Waldwirtschaft im Klimawandel

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waldumbau Symbolfoto: Oliver Giers

Wie die Realgenossenschaft Essingen gewirtschaftet hat und vor welchen Herausforderungen der Forstbetrieb steht.

Essingen

Gut besucht war die Genossenversammlung in der Remshalle Anfang April, die nach zweijähriger coronabedingter Pause erstmals wieder in Präsenz durchgeführt werden konnte.

„2021 war ein gutes Jahr für den Wald“, sagt Revierleiter Bernhard Naderer im Nachgang. Es gab mehr Niederschläge und weniger Hitze als in den Jahren davor, als das Holz durch Käferbefall, bedingt durch die Trockenheit, schadhaft und weniger wert war.

Der Holzpreis für Nadelholz sei 2021 gestiegen, die Nachfrage ist groß. Das zeige sich auch am guten Ergebnis in den Holzerlösen, so der Förster.

10 000 Jungpflanzen wurden im vergangenen Jahr gesetzt. Die sind gut angewachsen, berichtet Naderer. „Das nasse Wetter hat uns in die Karten gespielt.“ Eigentlich bevorzuge man die natürliche Verjüngung, so der Förster, weil sie kostengünstiger ist und die Pflanzen besser angepasst sind. Unter dem Einfluss des Klimawandels werden aber zunehmend klimagerechte Pflanzen gesetzt. Wie die Douglasie, die als klimaresistent gilt. „Diese Kulturen sind teurer“, sagt der Revierleiter. Aber man brauche sie, um andere Baumarten einzubringen. „Wir versuchen, das Artenspektrum zu erhöhen.“ Während vor einigen Jahren hauptsächlich Fichte gesetzt wurde, sind inzwischen auch andere Kulturen eingebracht wie Douglasie, Lärche, Tanne und Eiche.

Ein weiterer Kostenpunkt: Die Jungpflanzen müssen mit Zäunen und Gittern vor Wildverbiss geschützt werden. Offensichtlich freuen sich die Rehe über unbekannte Nahrung auf der Speisekarte. „Neue Baumarten werden besonders gern verbissen“, erklärt der Förster.

Mit einem Holzeinschlag von 9 838 Festmetern wurde 2021 ein Reinertrag von 184 877 Euro erzielt und damit eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 2020 mit 98 369 Euro. Im Haushaltsplan 2022 ist ein Holzeinschlag von 9 950 Festmetern vorgesehen mit einem ähnlichen Betriebsergebnis wie 2021. Der Gewinnanteil beträgt 2021 bei einem ganzen Realrecht 1.188 Euro. Ausgezahlt werden davon 750 Euro, nachdem die Genossenversammlung dem Vorschlag zugestimmt hat. Warum wird nicht der gesamte Gewinn ausgezahlt? „Unser Betrieb braucht auch Liquidität“, antwortet Rechnerin Claudia Blank. Deshalb wolle man nicht alles ausbezahlen, sondern Rücklagen bilden. Waldgrundstücke dazukaufen, andere Baumarten etablieren und deren aufwendiger Schutz – das sind nur einige Beispiele für die Verwendung der Rücklagen, die Vorstand Heinz Kolb aufzählt.

Die große Herausforderung für die Realgenossenschaft ist der Klimawandel. „Es weiß keiner ganz genau, wie sich das Klima entwickelt“, sagt Bernhard Naderer. Man gehe von verschiedenen Szenarien aus. „Es wird mit Sicherheit nicht einfacher, Wälder hinzukriegen, die in Zukunft alle unsere Erwartungen erfüllen. Es kostet uns immer mehr Mühe.“

2021 war ein gutes Jahr für den Wald.“

Bernhard Naderer, Revierleiter

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