Weiherwiesen: Steg statt Trampelpfad

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Dieser Weg wurde im Naturschutzgebiet Weiherwiesen errichtet. Er soll dafür sorgen, dass Besucherinnen und Besucher die ausgeschilderten Pfade nicht verlassen.
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Im Naturschutzgebiet Weiherwiesen bei Tauchenweiler wurde vor Kurzem ein Bohlenweg errichtet. Warum war dieser nötig?

Essingen-Tauchenweiler

Statt über Gras und Matsch, geht's im Naturschutzgebiet Weiherwiesen seit Kurzem über einen Bohlenweg. „Der Tourismus hat dort zugenommen. Der Weg ist an manchen Stellen kein Trampelpfad mehr, sondern eine fast neun Meter breite Straße“, sagte Bürgermeister Wolfgang Hofer in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Um die Natur zu schützen, hat die Gemeindeverwaltung in Absprache mit dem Regierungspräsidium und dem Schwäbischen Heimatbund daher den Steg zwischen den beiden Weihern errichtet. „Der Bohlenweg war eine notwendige Maßnahme“, betonte Hofer.

Vereinzelt wird Unmut laut – war der Weg nötig? Die Kritik mancher Besucherinnen und Besucher: Der Weg war bereits nach kurzer Zeit beschädigt, unter anderem war das Holz brüchig. Die SchwäPo hat mit dem Regierungspräsidium (RP) und dem Schwäbischen Heimatbund, Eigentümer eines Großteils des Gebietes, gesprochen.

Das sagt Lisa Tempus, Sprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart: „Durch die feuchten Witterungsbedingungen nach der Schneeschmelze Ende Februar/Anfang März waren einige Bereiche des Weges in den Weiherwiesen sehr sumpfig. Viele Besucherinnen und Besucher wichen den Bedingungen auf dem Weg aus – in den angrenzenden Wald und zum Teil in sensible Bereiche des Naturschutzgebiets“, erklärt die RP-Sprecherin. Um weitere Schäden zu vermeiden, sei der Steg installiert worden. „Durch die gute Zusammenarbeit der drei beteiligten Organisationen und der schnellen Umsetzung der Gemeinde Essingen konnten so weitere Beeinträchtigungen des Schutzgebiets verhindert werden“, betont sie.

Bei der Konstruktion handle es sich um eine „temporäre Einrichtung“. Soweit erforderlich, werde im Laufe des Jahres über eine dauerhafte Lösung nachgedacht, sagt Lisa Tempus. Die Schäden am Bohlenweg seien dem RP bekannt und bereits ausgebessert worden.

Das sagt Dr. Bernd Langner, Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbunds: „Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass alle Seiten ihr Möglichstes dafür tun müssen, dass Besucherinnen und Besucher auf den Wegen bleiben“, betont Bernd Langner. Dies habe zu unterschiedlichen Maßnahmen geführt, etwa zu einer verbesserten Ausschilderung und zur Installation von Absperrbändern. „Das hat alles nicht wirklich gefruchtet“, sagt er. Der Steg sei zwar nur ein Provisorium, er könne aber deutlich machen, dass Gäste auf „die Wege und nicht in die Trollblumen gehören“.

Dennoch: „Eine Lenkung funktioniert nur, wenn sich Besucherinnen und Besucher auch daran halten.“ Es müsse sich bei Gästen das Bewusstsein entwickeln, dass ein Naturschutzgebiet dafür da ist, die Natur zu schützen, sagt der SHB-Geschäftsführer.

Das Gebiet in Tauchenweiler für die Öffentlichkeit sperren, das ist für Langner keine Option. „Es ist nicht die Absicht des SHB, die Natur, die kein Privateigentum ist, zu verriegeln. Wir wollen, dass die Menschen die Natur sehen.“ Von den Menschen wiederum erwartet er, dass diese den Wert anerkennen und die Natur nicht für ihr Freizeitverhalten „missbrauchen“. Die Weiherwiesen seien „kein Reservat für Mountainbiker“, betont er.

"Besucherinnen und Besucher gehören auf die Wege und nicht in die Trollblumen.“

Dr. Bernd Langner Geschäftsführer Schwäbischer Heimatbund

Wo Trollblumen und Teufelskralle daheim sind

Im Schutzgebiet Weiherwiesen gibt's seltene Pflanzen und Tiere, etwa die Teufelskralle, das Sumpfveilchen, die Trollblume, der Wachtelkönig, die Winterlibelle und spezielle Moorarten.

Der Schwäbische Heimatbund hat einen Großteil der Flächen seit 1960 erworben und vor der Aufforstung gerettet. Seither wird das Gebiet mit Naturschutzmitteln gepflegt und ist seit 1978 als Naturschutzgebiet „Weiherwiesen“ unter Schutz gestellt. Baden, Angeln, Sport und offenes Feuer dort nicht erlaubt.

„Bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen, nehmen Sie Ihren Hund an die Leine und lassen Sie das Fahrrad außerhalb des Gebietes stehen. Die Tiere und Pflanzen der Weiherwiesen danken es Ihnen“, betont RP-Sprecherin Lisa Tempus.

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Dieser Weg wurde im Naturschutzgebiet Weiherwiesen errichtet. Er soll dafür sorgen, dass Besucherinnen und Besucher die ausgeschilderten Pfade nicht verlassen.

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