Was braucht der Wald der Zukunft?

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Die Reinhold-Maier-Stiftung hatte in Kooperation mit der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker zu einer Informationsveranstaltung auf das Schloss Hohenroden geladen. Thema: Wie muss der Wald der Zukunft aussehen, um Umwelt-Gegebenheiten angepasst zu sein?

Kleiner „Crashkurs“ von Philipp Freiherr von Woellwarth bei einer Veranstaltung der Reinhold-Maier-Stiftung und der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker auf Schloss Hohenroden.

Land- und Forstwirte sind die effektivsten Naturschützer.“

Klaus Hoher,, Sprecher der FDP-Fraktion

Essingen-Hohenroden

Extreme Hitze, Temperaturschwankungen, Niederschlagsmangel einerseits und gleichermaßen häufige Unwetterereignisse: Kein Zweifel, der deutsche Wald steht unter Stress, ihm muss geholfen werden. Die Frage ist nur: Wie muss ein Wald der Zukunft aussehen, der diesen Gegebenheiten angepasst ist und gleichzeitig seine vielfältigen Funktionen - Holzproduktion, Natur- und Biotopschutz, Wasser-, Klima-, Lärmschutz und Erholung – erfüllt?

Um diese Frage zu diskutieren, hatte die Reinhold-Maier-Stiftung in Kooperation mit der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker zu einer Informationsveranstaltung in den zwischen Essingen und Lautern gelegenen Forst der Familie von Woellwarth geladen. Philipp Freiherr von Woellwarth hatte es übernommen, an konkreten Beispielen deutlich zu machen, nach welchen Prinzipien er seinen Wald bewirtschaftet und welche Maßnahmen bereits heute Ergebnisse zeigen. Ihm zur Seite stand der land-, wald- und forstwirtschaftliche Sprecher der FDP-Fraktion im Stuttgarter Landtag, Klaus Hoher, selbst ausgebildeter Land- und Forstwirt, der zu einzelnen Themen die kontroversen landespolitischen Diskussionen und Standpunkte ergänzte. Sein Credo lautete: „Land- und Forstwirte sind die effektivsten Naturschützer, aber nur wirtschaftlich gesunde Betriebe können diese Aufgabe erfüllen.“

Als erstes Beispiel für eine ökologisch sinnvolle Einzelmaßnahme zeigte Philipp von Wöllwarth einen Agroforst. Hier war eine relativ große, im Fruchtwechsel bewirtschaftete Fläche durch drei parallele Doppelreihen schnell wachsender Pappeln gegliedert. Der Effekt: weniger Wind und dadurch weniger Austrocknung und Frostschäden im Frühjahr. Das Beikraut – landläufig als Unkraut bezeichnet – werde bis zu einer gewissen Höhe toleriert, da es ebenfalls die Austrocknung mindere und so zu einer Verbesserung der Bodenqualität beitrage. „Zudem stellen die Pappelreihen ein eigenes Biotop dar, das jungen Hasen Schutz und den Bienen Nahrung bietet“, ergänzte von Woellwarth weitere Effekte.

An vielen Beispielen machte er deutlich, dass die Bewältigung des Klimawandels auf sehr differenzierten Einzelbetrachtungen basieren muss. So sei – speziell in den hier gegebenen Höhenlagen – die Fichte keineswegs fehl am Platze. An den richtigen Orten könne sie gemeinsam mit Laubbäumen gedeihen. Ihr Problem seien die Monokulturen. Der Wald der Zukunft werde ein Mischwald sein. Und dies auch in dem Sinne, dass eine altersmäßige Durchmischung stattfinde: wenn dann die älteren Bäume gefällt werden, sei der „Nachwuchs“ bereits auf dem Wege.

Sind neue Urwälder sinnvoll?

Einen breiteren Raum nahm die Diskussion um die Frage ein, ob die von Umweltschützern und ihren politischen Vertretern oft vertretene Meinung, dass das Stilllegen von land- und forstwirtschaftlichen Flächen – also die Bildung neuer Urwälder – grundsätzlich ökologisch sinnvoll sei. Dem widersprachen beide Fachleute und Praktiker vehement: Im Wald gebundene Biomasse, die langfristig genutzt werde – beispielsweise im Wohnungsbau – sei langfristig gebundenes und damit der Umwelt entzogenes CO2. Ziehe man Biomasse aus dem Prozess, verrotte sie und gebe das bisher langfristig gespeicherte CO2 wieder an die Umwelt ab. Und das sei das Gegenteil dessen, was geboten ist. Humus entstehe und erhalte sich nur durch land- und forstwirtschaftlichen Betrieb und Pflege. Stillgelegte Flächen verlören ihre biologische Qualität für eine Nahrungsmittelerzeugung – ein Aspekt, der im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg eine neue Bewertung erfahre.

Die Teilnehmer dieser Informationsveranstaltung erhielten – wie einer es nannte – einen „Crashkurs in Sachen Land- und Forstwirtschaft“, der zweierlei hervorgerufen habe: ein verbessertes Verständnis für Zusammenhänge, die den Alltag maßgeblich beeinflussen, und einen tiefen Respekt für die Menschen, die dort für die Allgemeinheit tätig sind.

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