stapft zu seinen Angestellten. Die schwirren umher, sind munter, für diese Jahreszeit fast schon zu munter. Bienen richten sich nach dem Stand der Sonne und der Temperatur. Da's immer wärmer wird, werden auch die Tiere immer früher agil, wie der Imker erklärt. Eigentlich würde Wiech erst im März einen Blick in den Stock des SchwäPo-Bienenvolks werfen, das im Bienenschaugarten bei Essingen wohnt. Doch 18 Grad und Sonne erfordern diesen Schritt im Februar.

Was den Imker interessiert: Lebt die Königin noch? Legt sie Eier? Haben die Bienen Futter? Geht's dem Volk gut? Letzteres kann Wiech sehen, ohne einen Blick ins Innere des Stocks zu werfen. Er platziert sich am Flugloch der Wohnung und beobachtet die Bienen. "Ich schaue, ob sie Pollenhöschen haben. Denn Pollen sind das Eiweiß für die Brut." Und siehe da, eine nach der anderen fliegt mit gelben Pluderhosen ins Innere. Das bedeutet: Die Königin lebt mit großer Wahrscheinlichkeit, es gibt Brut im Stock, das Volk ist gesund, Wiech atmet auf.

Futter, Brut, Futter

Programmpunkt Nummer 2: Futterkontrolle. Das Futter muss so nah wie möglich am Brutnest sein, sonst verhungern die Tiere, wenn es Minusgrade gibt. Denn die Brut zu wärmen, das hat für die Bienen Priorität, von den Waben mit dem Nachwuchs entfernen sie sich daher nicht. Der Imker öffnet den Stock, sucht Königin und das Brutnest, und platziert nun rechts und links davon die Rahmen mit Futter.

Das Volk ist dann zum Tode verdammt.

Dietmar Wiech Imker

"Jetzt ist eine gefährliche Zeit", erklärt der Imker, während er den Stock umsortiert. Die Bienen surren um ihn herum. Im Frühjahr könne der Imker viele Völker verlieren, wenn er nicht auf seine Tiere achte und ihnen (bei Bedarf) nicht genügend Futter bereitstelle. Etwa zehn Kilogramm Futter – Zuckerrübensirup, das die Tiere vor dem Winter bekommen haben – verspeisen die Bienen noch bis April, dann können sie sich selbst ernähren, wie Wiech sagt.

"Gemülldiagnose" steht an

Der Imker schließt den Stock wieder und zieht die Bodenplatte heraus. "Jetzt machen wir eine Gemülldiagnose." Für alle, die Imkerchinesisch nicht verstehen: Wiech sieht sich den Müll der Bienen genauer an. Dort liegen Flügel, Beine, Pollen. Auch dies sei ein Zeichen, dass mit den Tieren alles in Ordnung ist. "Ich sehe, dass sie Pollen eintragen und die Deckel von den Futterwaben abfressen."

Dem SchwäPo-Bienenvolk geht's gut. So weit, so beruhigend. Doch was wäre, Herr Wiech, wenn sich die Königin vom Acker gemacht hätte? "Ohne Königin wird eine Biene zum Stockmütterchen und beginnt mit dem Eier legen." Das Problem: Da die Biene nicht begattet ist, schlüpfen nur Drohnen, also männliche Bienen. "Das Volk ist dann drohnenbrütig und zum Tode verdammt." In etwa vier Wochen würde Ruhe im Stock einkehren, die letzte Biene sterben. Damit das nicht passiert, kann der Imker eine gezüchtete Reservekönigin ins Volk setzen, denn die Bienen können in dieser Jahreszeit noch keine Königin selbst nachziehen. Oder: Der Imker setzt das Volk auf einen anderen Bienenstock und hofft, dass es dort angenommen wird.

Kurz und knapp: das Bienen-Einmaleins

Hier erzählt Dietmar Wiech Wissenswertes rund um die Honigbiene:

Keine Männer: Im Winter leben keine Drohnen im Volk. Magen: Der Honigmagen fasst etwa 0,05 Gramm, das entspricht dem Besuch von 1000 bis 1500 Blüten. Wachs: Ein Bienenvolk kann im Jahr 500 Gramm Wachs produzieren. Dafür werden 3,5 bis 4 Kilogramm Honig benötigt.

Imker Dietmar Wiech wirft einen Blick auf die Bodenplatte. Darauf befinden sich Flügel, Pollen und Beine. "Die SchwäPo-Bienen sind sehr sauber", sagt der Imker.

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