Wenn Weihnachten das ganze Jahr ist

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Die Weihnachtspyramide: Im Winter steht sie auf dem Spritzenhausplatz. Im Sommer wartet sie auf dem Gelände von Georg Löwenthal auf ihren nächsten Einsatz.
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Schausteller Georg Löwenthal gewährt einen Einblick in seine Schuppen.

Essingen. Schnee liegt keiner (zum Glück). Nach Glühwein duftet's auch nicht (leider). Über das Gelände des Essinger Schaustellers Georg Löwenthal in Essingen weht trotzdem das ganze Jahr über ein weihnachtlicher Hauch. Einen nicht unerheblichen Teil steuern die etwa 40 Marktbuden dazu bei, die in einem 70 Jahre alten Schuppen schlummern.

Der Aalener Weihnachtsmarkt und das Heidenheimer Winterdorf fristen dort ihr Dasein. Ein Pfahl, umschlungen mit Lichterketten, weist den Weg zur VR-Bank, zu Dr. Skate und zur Bäckerei Veit. An der Bude nebenan ist die Verzierung mit Tannzweigen zum größten Teil der Trockenheit zum Opfer gefallen – einzelne Nadeln liegen wie ein Teppich auf dem Tresen, über den im Winter Glühwein nach Glühwein gereicht wird. "Die Hütten haben wir hauptsächlich selbst gebaut", erzählt Schausteller Georg Löwenthal, der auf 20 bis 25 Volksfesten und Märkten im Jahr ist.

Auf einem Wagen lagert die Aalener Weihnachtspyramide, die im Winter auf dem Spritzenhausplatz steht. Wobei, dass es eine Pyramide ist, erkennt man nur, weil Löwenthal es sagt. Die Glühbirnen an den Lichterketten sind abgeschraubt, das Holzgestell ist in seine Einzelteile zerlegt. "Früher mussten wir immer fünf Mal von Aalen nach Essingen fahren, um alle Teile für die Pyramide zu haben", erzählt der Schausteller. Nun werde sie bequem auf dem Wagen nach Aalen verfrachtet.

In Löwenthals Schuppen hat jedes Teil seinen Platz, "sonst findest du ja nix mehr", sagt er. Doch wer die schmalen Gänge zwischen Buden, Holzfässern und Paletten entlanggeht, entdeckt in den dunklen Ecken so manches Unikat. "Spielhölle" steht in dicken Buchstaben auf einem Schild – eine Deko aus den 70ern. "So was hebt man auf", sagt er. Auch das Gerüst der ersten Boxautoanlage in der Region steht im Schuppen des Schaustellers – ordentlich gestapelt versteht sich. "So was kann man nicht wegtun, das ist Baujahr 1932", sagt der Essinger. Pfahl für Pfahl mussten die Arbeiter damals die Anlage mit purer Muskelkraft aufbauen. "Das war ‘ne Arbeit." Etwas weiter im Innern des Schuppens findet sich auch ein Boxauto aus Stahl, allerdings aus den 50ern. Apropos Boxauto: In einem solchen hat Georg Löwenthal auch seine Frau kennengelernt, aber das sei nur am Rande erwähnt.

Auf einem anderen Teil des Geländes wird's wieder weihnachtlicher, zumindest etwas. Eine festlich geschmückte Gondel steht in der prallen Sonne, die mit Lichterketten umwickelten Bäume für Aalens Weihnachtsmarkt lagern vor Regen geschützt unter einem Dachvorsprung. "Komm ins Aalener Weihnachtsland", steht auf einem Transparent. Wird's denn in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt geben? "Für den Weihnachtsmarkt in Aalen sieht es passabel aus. Das Konzept wird sich etwas verändern", sagt Löwenthal. Vielleicht liegt bis dahin sogar Schnee. Falls nicht: Der Glühweinduft ist garantiert (zum Glück).

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