Zu Gast in Liebs Museumswerkstatt

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Walter Lieb in der Werkstatt. Die meisten Sachen darin hat sein Vater Wilhelm Lieb gebaut.
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In diesem Teil der Vorher-Nachher-Serie geht es in die alte Werkstatt von Elekro Lieb in der Hauptstraße 11. Fast 100 Jahre alte Maschinen lagern dort.

Essingen

Wer die alte Werkstatt von Elekro Lieb betritt, wird versetzt ins Jahr 1925. Das liegt nicht an Hausbesitzer Walter Lieb (er ist gerade einmal 86 Jahre alt), sondern an der Ausstattung. Alte Glühbirnen hängen an der Decke, Drehbank und Bohrmaschine werden mit Riemen angetrieben und auch eine alte Fahrradlampe vollbringt noch ihre Dienste. „Nur die Leuchtstoffröhren sind neu hier drin“, sagt der Junggebliebene.

Und der Rest? Den hat Walter Liebs Vater, Wilhelm Lieb, vor fast 100 Jahren installiert. „Er hat sich die Elektrik selbst beigebracht“, erzählt der Rentner, der die Museumswerkstatt mit eigenen Funden aufgefüllt hat. „Das funktioniert noch alles hier drin“, betont er, legt den Schalter eines alten Prüfgeräts um und – siehe da – die Kontrolllampe leuchtet. Wie viele Sachen im Erdgeschoss der Hauptstraße 11 lagern, das kann der Walter Lieb nicht sagen. „Ich habe alles peu à peu gesammelt, damit man sieht, was früher war.“

Betrieb 1976 übernommen

1976 hat Walter Lieb das Elektrogeschäft übernommen – er stand weniger in der Werkstatt, sondern ging auf Montage und besuchte seine Kundinnen und Kunden. Für die Elektrik und das Flutlicht am Hirtenteich war er etwa zuständig, und in der Firma Scholz sah er nach dem Rechten.

Die Werkstatt liegt Walter Lieb am Herzen. Als im vergangenen Jahrhundert die Ortsdurchfahrt in Essingen gebaut wurde, sollte das Haus in der Hauptstraße 11 verschwinden. Das hätte dem Familienvater in der Seele wehgetan. Mit Roland Göhringer, dem damaligen Bürgermeister, fand er einen Kompromiss. „Drei Meter des Hauses, die Küche und das Wohnzimmer, wurden abgebrochen, der Rest blieb“, erzählt Walter Lieb, der in diesem Haus geboren ist.

Wer zur Zeit als das Foto aufgenommen wurde – 1971 – durch Essingen ging, konnte bei Liebs noch Elektroartikel kaufen. Toaster, Bügeleisen oder Glühbirnen gab's dort. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Laden aufgelöst, den beleuchteten Schriftzug montierte der Essinger vor mehr als 20 Jahren ab. Dieser lagere noch auf der Bühne, erzählt Walter Lieb, dem seine 86 Lebensjahre nicht anzumerken sind. Mit Frau Anneliese geht er in Essingens Wäldern gerne wandern. Mit seiner Zündapp, 1930er Baujahr, macht er kleine Ausfahrten. „Die Maschine läuft noch, hat TÜV und ist zugelassen“, sagt er stolz.

Walter Liebs Motto: Wer rastet, der rostet. „Man braucht immer etwas zum Denken und Überlegen.“

Zur Serie: In der SchwäPo-Serie blicken wir zurück ins Jahr 1971. Ortsansässige erklären, was auf den 50 Jahre alten Fotos von Essingen und Lauterburg zu sehen ist, und wir zeigen, wie sich die Orte verändert haben.

Nur die Leuchtstoffröhren sind neu hier drin.“

Walter Lieb, Elektrikermeister

Ich habe alles peu à peu gesammelt, damit man sieht, was früher war.“

Walter Lieb
1971: Glühbirnen, Lampenschirme, Bügeleisen, Toaster und mehr gab's bei Elektro Lieb in der Hauptstraße 11.
2021: Nur noch die großen Fenster erinnern daran, dass hier einmal ein Geschäft war.

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