Wie Essingen gegen Motorradlärm vorgehen will

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Symbolbild: Pixabay
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Die Landesstraße 1165 von Essingen nach Lauterburg ist eine beliebte Motorradstrecke. Das sorgt für Krach im Ortskern. Die Gemeinde ist nun Mitglied einer Initiative

Essingen

Lautes Motorenbrüllen. Wusch, ein Kraftrad rast auf der Landesstraße 1165 von Essingen in Richtung Lauterburg. Wusch, noch eines folgt. "Viele Fahrer geben auf dieser Strecke Vollgas. Das hört man durch den ganzen Ort", sagt Bürgermeister Wolfgang Hofer. Die Gemeinde hat daher dem Motorradkrach den Kampf angesagt und sich der Initiative "Motorradlärm" angeschlossen. 74 Städte und Gemeinden sowie sieben Landkreise des Lands Baden-Württemberg gehören zu dieser.

Und was verspricht sich Essingen von der Mitgliedschaft? "Wir hoffen dadurch, dass das Thema mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt." Jeder solle dazu beitragen, dass Motorräder leiser werden. "Man kann mit Gesetzen regeln, dass die Gefährte nicht so laut sind", sagt der Bürgermeister weiter. Außerdem solle rücksichtloses Fahren höher bestraft werden.

An einem Strang ziehen

Um all diese Forderungen zu erreichen, haben die Mitglieder der Initiative einen Forderungskatalog zur Reduzierung des Lärms erarbeitet. Das Ziel: damit an politische Entscheidungsträger herantreten. Denn um den Motorradlärm zu verringern, müssen Händler, Hersteller, die Regierung und die Europäische Union an einem Strang ziehen, wie es in einer Mitteilung der Initiative heißt.

Motorräder, die seit 1. Januar 2016 zugelassen sind, müssen den Grenzwert von 77 Dezibel einhalten – das ist etwa so laut wie ein Bohrer. Für Autos gelte seit 1996 ein Lärmgrenzwert von 74 Dezibel. Das teilt die landesweite Verkehrssicherheitsaktion Baden-Württemberg im Netz mit.

Viele Fahrer geben auf der Strecke Vollgas.

Wolfgang Hofer Bürgermeister

Motorräder dürfen lauter sein

Und warum dürfen Motorräder lauter aufheulen? Laut Tüv-Nord gibt's dafür mehrere Gründe. Der Motor liege größtenteils frei, könne schlecht gedämmt werden und der Platz für eine Schalldämpfung sei begrenzt.

Wer mit einem zu lauten Gefährt unterwegs ist, muss nach dem Bußgeldkatalog 80 Euro Strafe zahlen.

Das Land vergibt aktuell Förderanträge für Motorradlärm-Displays. Auf diesen steht etwa der Satz "Psssst... Rücksicht!". Für die Förderung beworben habe sich die Gemeinde noch nicht, sagt Hofer. "Ich weiß nicht, ob die Displays die ideale Lösung sind." Er sei bereits froh, wenn die Gemeinde durch die Mitgliedschaft in der Initiative etwas bewirken könne, sagt er und betont: "Wir haben nicht allgemein etwas gegen Motorradfahrer, nur gegen den Lärm."

Übrigens: Auch die Städte und Gemeinden Schwäbisch Gmünd, Abtsgmünd, Stuttgart und der gesamte Rems-Murr-Kreis haben sich der Initiative angeschlossen.

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