Zu Weiberfasching: die Verwandlung in einen Remsquell-Narr 

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Sandra Franke als Remsquell-Narr.
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Sandra Franke, Maskenmeisterin der Remsquell-Narren, schlüpft für einen Vorher-Nachher-Vergleich in ihr Häs damit kann sie unerkannt Quatsch machen.

Essingen

Eine Verwandlung steht an. Sandra Franke sieht dann nicht mehr wie Sandra Franke aus. An bestimmten Details, so viel sei verraten, wird sie das geübte Auge trotzdem entdecken. Wer an Kafkas Werk „Die Verwandlung“ denkt, kann an dieser Stelle beruhigt werden. Ungeziefer spielen keine Rolle.

In Zivil, Jeanshose und Shirt, öffnet die 43-Jährige die Wohnungstür. Im Wohnzimmer liegt es bereits, das Häs der Remsquell-Narren, eine Gruppe des Essinger Faschingsvereins Haugga Narra. Zigmal streift sich die Essingerin in der fünften Jahreszeit das Häs über den Kopf, zigmal schlüpft sie in die gelben Schuhe, zigmal ist sie mit dem Schliggr (ein Küken, das einer Ente gleicht) unterwegs. Fast zwei Jahre war das Corona wegen nicht so. „Die meiste Zeit lag das Häs im Schrank“, sagt Sandra Franke und zieht sich rote Hose, Stulpen und Schuhe an – die Metamorphose beginnt.

Freundliche Gesellen

Was bedeutet der Maskenmeisterin ihr Gewand? „Man sieht selten ein so freundliches Häs wie unseres. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen der Zuschauer“, sagt sie. Und: „Man kann unerkannt Quatsch machen.“ Nichts Blödes, wie Sandra Franke betont. Denn die Remsquell-Narren sind freundliche Gesellen. Schuhbändel klauen oder Umzugsbesucherinnen oder -besucher verschleppen, das gibt's bei den Narren im Gelb-blau-roten-Kostüm nicht. „Wir wollen Spaß und Freude verbreiten.“

Weiter geht's. Die Erzieherin schnappt sich Oberteil, Glöckchengürtel und Handschuhe. Das Schöne am Fasching, erzählt die Mutter von zwei Kindern, sei für sie die Gemeinschaft. „Man verbringt mit Freunden eine schöne Zeit und es macht Spaß, gemeinsam aufzutreten und Tänze zu üben“, sagt sie und stülpt sich die Utensilien über.

Seit fast 43 Jahren besteht Sandra Frankes Liebe zu Fasching. Sie wurde ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt, denn auch ihre Eltern sind Faschingsfans – und auch sie legte die Liebe den eigenen Kindern in die Wiege. Beide Sprösslinge sind Mitglieder der Haugga und waren bereits im Kinderwagen bei Faschingsumzügen mit von der Partie. Auch ihr Mann Holger Franke ist bei den Narren aktiv: Er ist Präsident der Gruppe, die seit 1978 besteht.

Sandra Frankes Häs ist inzwischen fast komplett. Nur noch die Maske fehlt. „Angefertigt wurde diese von Maskenschnitzer Peter Sonder“, erzählt die 43-Jährige und streicht mit ihren Händen über das Antlitz der Larve mit dem schelmisch breiten Grinsemund. Ähnlich wie Till Eulenspiegel soll der Remsquell-Narr Freude und gute Laune verbreiten.

Und siehe da: Sandra Franke stülpt die Maske über den Kopf und sofort ist da beim Gegenüber das Bedürfnis zu lachen. Die Verwandlung in einen Remsquell-Narr ist vollendet. Ach ja, woran die Essingerin noch zu erkennen ist? „An den Orden oder den Handschuhen, jeder hat ein bisschen andere Details“, verrät sie.

Ein Video von der Verwandlung gibt's auf dem YouTube-Kanal der SchwäPo.

"Wir wollen Spaß und Freude verbreiten.“

Sandra Franke, Maskenmeisterin
Sandra Franke als Remsquell-Narr.
Sandra Franke in ihrer Alltagskleidung ...

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