Wie der Erntewagen aufgehübscht wird

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Lächeln für die Kamera. Gerdi Bäurle bei der Pferdewäsche.

Die Einholung des ersten Erntewagens wird in Essingen traditionell mit einem Dankgottesdienst gefeiert. Welche Vorbereitungen dafür nötig sind.

Essingen

Bevor am Abend die Pferde mit dem festlich geschmückten Erntewagen vorfahren, gibt es auf dem Hof von Gerdi Bäurle viel zu tun. Seit sie denken kann, sitzt ihre Familie auf dem Kutschbock des Erntewagens, erzählt die Landwirtin im Nebenberuf. Zuerst der Vater, dann der Onkel und jetzt die Essingerin selbst.

Während fleißige Frauen Blumen binden und den Wagen schmücken, wird das Pferdegeschirr geputzt. Nur bei besonderen Gelegenheiten wie etwa Umzügen wird das Festgeschirr von der Bühne geholt. Lederteile einfetten und Messing polieren – dabei hilft Onkel Hermann Bäurle. Er bringt die Messingplaketten auf den Schmuckriemen mit Polierpaste auf Hochglanz. Und hofft, dass es nicht regnet, denn wenn Wasserflecken auf die polierten Oberflächen kommen, bedeutet das stundenlange Nacharbeit.

Valesco und Lissy, so heißen die beiden Tiere, die den Erntewagen ziehen sollen. Und damit sie für diesen Anlass gut aussehen, werden sie vorher gründlich gesäubert. Zuerst der neun Jahre alte Valesco. Er kommt direkt von der Koppel. Gerdi Bäurle kratzt ihm mit Haken und Bürste den Schmutz aus den Hufen. Dann gibt’s eine warme Dusche mit dem Dampfstrahlgerät. Das scheint dem Schwarzwälder Fuchs zu gefallen. „Eine gutmütige Rasse“, sagt die Landwirtin, die ihn von oben bis unten abspritzt. Angst vor einem Huftritt hat sie keine. „Das ist ein Stück Vertrauenssache. Er muss Vertrauen zu mir und ich zu ihm haben.“ Mit einem Lappen wäscht sie Valeo den Kopf und reinigt Mähne und Schweif mit Schmierseife. Bei kaltem Wetter käme das Pferd jetzt zum Trocknen in eine Art Solarium, doch das erledigt heute die Sonne. Später wird die Esslingerin das Fell mit einer Bürste zum Glänzen bringen und die Hufe einfetten. Erst kurz vorm Anspannen wird dann das Geschirr angelegt.

Das zweite Pferd Lissi ist die Schwester von Valeo. „Die sind öfter zusammen und verstehen sich gut“, sagt Gerdi äurle. Wichtig ist der Landwirtin, dass die Tiere das ganze Jahr über eine gute Haltung erfahren und nicht nur am Festtag glänzen. Das sei natürlich mit Aufwand verbunden, so die Essingerin, die hauptberuflich als Beraterin im Bereich Schweinehaltung im Ostalbkreis arbeitet.

Damit Gerdi Bäurle mit ihren Pferden sicher unterwegs ist, verfügt sie über das Fahrabzeichen für Gespanne im Straßenverkehr und den gewerblichen Kutscherschein für Personentransporte.

Wie im letzten Jahr findet der Dankgottesdienst aufgrund der Corona-Pandemie wieder im Essinger Schlosspark statt. Viel Publikum hat sich bei bestem Sommerwetter eingefunden. Pfarrer Torsten Krannich predigt, der Posaunenchor spielt. Der mit Blumen geschmückte Erntewagen ist ein Blickfang, ebenso die herausgeputzten Pferde, deren Zügel Gerdi Bäurle in der Hand hält.

Er muss Vertrauen zu mir und ich zu ihm haben.“

Gerdi Bäurle, Landwirtin über das Pferd Valesco

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