Wo einst die Mühle klapperte

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Ein Teil der ehemaligen Mühle.
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Christa und Rudi Bergmann leben auf dem Areal der ehemaligen Oberen Mühle in Essingen. Ein Blick in die Vergangenheit.

Essingen.

"Es klappert die Mühle im Mühlweg, klipp, klapp, klipp, klapp, klipp, klapp“ – keine Sorge, die Verfasserin dieser Zeilen weiß, wie der Text richtig geht. Doch die Hauptpersonen dieser Geschichte wohnen nicht am rauschenden Bach, sondern im Mühlweg. An die alte Getreidemühle, die dort bis Mitte der 70er stand, erinnert nur noch der Straßenname – und Christa (81) und Rudi (86) Bergmann, die mit ihren Erzählungen längst Vergangenes zum Leben erwecken.

„Hier war früher ein Ort der Kommunikation“, sagt die Essingerin. Hier, das ist im Mühlenweg mit der Hausnummer drei. „Mein Vater wusste bestens über alles Bescheid.“ Alfred Bäuerle, der die Obere Mühle 1936 gemeinsam mit seiner Frau kaufte, hatte auf dem Anwesen eine Zweigstelle der Kreissparkasse. „Am Küchentisch wurde das Geld ausgegeben“, erinnert sich die Rentnerin. Christa Bergmann packte selbst mit an, mit einem kleinen Besen und einer Kutterschaufel. „Wir mussten viel schaffen.“ Trotzdem habe sie gerne in der Mühle – dort wurde das Korn von Landwirten zwischen Aalen und Lauterburg gemahlen – gearbeitet.

Das Wasser wurde über eine Brücke zum Mühlrad geleitet. Dieses klapperte, wenn die Rems genug Wasser hatte, täglich von 7 bis 22 Uhr. Bauern lieferten ihre Ware mit Kühen oder Pferden an. Bis 1958. Dann war Schluss. Alfred Bäuerle verlieh die Mühle als Lager und baute von diesem Geld vier Garagen (diese stehen heute noch).

Ein Jahr später, im Januar 1959, kam Rudi Bergmann ins Spiel. Beim Hausball im Café Pietsch lernten sich Christa und Rudi kennen. Inzwischen sind sie 61 Jahre verheiratet.

Die Mühle, in der damals eines der größten Mühlräder Deutschlands mit einem Durchmesser von acht Metern stand, verlotterte immer mehr. Und das Ehepaar fasste einen Entschluss: Die Mühle wird abgerissen, ein neues Haus wird auf dem Areal gebaut. „Als das halbe Dach abgedeckt war, bin ich zum Grab meines Vaters gefahren und habe gesagt: 'Wenn du das sehen würdest, würdest du dich im Grab umdrehen'“, erinnert sich die ehemalige Metzgereiverkäuferin. So weit kam es zum Glück nicht. Mit viel Eigenarbeit – der inzwischen 86-Jährige zog die Zwischenwände und setzte die Holzdecken ein – entstand das traute Heim der Bergmanns, die zwei Kinder und zwei Enkelkinder haben. „Wir hatten damals keinen Kran“, sagt der ehemalige Polizist.

Fühlen sie sich nun wohl im Eigenheim? „Klar, wir wohnen seit 1978 hier“, betonen die beiden – und irgendwie klappert die Mühle immer noch, ist lebendig auf Fotos und in Erzählungen.

  • In Essingen gab es ursprünglich zwei Mühlen im Dorf, die erstmals 1512 erwähnte Untere Mühle und die ab 1632 nachzuweisende Obere Mühle. Im Jahre 1755 wurde noch eine Ölmühle außerhalb des Dorfes in der Nähe des Remsursprungs erbaut. Quelle: „Die Mühlen im ehemals woellwarthschen Essingen“ von Heinz Bohn.
  • Zur Serie: In der SchwäPo-Serie blicken wir zurück ins Jahr 1971. Ortsansässige erklären, was auf den 50 Jahre alten Fotos von Essingen und Lauterburg zu sehen ist, und wir zeigen, wie sich die Orte verändert haben.
Ein Teil der ehemaligen Mühle.
Ein Teil der ehemaligen Mühle.
Von der ehemaligen Mühle ist nichts mehr zu sehen. Nur noch vier Garagen erinnern daran.
Christa (81) und Rudi (86) Bergmann im Essinger Mühlweg.

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